Ladies who lunch. „Kim kocht“ mit Blick auf Fertigpizza.
Wer macht das eigentlich freiwillig? Essen im Supermarkt? Ich muss ja. Eine Freundin muss sogar Schlimmeres, der lässt ihr suburbanes Büro zu Mittag tatsächlich nur die Wahl einer Fressstation eines x-beliebigen Möbelhauses. Womit sie als Begleitung diesmal ausfiel. So jemanden lädt man nicht mitten in der Innenstadt in einen Supermarkt zum Lunch, so grausam bin nicht einmal ich. Und grausam war es irgendwie tatsächlich, bei „Kim kocht“ im neuen Edel-Merkur am Hohen Markt. Erst ein praktischer Tipp: sich nicht gerade um 12 Uhr vorm Eingang verabreden (Ankeruhr! Touristen! Massen!).
Zweitens sich nicht als Letzte in die als großzügiger Aufzug getarnte Personenwaage hineinquetschen – man verliert den Appetit, wenn man als Einzige wieder aussteigen muss, um die Last zu verringern. Drittens sich im Durchzugslokal nicht unter einen der Klimaanlagen-Abzüge setzen – Kältestarre. Da taut einen selbst das absolut fabelhafte Personal nicht wieder auf, das mit voller Power gegen die widrigen Umstände zu kämpfen scheint. Es empfiehlt sich jedenfalls sicherheitshalber das frische Ingwer-Soda für die Abwehrkräfte. Die wird auch Haubenköchin Sohyi Kim brauchen, die ab jetzt zu Mittag wirklich täglich persönlich hier hinter Glas in der Showküche steht. Ein Bündel an Konzentration in einem unglaublichen Gewimmel. Nicht einmal die ausgefeilte psychologische Gesprächsführung meiner Lieblingsunternehmensberaterin (phu) mir gegenüber konnte mich fokussieren. Ich war einfach zu beschäftigt – wer nimmt wie viele Fertigpizzen aus dem Regal nebenan, wer ist der Trampel, der einem das Milchpackerl in den Rücken gerammt hat, wer drängt sich in der Warteschlange um eines der Tischchen vor (keine Reservierungen möglich!)? Und was pfeift da so schrill (die hypermoderne WC-Anlage)? Das ist kein Lokal in einem Kaufhaus, das ist ein Kaufhaus in einem Lokal! Perfekt für alle, die sich allein das „Private-“ oder „Business-Menü“ um 20 bzw. 39 Euro einwerfen wollen, fein marinierte Thunfisch-Würfelchen, herb gesalzene Woks, relativ fade Fischpakete oder sogar ein Schnitzel bei Turbo-Surround-Unterhaltungsprogramm. Dem ist mein Dessert dann zum Opfer gefallen. Der Kaffee im halbleeren Meinl am Graben hat‘s wieder gutgemacht.
Kim kocht am Hohen Markt, Hoher Markt 12, 1010 Wien, Mo bis Fr 8.30 bis 21, Sa 8.30 bis 18