Arbeitsmarkt. Viele Arbeitslose haben Qualifikationen, die nicht gefragt sind.
Wien. Im September waren in Österreich 220.464 Personen arbeitslos gemeldet - um 5,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Zugleich steigt auch die Zahl der gemeldeten offenen Stellen: 27.947 Mitarbeiter werden gesucht - um 13 Prozent mehr als vor einem Jahr. Doch zwischen Angebot und Nachfrage klafft oft ein Spalt: die Ausbildung. Thomas Mayr vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) betont, dass vor allem niedrig Qualifizierte suchen, Fachkräfte jedoch gefragt sind. Das bestätigt auch Irmgard Prosinger vom Personaldienstleister Trenkwalder. "Fachkräfte bekommen sofort einen Job", sagt sie. Doch auch bei Hilfsarbeitern im Gewerbe sei die Situation nicht so schlimm wie oft dargestellt. "Wir bringen fast alle Leute unter", sagt sie. Freilich im Sommer leichter als im Winter. Aber generell gelte: "Wer ernsthaft einen Job sucht, der hat gute Chancen."
Tatsächlich geht es nicht nur um die formale Qualifikation, meint auch Mayr. Eine Studie des Instituts hat ergeben, dass für 57 Prozent der beim AMS gemeldeten offenen Stellen keine formale Qualifikation (also Studium oder Lehrabschluss) erforderlich ist: Trotzdem findet man für diese Stellen keine geeigneten Bewerber, weil es den Jobsuchenden an sozialen Kompetenzen (Kommunikationsfähigkeit, Umgang mit Kunden etc.) mangle. Noch weiter klafft die Schere zwischen offenen Lehrstellen und Lehrstellensuchenden auseinander: 4224 Lehrstellen sind offen - um mehr als die Hälfte mehr als vor einem Jahr. Ein Grund sind Förderungen der Regierung für zusätzliche Lehrlinge. Zugleich stieg die Zahl der Lehrstellensuchenden um 7,7 Prozent auf 7898.
Hauptgrund ist für Mayr der demografische Wandel (mehr 15-Jährige), ein weiterer Grund ist, dass heute eine Gruppe in die Lehre dränge, die früher keine Ausbildung erhalten habe. So ist der Anteil der Jugendlichen ohne Ausbildung in den vergangenen vierzig Jahren von 50 auf 15 Prozent zurückgegangen. Das werde sich künftig positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken: Niedrig Qualifizierte gehen in Pension, höher Ausgebildete, die stärker gefragt sind, rücken nach. Zugleich steige derzeit aber der Anteil der Personen, die eine Lehrstelle suchen, dafür aber nicht geeignet sind.
"Das ist ein gutes Zeichen, dass es mehr offene Stellen gibt", meint dagegen Johannes Kopf, Arbeitsmarktexperte im Wirtschaftsministerium. Immerhin steige auch die Beschäftigung. Dass die Arbeitslosigkeit prozentuell stärker steige, hänge damit zusammen, dass 40.000 Personen zusätzlich auf den Arbeitsmarkt gekommen seien (Frauen, Ältere, Ausländer), der Arbeitsmarkt aber nur 30.000 aufnehmen konnte.