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Microsofts Windows 8: Ein System, sie alle zu binden

System alle binden
(c) EPA (AN TU)
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Mit dem Betriebssystem Windows 8 will Microsoft fit für die Post-PC-Ära werden. Der Softwaregigant geht dabei neue Wege und bricht mit Traditionen. Ziel ist eine einheitliche User Experience auf allen Geräten.

Es ist nicht einfach ein neues Betriebssystem, das heute, Donnerstag, offiziell präsentiert, und ab 26.Oktober verkauft wird. Windows 8 markiert in mehrfacher Hinsicht einen radikalen Wechsel bei Microsoft – weswegen für viele Beobachter der Erfolg oder Misserfolg des neuen Betriebssystems über nicht weniger als die Zukunft des Unternehmens entscheidet, das knapp hinter Google nur mehr der drittgrößte Player unter den Technologiefirmen ist.

Die augenscheinlichste Neuerung bei Windows 8 hat sich bereits herumgesprochen: Es unterstützt Touchscreens. Augenscheinlich auch wegen der neuen Oberfläche, die nicht mehr Metro heißen darf, aber immer noch die Kacheln von Windows Phone besitzt. Eine einheitliche User Experience auf allen Geräten – Handy, Tablet, PC, aber auch Spielkonsole – ist das erklärte Ziel und laut Microsoft die große Stärke von Windows 8 und Windows Phone 8, das am 29. Oktober gelauncht wird.

 

Ein System, zwei Klassen

Freilich gibt es dazu die eine oder andere Fußnote. Die erste betrifft die ausschließlich für Tablets gedachte Version RT. Diese bedeutet für Microsoft eine Revolution, da erstmals nicht nur Intels x86er-Chips, sondern auf ARM-Architektur basierende Prozessoren unterstützt werden. Die Eintrittskarte in die Tablet-Welt hat aber ihren Preis: RT unterstützt nur Apps für die neue, nun namenlose Touch-Oberfläche, die gewohnten PC-Programme laufen damit nicht.

Dabei ist die Option, mit dem neuen Betriebssystem mobile Devices wie Tablets mit der gewohnten PC-Welt zu vereinen, eines der wichtigsten Argumente für Windows 8. Besonders im Business-Umfeld. Neben den paar tausend Apps – im Vergleich zu anderen Plattformen eine mickrige Anzahl – verweist Microsoft-Unternehmenssprecher Thomas Lutz auf die rund zehn Millionen Windows-Programme, die auch unter dem neuen Betriebssystem (in dessen Vollversion) laufen.

Aber auch das PC-Erbe ist in gewissem Sinn eine Last. Zwar kann man im „vollen“ Windows 8 auch auf die klassische PC-Ansicht wechseln, und die Touch-Oberfläche lässt sich zur Not mit Maus und Keyboard bedienen, ganz vereint sind die beiden Welten aber nicht – schon gar nicht in den Köpfen der Nutzer. Symptomatisch etwa die Diskussion um den verschwundenen Startknopf. Hier ist die Umstellung in Wahrheit gering: Fährt man mit der Maus in die linke untere Ecke, erscheint das gewohnte Menü, nur ohne Knopf. Generell erfordert Windows 8 aber viel umlernen – für Durchschnittsuser nicht eben ein Hobby.

Die große Frage auch: Ist Windows 8 auf klassischen PC ohne Touchscreen überhaupt sinnvoll? Für den Microsoft-Unternehmenssprecher naturgemäß ja. Lutz verweist etwa auf die von Windows Phone bekannten dynamischen Kacheln, Icons, die auch bei geschlossenem Programm ständig aktualisierte Informationen zeigen. Auch der neue Browser IE 10 oder Services wie Xbox Music und später XBox Video kommen mit Windows 8, und schließlich stehen auch auf klassischen PC mit Windows 8 alle Apps zur Verfügung, die laut Microsoft-Vorgaben auch ohne Touchscreen bedienbar sein müssen.

 

Aus für die Maus?

Dass nach fast drei Jahrzehnten die Ära der Maus zu Ende gehe, glaubt man bei Microsoft offensichtlich nicht – eine eigene Windows-8-Maus kommt demnächst in den Handel. „Bestimmte Anwendungen wie Tabellenkalkulation wird man auch weiter am besten mit der Maus bedienen können“, so Lutz. Private Anwender, vor allem Familien, brauchten aber Touchscreens.

Dass Microsoft Apple nacheifere, will Lutz nicht gelten lassen und erinnert daran, dass Microsoft lange vor dem iPad Touch-Geräte hatte. Mit Windows 8 weite Microsoft nur sein Geschäft von Segmenten mit einstelligem Wachstum, dem PC, auf Bereiche mit zweistelligen Steigerungsraten aus.

Die Analysten erkennen generell Microsofts Mut zur radikalen Änderung an, warnen aber, dass Balmer damit alles auf eine Karte setzt. Frank E. Gillett von Forrester Research lobt, dass Microsoft endlich verschiedenste Plattformen und Geräteklassen bedient. Allerdings würden die vielfältigen Optionen die Anwender verwirren, weswegen Gillet erwartet, dass Windows 8 erst 2014 durchstartet.

Und was passiert, wenn Windows 8 ähnlich floppt wie Vista? Daran will bei Microsoft natürlich niemand denken. Aber auch für diesen – wie betont wird, unwahrscheinlichen – Fall gibt man sich gelassen und verweist auf diverse florierende Geschäftsfelder, von der Business-IT bis zur Spielkonsole. „Microsoft ist kein One-trick Pony“, so Lutz.

Versionen & Preise

Die Endverbraucher-Versionenvon Windows 8:

Windows RT: Für Tablets mit ARM-Prozessor, keine Unterstützung klassischer PC-Programme, nur vorinstalliert als OEM-Software.

Windows 8: Basis-Version für x86- („Intel“)-Prozessoren. Als Download für 130 Euro.

Windows 8 Pro: Version mit Zusatzfeatures für 350 Euro, auch als Upgrade (ab XP) für 30 bzw. 60 Euro (Download bzw. DVD).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2012)