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Unger Steel: Die Stahlbau-Profis aus Oberwart

(c) www.ungersteel.com
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Aus einer Sechs-Mann-Schlosserei formte Josef Unger einen Weltkonzern, der das höchste Gebäude der Welt ebenso errichtete wie das das Fußballstadion im deutschen Essen oder das größte Porsche-Haus in Moskau.

Wien/Oberwart. Was hat der Wiener Hauptbahnhof mit der neuen Wirtschaftsuniversität in Wien gemeinsam? Die Architektur ist gewollt auffallend und für die Konstrukteure eine echte Herausforderung: Während aufgrund der Neigung des Hauptbahnhofs jede der 14 Rauten, die das Dach bilden, in Kleinstarbeit ausgearbeitet werden muss, gilt es bei der WU ein Dach zu bauen, das ohne Stütze 80 Meter weit über das Gebäude hinausragt und so frei über dem Boden schwebt.

Beide Projekte wickelt ein Familienunternehmen aus dem Südburgenland ab, das im Stahlbau immer dann seine Hand im Spiel hat, wenn es kompliziert wird. Die Unger Steel Group mit Firmensitz in Oberwart baute das höchste Gebäude der Welt, Burj Khalifa, das Fußballstadion im deutschen Essen (das Dach schwebt über weite Strecken frei über dem Boden) und das größte Porsche-Autohaus in Moskau.

Und fing selbst einmal ganz klein an. Die Ursprünge des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1952 zurück, als Josef Unger senior in der burgenländischen Gemeinde Großpetersdorf eine Schlosserei gründete. Als sein Sohn Josef junior sie 1986 übernahm, arbeiteten sechs Mitarbeiter für ihn. Nur kurze Zeit später wurde es ihm in der Schlosserei zu eng und er stellte in der Bezirkshauptstadt Oberwart ein Stahlbau-Unternehmen auf die grüne Wiese.

„Ich wollte der Größte in Österreich werden“, sagte Josef Unger vor einigen Jahren. Heute ist er der Größte in Europa, weltweit einer der Top-Player. Die Unger Steel Group erwirtschaftet inzwischen 215 Mio. Euro, vor der Wirtschaftskrise waren es auch schon mal 250 Mio. Euro. Mit einem Anteil von 72 Prozent werden fast drei Viertel des Umsatzes im Ausland erwirtschaftet, das Unternehmen zählt 1200 Mitarbeiter.

Turkmenistan als Hoffnungsmarkt

Zu den wichtigsten Absatzmärkten gehören Deutschland und Russland. Im Nachbarland zählt die Unger Gruppe vor allem Autohersteller wie BMW, Daimler oder Audi zu ihren Kunden, baut aber auch Produktionshallen für Flugzeuge (Airbus A350). „In Russland bauen wir alles von A wie Autohaus bis Z wie Zementfabrik“, sagt Matthias Unger. Der studierte Betriebswirt und Sohn von Josef Unger ist seit 2009 im Unternehmen und scharrt bereits in den Startlöchern. „Ich bin nach wie vor in der Lernposition“, sagt er. Aber „wir teilen uns die Aufgaben und haben eine gemeinsame Verantwortung.“



Der Junior-Chef hat vor allem Märkte wie Kasachstan und Turkmenistan im Visier: „Wir sind dort die ,first mover‘, so wie wir es einst in Osteuropa waren.“ Das benachbarte Ungarn war der erste Auslandsmarkt, in den die Gruppe Anfang der Neunziger ihren Fuß setzte. Es folgten Rumänien und Bulgarien. Weltweit unterhält das Unternehmen 20 Niederlassungen, unter anderem in Rumänien, Ukraine, Zypern, den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Turkmenistan.

Die Metallverarbeitung erfolgt  auch heute noch zu einem großen Teil im Werk von Oberwart. Rund 330 Mitarbeiter sind dort in der Produktion beschäftigt, weitere 70 in der Verwaltung. 2007 wurde in den Vereinigten Arabischen Emiraten (im Emirat Sharjah) ein zweites Werk in Betrieb genommen. Mit beiden Werken verarbeitet die Gruppe beinahe 100.000 Tonnen Stahl pro Jahr.

Gehversuche im Hotelgeschäft

Wobei Unger heute nicht mehr nur Stahlbaubetrieb ist, sondern auch als Generalunternehmer für Bauprojekte fungiert. „Wir übergeben schlüsselfertig“, sagt Josef Unger. Soll heißen, von der Suche nach dem geeigneten Grundstück über den Aushub der Baugrube bis zur Fertigstellung des Gebäudes macht das Unternehmen alles.

Die Projektentwicklung dehnte sich schließlich sogar auf Hotels aus. 2003 eröffnete das Unternehmen mit dem com.inn im burgenländischen Güssing ein erstes sogenanntes Low-Budget-Hotel, das mit geringen Personalkosten auskommt. Das com.inn – ein schlichter, rechteckiger Bau. „Die Häuser sind nach einem Modulsystem aufgebaut“, sagt Matthias Unger.

Eine Nacht im Doppelzimmer kostet 44 Euro pro Person, über einen „Hotelomaten“ können die Gäste rund um die Uhr einchecken. Auch ein Frühstücksbuffet gibt es, zu später Stunde können die Gäste Lebensmittel oder die vergessene Zahnbürste im Automaten „ordern“. Die Wirtschaftskrise hat die Pläne, eine Hotelkette hochzuziehen, durchkreuzt. Doch „wir erhalten viele Anfragen“, sagt Matthias Unger. Mittelfristig sind Häuser in Österreich, Rumänien und der Ukraine geplant.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2012)