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Der Marmor-Soldat kann nichts dafür

Kein Lorbeer also mehr für die toten Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkriegs.

Kein Lorbeer also mehr für die toten Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Die Staatsspitze machte heuer erstmals einen Bogen um das „Heldendenkmal“ in der Krypta des Äußeren Burgtores. Sie tat es nach Aufforderung des Verteidigungsministers, der ja Geschichte studiert hat.

Seit im Juli dieses Jahres unter der Marmorbüste jene Botschaft des Bildhauers aus den Dreißigerjahren gefunden wurde, wonach er die Vereinigung Österreichs mit dem deutschen Brudervolk unter dem Glanze des Sonnenrades ersehne, wird nach Wegen gesucht, die ganze nationale Weihestätte komplett neu zu gestalten.

Die Idee ist nachdrücklich zu begrüßen. Das Rad der Geschichte hat sich um zwei Generationen weiter gedreht, die Schrecken der Weltkriege verdämmern langsam im Gedächtnis der Heutigen. Wer es schafft, dem Gedenken aller Toten dieser katastrophalen Ära gerecht zu werden, und zwar wirklich aller Opfer dieser Zeit, dem sollte der Architekturpreis zuerkannt werden.

Nur eines sollte vermieden werden: Die Ächtung jenes Denkmals, vor dem sich seit sechzig Jahren die Staatspitze mehr oder minder ehrfürchtig verneigt hat. Der marmorne Soldat kann nichts für das Schriftl seines Schöpfers. Er soll keine Pilgerstätte für Ewiggestrige werden, das wäre ein ganz falsches Signal.

Zweitens sollte man nie vergessen: In Steinwurfweite erinnert ein Denkmal an Karl Renner. Ein prominenteres „Ja“ zum Anschluss an Hitlerdeutschland hat es nicht gegeben. Dagegen war der Bildhauer Frass ein kleines Kirchenlicht.


hans-werner.scheidl@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2012)

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