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Musikverein: Eins, zwei, drei – so viel von Penderecki

(c) AP (STEPHAN TRIERENBERG)
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Eine Weltpremiere und eine Novität für Wien präsentierten Janine Jansen und Julian Rachlin mit dem Bayerischen Rundfunkorchester unter Mariss Jansons im Gläsernen Saal. Ein neues Quartett erklang im Souterrain.

Wie Krzysztof Penderecki vom Vorzeige-Avantgardisten zum – von manchem Kollegen geschmähten – Neo-Romantiker wurde, erzählte der Komponist selbst vorab im Rahmen der Gesprächsreihe von Musikverein und „Presse“ im Gläsernen Saal. Er, der einst Klänge so kühn geschichtet hat wie kein Zweiter, wolle schlicht „Musik schreiben, die ich selbst gern hören möchte“.

Das trägt ihm Verachtung der Kommentatoren, aber Liebe des Publikums ein. Und die der Interpreten: Janine Jansen und Julian Rachlin musizierten im Verein mit dem Bayerischen Rundfunkorchester unter Mariss Jansons das Auftragswerk zum Jubiläum der Gesellschaft der Musikfreunde, ein „Doppelkonzert“, das tatsächlich auf einem Moll-Dreiklang aufbaut und beinah unentwegt in tonalen Gefilden webt und schwingt.

Nur hie und da treiben die energetischen Solisten, vor allem die stets angriffslustig lauernde Geigerin, die dramatischen Ballungen, die sich aus immer neuen Varianten der heimeligen Melodienfloskeln ergeben, in dissonantere Bereiche.

Bald „übergeben“ die beiden dann aber wieder an Kollegen im exzellenten Orchester, voran an den Oboisten, der mit weichem Ton auch höchste Regionen seines Instruments erobert.

Auch die Zugabe eine Novität

Als Zugabe dann eine „Chaconne“, die Penderecki schon vor Jahren für Jansen und Rachlin komponiert hat, einen nicht minder raffiniert aus sanftem Beginn in heftige Bewegung gesteigerten, dann wieder subtil zurückmodellierten Klangbogen, der erneut Jubelstürme provoziert. Von solcher Art sind Erfolge anno 2012 – Verfechter des Fortschrittsgedankens müssen darüber verzweifeln.

Das Publikum feierte Penderecki freilich auch noch eine halbe Stunde später – wieder im Gläsernen Saal, wo, während Jansons die „Eroica“ dirigierte, das junge, herrlich agile polnische Meccorre Quartett das Dritte Streichquartett zur österreichischen Erstaufführung brachte (die dritte dieses Abends, womit die Gesellschaft der Musikfreunde einen Rekord aufgestellt haben dürfte).

Auch dieses Werk geht von einem Moll-Dreiklang aus, der bald in zwei Elemente, eine repetierte Terz und die chromatisch umspielte Dominante zerfällt: Beide sind Kraftzentren, von denen aus die Musik immer neue Eruptionen erlebt, aber immer wieder in sich zusammensinkt – das sind wohltönende Erinnerungen an die früheren, grell dissonierenden Klangbilder Pendereckis, gezähmt. Nicht nur er hört dergleichen offenbar gern.

Für alle, die das live erleben möchten: Im Musikverejn kündigt man die „Erstaufführung“ gleich noch einmal – für den Brahmssaal – an: Am 22. November musiziert das Kopelman-Quartett.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2012)