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Burma: Das Volk, das niemand haben will

(c) AP (Khin Maung Win)
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Bei der jüngsten Gewaltwelle der buddhistischen Mehrheitsbevölkerung gegen die muslimischen Rohingya kamen im Westen des Landes offenbar viel mehr Menschen ums Leben, als die Regierung Burmas zugibt.

Bangkok/Zast. „Niemand kümmert sich ums uns, wir können nirgendwo mehr hingehen!“ Wie dieser Mann sind viele Opfer der jüngsten ethnischen Unruhen im Westen von Burma (Myanmar) verbittert. Sie, Muslime der Rohingya-Ethnie, werfen der Regierung vor, dass diese zu wenig getan habe, um die Ausschreitungen seitens der buddhistischen Mehrheitsbevölkerung zu verhindern: „Die Behörden lösen das Problem nicht, die Soldaten schützen uns nicht“, sagte ein Vertriebener, dessen Haus vergangene Woche niedergebrannt wurde.

Die Ausschreitungen zwischen buddhistischen Rakhine und muslimischen Rohingya sind vor rund zehn Tagen erneut aufgeflammt und haben offiziellen Angaben zufolge mindestens 84 Todesopfer gefordert. Die tatsächliche Zahl dürfte bedeutend höher liegen. Dafür sprechen Satellitenaufnahmen, die kürzlich die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch veröffentlichte. Auf ihnen ist zu sehen, dass in der betroffenen Region ganze Stadtteile und Dörfer zerstört und vermutlich tausende Häuser niedergebrannt wurden. Mehr als 100.000 Menschen wurden heuer bei Gewaltausbrüchen schon vertrieben, die meisten von ihnen Rohingya.

 

Aung San Suu Kyi schweigt

Schon seit Jahrzehnten kommt es immer wieder zu schweren Ausschreitungen gegen Rohingya, von denen Schätzungen zufolge 800.000 in Burma leben. Sie sind mit den Menschen jenseits der Grenze in Bangladesch ethnisch verwandt, besitzen jedoch eine eigene Sprache und Kultur. Sie leben vermutlich schon seit Jahrhunderten in der Region, Burmas Behörden erkennen sie aber nicht als Staatsbürger an. Präsident Thein Sein hat vor Wochen erklärt, die einzige „Lösung“ sei eine Deportation in ein Drittland. Doch auch Bangladesch erkennt die Rohingya nicht als Staatsbürger an, und Grenzschützer haben mehrfach Flüchtlinge zurückgeschickt.

Auf Unterstützung in Burma können die Rohingya ebenfalls nicht hoffen. Große Teile der Zivilgesellschaft haben zuletzt überraschend drastisch gegen die Rohingya Stellung bezogen. Und Aung San Suu Kyi scheint das Thema zu heiß zu sein. Burmas Demokratieführerin schweigt zu der Gewalt gegen die Minderheit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2012)