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Privatdarlehen: „Jugend eine Welt“ im Visier der FMA

Symbolbild(c) APA (Guenter R. Artinger)
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Die gemeinnützige Organisation „Jugend Eine Welt“ wird von der Finanzmarktaufsicht FMA geprüft, weil sie sich zum Teil durch private, zinslose Darlehen finanziert und sich dadruch strafbar machen.

Wien. Auf der einen Seite stehen Unternehmer wie Heinrich Staudinger vom Waldviertler Hersteller GEA und neuerdings auch gemeinnützige Organisationen wie die Entwicklungshilfe-NGO „Jugend Eine Welt“. Auf der anderen Seite die Finanzmarktaufsicht FMA, die gegen die oben Genannten ermittelt. Der Grund: Beide finanzieren sich zum Teil über Darlehen von Privatanlegern und machen sich dadurch strafbar: Sie betreiben konzessionspflichtige Bankgeschäfte.

„Ein Finanzierungsmodell, das über viele Jahre reibungslos funktioniert hat, wird plötzlich kriminalisiert“, empört sich Jugend- Eine-Welt-Geschäftsführer Reinhard Heiserer. „Dabei sind unsere zinslosen Darlehen eigentlich nur Spenden mit Rücktrittsklausel.“ Die Darlehensgeber hätten die Möglichkeit, das langfristig bei der NGO deponierte Geld bei Bedarf wieder zurückfordern. „Fast die Hälfte der Darlehensgeber entscheidet sich aber dafür, das Kapital im Todesfall zu spenden“, sagt Heiserer. In Summe handle es sich um 500.000 Euro, etwa zehn Prozent des gesamten Spendenvolumens. In Zeiten, in denen Fördergelder knapp kalkuliert würden, sei dieses Modell für viele NGOs überlebenswichtig: „Bei unvorhergesehenen Kosten hätten wir ohne diesen Kapitalpolster sofort Liquiditätsprobleme“, sagt Heiserer.

„Betrüger tragen kein Kainsmal“

Bei der FMA hält sich das Mitleid in Grenzen. Man sei dazu verpflichtet, einer Anzeige nachzugehen (diese kam, heißt es, aus dem NGO-Umfeld selbst, und die Finanzierung weiterer kleiner NGOs werde derzeit ebenfalls geprüft). Außerdem, so FMA-Sprecher Klaus Grubelnik, sei jede Organisation, die Darlehen vergibt, gewissen Transparenzvorschriften verpflichtet. Dazu gehöre die Offenlegung der Finanzen in vorgegebener Form. „Wenn man das für bestimmte, kleinere Beträge außer Kraft setzt, öffnet man Anlagebetrügern Tür und Tor“, sagt Grubelnik. Man könne nicht davon ausgehen, dass jeder, der eine niederschwellige Finanzierung ohne Banken anstrebe, ehrenwerte Absichten hege. „Ein Anlagebetrüger trägt kein Kainsmal auf der Stirn.“ Man könne auch ohne teure Prospekte transparent sein, hält man bei „Jugend Eine Welt“ dagegen.

Überraschenderweise ist aber auf beiden Seiten von einer Lösung die Rede, die gesetzeskonform und budgetschonend wäre: die Umwandlung in ein Nachrangdarlehen, das ohne Rückzahlungspflicht in Eigenkapital umgewandelt werden könne. Das halte er für eine gute Idee, sagt Grubelnik. Genau das, sagt Heiserer, habe man der FMA bereits im September vorgeschlagen. Man warte aber immer noch auf eine Antwort.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2012)