Rosneft wird zum größten Ölkonzern

Rosneft wird groessten oelkonzern
Rosneft wird groessten oelkonzern(c) AP (Mikhail Metzel)
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Wladimir Putin hat sein Ziel erreicht: Der staatliche russische Energieriese Rosneft schluckt das Joint Venture TNK-BP und zahlt dafür 55 Mrd. Dollar. Der Ölkonzern BP bekommt 20 Prozent der Rosneft-Aktien.

Moskau/London/red./ag. Wladimir Putin hat sein Ziel, den weltgrößten börsenotierten Energiekonzern unter russischer Kontrolle zu schmieden, erreicht: Der Staatskonzern Rosneft kauft um 55 Mrd. Dollar (42,2 Mrd. Euro) das Öl-Joint-Venture TNK-BP, das bisher je zur Hälfte dem britischen Energiemulti BP und vier russischen Oligarchen gehörte. Die vier Milliardäre erhalten zusammen 28 Mrd. Dollar, BP bekommt 17,1 Mrd. Dollar plus knapp 20 Prozent der Rosneft-Anteile.

Übernahme war „Chefsache“

Nach der Übernahme wird Rosneft deutlich mehr Öl und Erdgas fördern als der bisherige Weltmarktführer Exxon. Russlands Präsident Putin setzt damit einen entscheidenden Schritt bei dem Vorhaben, die Öl- und Gasindustrie in Russland wieder weitgehend unter staatliche Kontrolle zu bringen. Die Branche war – wie viele andere Sektoren auch – nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den Neunzigerjahren hastig privatisiert worden. Viele der Milliardenvermögen russischer Oligarchen entstanden im Zuge dieser Privatisierungen.

Die Übernahme von TNK-BP war in Russland absolute Chefsache: Putin selbst hatte den Kauf in direkten Gesprächen mit dem Topmanagement von BP und Rosneft im vergangenen September orchestriert. BP verliert durch den Deal zwar einiges an Ölförderung in Russland, kann durch die Einbindung in Rosneft bei künftigen Projekten aber mit Unterstützung durch Putin und den mächtigen Rosneft-Chef Igor Setschin rechnen. Die Briten sind hinter dem russischen Staat künftig zweitgrößter Aktionär in der börsenotierten, aber von Moskau kontrollierten Rosneft.

Das Joint Venture TNK-BP war für die Briten zuletzt ohnehin keine einfache Aufgabe mehr gewesen: Mit den vier Mitbesitzern kam es zu immer schärferen Reibereien, die das Unternehmen lähmten.

Streitthema waren riesige Ölfelder in der russischen Arktis. Experten vermuten dort ein Fünftel der weltweit noch unerschlossenen Vorkommen.

Der Wettlauf um diese Quellen hat voll eingesetzt, wobei die mehrheitlich in Staatsbesitz befindliche Rosneft natürlich beste Chancen hat. BP wollte bei der technisch nicht unschwierigen Erschließung dieser Felder direkt mit Rosneft zusammenarbeiten. Das Oligarchenkonsortium wollte das aber unter allen Umständen verhindern: Nach dessen Vorstellungen sollte nicht der BP-Konzern allein, sondern das Joint Venture TNK-BP als Rosneft-Partner auftreten.

Für TNK-BP war das eine existenzielle Frage: Weil die russische Regierung Lizenzen für große Ölfelder zunehmend nur noch an Staatsunternehmen vergibt, drohten TNK-BP deutliche Einbußen.
Für BP dürfte sich die Zusammenarbeit mit den vier Milliardären trotzdem ordentlich ausgezahlt haben: Bei der Unternehmensgründung 2003 hatte die Beteiligung BP sieben Mrd. Dollar gekostet.

Es begann mit dem Yukos-Coup

Der Aufstieg Rosnefts zum bald weltgrößten Energiekonzern begann Mitte des vorigen Jahrzehnts mit der nicht ganz astreinen Übernahme des Großteils des Ölkonzerns Yukos von Putin-Kritiker Michail Chodorkowski. Der Yukos-Chef wurde wegen Unterschlagung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung mit einer langjährigen Haftstrafe „bedacht“ und solcherart außer Gefecht gesetzt. Der jetzige Rosneft-Chef, Igor Setschin, war damals Vizestabschef unter Putin.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2012)

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