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Syrische Rebellen im Norden auf dem Vormarsch

Idlib
Syrische Rebellen im Norden auf dem VormarschAP
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Bei Kämpfen um Gebäude nahe Damaskus wurden über 20 Soldaten getötet. Syrische Panzer dringen laut Israel auf die Golanhöhen vor.

Die Aufständischen in Syrien haben am Samstag verstärkt Einrichtungen der Luftwaffe angegriffen und im Norden des Landes militärische Erfolge erzielt. Für mehrere Stunden brachten die Rebellen eine Flugabwehrstellung in der Region Idlib unter ihre Kontrolle; zudem griffen sie den Militärflughafen Taftanas an. Unterdessen veröffentlichten Aktivisten zwei Videos von mutmaßlichen Gräueltaten regierungstreuer Kämpfer.

Am Morgen griffen die Aufständischen nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte die Luftwaffenbasis Duila an. Dabei sei ein Offizier der Regierungstruppen getötet worden, unter den Angreifern habe es acht Verletzte gegeben. Laut einem Video, das die Rebellen veröffentlichten, nahmen die Kämpfer ein Waffenlager auf dem Stützpunkt ein, konnten dort jedoch keine schweren Waffen erbeuten. Nach Gegenangriffen aus der Luft hätten sich die Aufständischen zurückgezogen.

21 Soldaten getötet

Nach Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle befindet sich inzwischen ein Gebiet im Umkreis von rund 25 Kilometern um die Stadt Sarakeb (Sarakib) in der Provinz Idlib herum in der Hand der Rebellen. Sie berichteten auch von Kämpfen in der Stadt Douma, bei denen 21 Soldaten getötet worden seien.

In Idlib habe es zudem Gefechte um den Militärflughafen Taftanas gegeben, von dem aus Militärhubschrauber starteten, um umliegende Städte anzugreifen, teilten die Londoner Aktivisten mit. Die syrische Armee hatte zuletzt verstärkt auf Luftangriffe gesetzt, um die Rebellen zurückzutreiben.

Syrische Panzer auf den Golanhöhen

Drei syrische Panzer sind am Samstag nach israelischen Angaben in die demilitarisierte Zone auf den Golanhöhen, in das Dorf Beer Ajam südöstlich von Kuneitra eingedrungen. Israel habe daraufhin bei der UNO-Friedenstruppe in der Pufferzone Beschwerde eingelegt, teilte eine Sprecherin der Streitkräfte mit. Die Panzer sowie zwei gepanzerte Transportfahrzeuge seien wenige Kilometer von israelischen Stützpunkten entfernt vorbeigefahren, berichtete die Nachrichtenwebsite Ynet.

Österreichische Blauhelme seien nicht betroffen, heißt es aus dem Verteidigungsministerium in Wien. Die relativ zurückhaltende Reaktion der israelischen Streitkräfte deutete darauf hin, dass sie die Panzer nicht als direkte Bedrohung wahrnahmen. Israel hatte die Golanhöhen im Sechstagekrieg 1967 erobert und später einseitig annektiert.

Der israelische Generalstabschef Benny Ganz sagte am Sonntag bei einem Besuch auf den seit 1967 von Israel besetzten Golanhöhen, die Lage in dem Nachbarland sei "eine syrische Angelegenheit, die aber auch unsere Angelegenheit werden könnte".

Neue Videos von Gräueltaten

Am Samstag veröffentlichte die Beobachtungsstelle weitere Videos von Gräueltaten aus den Kampfgebieten, die im Juli und Februar entstanden sein sollen. Das erste zeigt, wie Milizionäre in der Region Lattakia im Nordwesten getöteten Rebellen die Ohren abschneiden. Auf dem zweiten Video ist zu sehen, wie Bewaffnete mit syrischen Militäruniformen in der Region Daraa wehrlose Aufständische niederstrecken.

Der Organisation war das Material eigenen Angaben nach von Aufständischen zugespielt worden, nachdem ein Video von Hinrichtungen gefangener syrischer Soldaten durch Rebellen vor zwei Tagen große Empörung ausgelöst hatte. Das UN-Menschenrechtskommissariat hatte am Freitag eine Untersuchung zu dem Video mit den Hinrichtungen angekündigt. Bei der Tat handele es sich "sehr wahrscheinlich" um ein Kriegsverbrechen, sagte ein Sprecher.

Exilregierung am Sonntag

Am Sonntag treffen sich unter der Schirmherrschaft der Arabischen Liga in Doha, der Hauptstadt von Katar, der Syrische Nationalrat und andere Oppositionsgruppen. Nach unbestätigten Berichten könnten die Teilnehmer eine Exilregierung ausrufen, an deren Spitze der seit langem zur Opposition zählende Riad Seif stehen würde.

Seit Beginn des Konflikts Mitte März 2011 wurden in Syrien nach Angaben der Beobachtungsstelle mehr als 36.000 Menschen getötet.

(APA/AFP)