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Penguin und Random House machen gegen Amazon mobil

Symbolbild(c) AP (Michael Probst)
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Durch die Fusion von Random House und Penguin soll der weltgrößte Buchverlag entstehen. Das die beiden profitablen Unternehmen fusionieren wollen, wird mit den Umwälzungen in der Verlagsbranche erklärt.

Gütersloh/ES/ag. Es ist die größte Fusion in der Geschichte der Buchindustrie. Der deutsche Medienkonzern Bertelsmann und das britische Verlagshaus Pearson verkündeten am Montag, dass sie ihre Buchverlage Random House und Penguin zusammenlegen werden. Die Bertelsmann-Tochter Random House, die zuletzt mit dem Weltbestseller „Fifty Shades of Grey“ Erfolge feierte, und Pearsons Penguin Verlag, bekannt für seine billigen Taschenbuchausgaben von Klassikern, bündeln fortan ihre Kräfte. Ab Mitte 2013 soll Bertelsmann 53 Prozent der Anteile halten, Pearson 47 Prozent.

Das die beiden profitablen Unternehmen fusionieren wollen, wird mit den Umwälzungen in der Verlagsbranche erklärt. Seit dem aggressiven Markteintritt von Amazon haben sich die Spielregeln in der Branche gehörig verändert. Heute sind viele traditionelle Buchhändler wie die US-Buchkette Borders oder die deutsche Thalia durch den digitalen Wandel in die Krise gerutscht. Amazon hält beim Geschäft mit E-Books in den USA bereits 60 Prozent der Marktanteile. Diesem Druck wollen die Branchenriesen Penguin und Random House mit einer Fusion begegnen. Und das, obwohl die Einsparungsmöglichkeiten nicht gerade üppig sind: Auf zwei bis maximal drei Prozent der Verlagskosten schätzt sie etwa Alex De Groote, Analyst bei der Londoner Investmentbank Panmure Gordon, laut FTD. Hauptsächlich gehe es bei dem Deal nicht um Synergien, sondern um Verhandlungsmacht, sagt Gordon. Momentan hat Amazon im Kampf um die besten Konditionen, Preise und Rabatte klar die Nase vorn.

Murdoch funkt dazwischen

Ob die Fusion wie geplant bis Mitte 2013 umgesetzt wird und damit ein Verlagsriese geschaffen wird, an dem kein Onlinehändler so leicht vorbeikommt, hängt vor allem von den Wettbewerbshütern ab. Außerdem versucht Medienmogul Rupert Murdoch mit seinem Konzern News Corp noch dazwischenzufunken. Er will Pearson ein Übernahmeangebot unterbreiten, das die Fusion mit Bertelsmann vereiteln soll.

Chef des neuen Unternehmens soll der bisherige Random-House-Vorstand Markus Dohle werden. Penguin-Chef John Makinson wird den Posten des Verwaltungsratsvorsitzenden übernehmen. Der neue Firmenname lautet nicht, wie im Vorfeld gewitzelt wurde, „Random Penguin“ („Zufälliger Pinguin“), sondern „Penguin Random House“. Die deutsche Verlagsgruppe Random House mit Sitz in München wird aber nicht Teil der Gruppe und bleibe bei Bertelsmann, da Penguin in Deutschland (und Österreich) kein Geschäft betreibt. Unter ein Dach gebracht werden Geschäftseinheiten in den USA, Kanada, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Indien und Südafrika sowie die Penguin-Aktivitäten in China und die Random-House-Verlage in Spanien und Lateinamerika.

Zur Bertelsmann-Gruppe gehören auch Europas größte Fernsehgruppe RTL und Europas größter Zeitschriftenverlag Gruner+Jahr, der Herausgeber von „Stern“, „Geo“ und den „Financial Times Deutschland“. Random House verkaufte nach eigenen Angaben 2011 weltweit 500 Mio. Bücher, erwirtschaftete einen Umsatz von 1,75 Mrd. Euro und 185 Mio. Euro Gewinn vor Steuern (Ebit). Penguin meldete 2011 einen Umsatz von 1,3 Mrd. Euro und einen Gewinn von 138 Mio. Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2012)