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Wien Modern: Musik aus dem Fahrrad

Symbolbild(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Arturo Fuentes lässt in seiner fantasievollen (Geräusch-)Komposition „Grace Note“ ein Rad, eine Schreibmaschine und Tänzerkörper erklingen. Es ist eine Komposition für Bühne, Instrumente und Körper.

Es beginnt im Chaos: Instrumente, Menschen, Kabel, ein Rad liegen hingeworfen auf dem Bühnenboden, als hätte sie der Sturm umgefegt, dessen letzte Regentropfen noch zu hören sind. Doch das Durcheinander lichtet sich rasch, Tänzer und Musiker erheben sich, um Arturo Fuentes' fantasievolle (Geräusch-)Komposition „Grace Note“ uraufzuführen. Die Speichen des auf den Sattel gestellten Fahrrads klicken und sirren, die rhythmischen Stöße mit der Brust gegen die Mikrofone erzeugen dumpfe Schläge, ein Blatt Papier entlockt den Cello-Saiten kratzende Geräusche und das Schlagzeug klingt wie eine Kreissäge.

Es ist eine Komposition für Bühne (Günter Brus), Instrumente (Phace) und Körper (Choreografie: Chris Haring), in der immer ein anderes Medium den Ton angibt.
Sind es einmal die Schläge auf den Kontrabass oder das Trommeln auf dem Cello, die die Körper mitreißen und wie Marionetten zu bewegen scheinen, geben in anderen Sequenzen die Tänzer den Ton und den Takt an. Sie reden und flüstern, gestikulieren, lassen die Mikros knisternd und kratzend über ihre Körper gleiten und sind damit Teil dieses merkwürdigen Orchesters, das dem Holz, dem Metall, der Haut, der Atemluft faszinierende Klänge entlockt: So werden alle Körper, ob lebend oder nicht, zu Instrumenten.

Spartenübergreifend spannend

„Wird sich die Fähigkeit, Bilder in Abwesenheit der Dinge heraufzubeschwören, noch in einer Menschheit entwickeln, die immer mehr von der Sintflut vorfabrizierter Bilder überschwemmt wird?“, schrieb der Dichter Italo Calvino. Fuentes hat sich von dessen Essays über Leichtigkeit, Schnelligkeit, Genauigkeit, Anschaulichkeit und Vielschichtigkeit für sein spartenübergreifendes Projekt inspirieren lassen. Ein performativ wie musikalisch spannender Abend. i. w.

„Grace Note“: 3. 11., 20.30, Tanzquartier/Halle G

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2012)