Investmentbanker Klaus Requat verstärkt mit seiner Firma Carpima den M&A-Spezialisten TJP: Der Markt für Fusionen und Übernahmen habe sich verändert, sagt er. Restrukturierung stehe im Vordergrund.
Wien. Die einen Firmen haben zwar Geld, aber sie geben es nicht aus und horten es lieber. Die anderen wiederum sind weniger risikoscheu, aber kommen trotz der extrem niedrigen Zinsen nicht an das notwendige Geld heran. Die Eurokrise und die unsicheren Aussichten für die Wirtschaft haben den Markt für Fusionen und Übernahmen (Mergers and Acquisitions, M&A) deutlich abgekühlt, berichtete jüngst die Unternehmensberatung A. T. Kearney.
Schlechte Zeiten also für die Gründung eines auf M&A spezialisierten Unternehmens in Österreich? „Keineswegs“, sagen Klaus Requat und Thomas Jungreithmeir. „Es gibt genug Geschäft, vielleicht sogar mehr als früher, die Aufgabenstellung hat sich nur deutlich geändert.“ Bisher sei es vor allem – vereinfacht gesagt – darum gegangen, Käufer und Verkäufer zusammenzubringen, also eine „schöne leverage-story“ zu kreieren, wie es Jungreithmeir nennt. Jetzt stünde die Restrukturierung von Firmen inklusive Interimsmanagement im Vordergrund.
M&A-Boutique
Requat, ehemals Chef des Investmentbankings der UniCredit CA IB, hat mit der Gründung der Carpima GmbH schon vor dreieinhalb Jahren auf das Geschäftsmodell einer „M&A-Boutique“ gesetzt. Und auch schon einige Transaktionen erfolgreich über die Bühne gebracht. Jetzt, mit 1. November, tun sich Requat und sein Partner Christian Czernich mit der TJP Advisory & Management Services GmbH zusammen, deren Gründer und Chef Jungreithmeir ist. Requat und Czernich erweitern mit einem Anteil von je fünf Prozent an der Firma den Kreis der rund 20 Partner an der TJP, die sich ebenfalls auf die Rundumberatung bei Unternehmenskäufen und -verkäufen spezialisiert hat.
Jungreithmeir war viele Jahre bei der KPMG Alpen Treuhand tätig. Parallel zur TJP übernahm er einen Knochenjob: Der Treuhänder der insolventen A-Tec setzte Jungreithmeir in allen A-Tec-Firmen (ATB, Emco, Montanwerke Brixlegg) ein, um den Verkauf und die Verwertung zu begleiten. Was mit Ausnahme des Braunkohlekraftwerks Voitsberg gelungen ist.
„Wir wollen der stärkste bankunabhängige Anbieter im M&A-Geschäft in Österreich werden“, umreißt Jungreithmeir das ehrgeizige Ziel. Wobei es nicht nur um kleine und mittlere Unternehmen und auch nicht nur um Österreich geht. Gerade in Osteuropa wachse nach der Goldgräberstimmung vor 20 Jahren nun ein neuer Markt für Übernahmen heran. So etwa hat die TJP im Sommer der Hypo Alpe Adria die kroatische Verpackungs- und Alufolien-Firma TLM abgekauft – im Auftrag eines Kunden.
Die Chancen stünden also gerade jetzt gar nicht schlecht. Denn oftmals seien es die Banken selbst, die auf neue Eigentümer von Firmen drängen. Die Geldinstitute haben aber krisenbedingt ihre eigenen M&A-Abteilungen zurückgeschraubt oder ganz aufgelöst. Zum anderen laufen sie bei Sanierungen Gefahr, dass aushaftende Kredite als eigenkapitalersetzende Darlehen gewertet werden. „Masseverwalter haben oft entsprechende Anfechtungen durchgebracht, sodass die Banken sehr vorsichtig geworden sind“, sagt Requat. Die TJP arbeite inzwischen mit so gut wie allen heimischen Finanzinstituten zusammen.
Kreditklemme als Chance
An potenziellen Kunden bzw. Projekten mangle es jedenfalls nicht. Namen wollen Requat und Jungreithmeir nicht nennen, nur so viel: „Schauen Sie sich nur um, wie viele Insolvenzen und Beinahe-Pleiten es allein in letzter Zeit gegeben hat.“ Insofern sei Kreditklemme eine Chance.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2012)