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Von Herrn Sido will man nicht gestreichelt werden

Herrn Sido will nicht
ORF/Leitner

Lieber von einer Hand, die wir nicht drücken möchten, geschlagen als von ihr gestreichelt werden“, sagte Marie von Ebner-Eschenbach.

„Lieber von einer Hand, die wir nicht drücken möchten, geschlagen als von ihr gestreichelt werden“, sagte Marie von Ebner-Eschenbach. Ein edler Gedanke, der Dominic Heinzl sicherlich in jenem Moment durch den Kopf gegangen sein muss, als er jüngst von einem Faustschlag getroffen zu Boden ging. Allerdings auch einer, der dem Durchschnittsösterreicher eher nicht in den Sinn kam, als er der Attacke des deutschen Rappers Sido gegen den Moderator medial gewärtig wurde. Hier regierte vielmehr ein Gefühl der Befriedigung, weil es mit Heinzl eine Figur des öffentlichen Lebens erwischt hatte, der viele einen solchen Schlag von Herzen gönnten.

An den Stammtischen und in den sozialen Netzwerken herrschte eine regelrechte Schadenfreude, die Facebook-Gruppe „Sido 1 Heinzl 0“ kam innerhalb von zwei Tagen auf über 50.000 Mitglieder. Und Wortmeldungen à la „Den (sic!) hat schon lange eine auf die Fresse gehört“ bestimmen den Ton der Debatte. Geradezu unappetitlich lesen sich dann auch Kommentare auf Twitter oder Facebook, dass „a klane Tetschn“ ja ohnehin niemandem schaden würde. Ja, es scheint sogar immer noch ein tief verwurzeltes Verständnis dafür zu geben, dass jemandem einmal „die Hand ausrutscht“. Und Herr Sido war letztlich nur derjenige, der das, was viele sich immer schon gedacht haben, auch tatsächlich umsetzte.

Nein, man muss Dominic Heinzl nicht mögen. Und es ist gut möglich, dass er auch das Seinige zum letztlich eskalierten Streit beigetragen hat. Doch wer sich für Sidos Aggressivität derart begeistert und sie für ein probates Mittel erachtet, seiner Antipathie Ausdruck zu verleihen, gehört zur Kategorie Mensch, der man lieber nicht die Hand drücken sollte. Und für die gilt dann eine weitere Ebner-Eschenbacher'sche Weisheit: „Über das Kommen mancher Leute tröstet uns nichts als die Hoffnung auf ihr Gehen.“

 

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2012)