Laut einer Studie eines Beratungsunternehmens konnten Firmen aus den Vereinigten Staaten im ersten Halbjahr nicht nur ein besseres operatives Ergebnis erzielen, auch die Gewinnmargen der Europäer sind geringer.
Wien/ag./red. Europäische Konzerne drohen gegenüber amerikanischen Firmen ins Hintertreffen zu geraten. Denn die operativen Gewinne der 300 umsatzstärksten europäischen Topkonzerne sind im heurigen ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,4 Prozent gesunken. In den USA konnten die 300 Topkonzerne ihren operativen Gewinn indes um 1,8 Prozent steigern. Das ist das Ergebnis einer Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young.
Doch nicht nur das: Auch die Gewinnmargen der europäischen Unternehmen sind stärker unter Druck geraten. Während die durchschnittliche Ebit-Marge in Europa um 1,2 Prozentpunkte sank, betrug der Rückgang in den USA nur 0,5 Prozentpunkte.
In absoluten Zahlen lag die Gewinnspanne europäischer Konzerne bei 9,8 Prozent, in den USA erreichte sie 12,8 Prozent. US-Konzerne haben demnach deutlich profitabler gewirtschaftet.
Und auch generell ist der Anteil der Unternehmen, die mit sinkender Profitabilität zu kämpfen haben, in Europa mit 65 Prozent höher als in den USA, wo nur 54 Prozent der Firmen von rückläufigen Preisspannen gegenüber dem Vorjahr betroffen sind. In beiden Regionen der Welt hat jedoch ein Sektor klar die Nase vorn: die Pharmabranche. Ihre Ebit-Marge lag im ersten Halbjahr 2012 bei 27,6 Prozent. Auf beiden Kontinenten als margenstark erweisen sich auch die Telekombranche (16,4) und der Sektor Bergbau/Metallgewinnung mit 10,9 Prozent. Die geringste Gewinnspanne erzielen Konzerne, die in den Bereichen Verkehrswesen (7,1 Prozent) und Groß- und Einzelhandel (3,8 Prozent) tätig sind.
„Die europäischen Unternehmen haben zunehmend ein Margenproblem. Die US-Konzerne haben insgesamt ihre Kosten besser im Griff“, schreibt Markus Thomas Schweizer, Partner bei Ernst & Young, in einer Aussendung. Demnach hätten viele europäische Firmen ihren Fokus zu stark auf Wachstum gelegt und es zugleich verabsäumt, sich so flexibel aufzustellen, dass auf kurzfristige Nachfrageveränderungen schnell reagiert werden kann.
Gleichzeitig dürften den Firmen die tristen Konjunkturaussichten einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. „In dem derzeit schwachen Umfeld lässt sich der Absatz nur noch über Preisnachlässe steigern, was wiederum die Marge drückt“, schreibt Schweizer weiter. Damit die Firmen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten können, müssten sie weiter an der Kostenschraube drehen, so Schweizer.
Umsatz steigt durch Währung
Positiv haben sich dagegen die Umsätze für europäische Firmen entwickelt, weil sie um zehn Prozent und damit doppelt so stark wie in den USA (plus fünf Prozent) gestiegen sind. Währungseffekte dürften den Konzernen allerdings in die Hände gespielt haben. Weil viele ihre Umsätze außerhalb Europas machen, ergeben sich bei der Umrechnung in die Gemeinschaftswährung positive Effekte, da der Wert des Euro gesunken ist.
Werden diese Effekte aber herausgerechnet, dürfte sich der Umsatz europäischer Konzerne auf dem Niveau der USA bewegen, schreibt Ernst & Young. Unter den umsatzstärksten europäischen Firmen befinden sich vor allem Energie- und Rohstoffkonzerne, in den USA rangiert der Einzelhändler Wal-Mart auf Rang eins.
Unter den 300 größten Konzernen befinden sich mit dem Mineralölkonzern OMV, dem Stahlkonzern Voestalpine und dem Baukonzern Strabag auch drei österreichische Firmen.
Mit 52 Unternehmen kommen übrigens die meisten der Top-300-Konzerne in Europa aus Großbritannien.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2012)