Die Sorgen der KP: Umwelt, Armut, schnell alternde Chinesen und junge Polit-Blogger

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China im Wandel: Die größten Herausforderungen für die neue Supermacht.

Wien/Peking. In etwa 35 Jahren haben Chinas Kommunisten die Volksrepublik von einem der ärmsten Länder der Welt in eine wirtschaftliche und politische Supermacht verwandelt. Die Chinesen mussten für den von der KP-Diktatur dirigierten Kurs hohe Kosten zahlen: Brutale Repression, grassierende Korruption und verheerende Umweltschäden sind die andere Seite der Medaille.

Hier die größten Herausforderungen, denen sich die KP im nächsten Jahrzehnt stellen muss:

1 Umweltprobleme: Vergiftete Luft, verseuchtes Wasser.

Die Umwelt gehört zu den Hauptopfern des Wirtschaftswachstums. In China befinden sich 16 der 20 am meisten verschmutzten Städte der Welt. Chemikalien, giftige Düngemittel und Industrieabfälle verseuchen das Trinkwasser. Die Anzahl der Umweltproteste stieg drastisch an. Die Partei versucht, mit grünen Projekten zu punkten.

2 Soziale Krise: Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer.

In kaum einem anderen Staat Asiens ist die Kluft zwischen Arm und Reich so groß. Besonders die Unterschiede zwischen Stadtbewohnern in den wohlhabenderen östlichen Küstenregionen und der unter dem Existenzminimum lebenden Landbevölkerung im Binnenland sind extrem. Auch in Städten steigt die Ungleichheit: 250 Millionen Bauern wanderten illegal in Städte aus, leben dort unter miserablen Bedingungen. Berichte über korrupte Kader sorgen für Wut.

3 Demografie: Die Chinesen werden immer älter.

In 20 Jahren wird ein Viertel der Chinesen über 65 Jahre alt sein. Die Gesellschaft der Volksrepublik altert schneller als in anderen Industrieländern: Ein Grund ist die stark angestiegene Lebenserwartung. Die Ein-Kind-Politik beschleunigt den Prozess: Es wird immer weniger Junge geben, die die Pensionen finanzieren.

4 Politische Rechte: Meinungsaustausch im Internet boomt.

Wie lange noch wird es sich die KP leisten können, die Bevölkerung vom Entscheidungsprozess auszuschließen, Dissidenten und freie Meinung zu unterdrücken? Chinesen haben längst Wege gefunden, im Netz die Zensur zu umgehen.

5 Supermacht: Chinas gefährliche regionale Muskelspiele

Wirtschaftlich ist China bereits weltweit präsent – vor allem ist die Volksrepublik der größte Kreditgeber der USA. Zunehmend zeigt Peking nun auch als (regionale) Supermacht die Muskeln. Territoriale Konflikte im Süd- und Ostchinesischen Meer sorgen für gefährliche Friktionen mit den Nachbarn. Besonders groß sind derzeit wieder die Spannungen mit Erzfeind Japan, Auslöser ist ein Streit um unbewohnte Inseln im Ostchinesischen Meer. Doch der Hauptfeind bleibt Amerika: Den Ausbau der US-Präsenz im Pazifik sieht Peking als Provokation.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2012)

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