"Wir sind keine Gefahr"

Montenegros Außenminister will Unabhängigkeit

WIEN. Montenegros Außenminister lässt keinen Zweifel an der Entschlossenheit seiner Regierung: "Wir wollen ein unabhängiges Montenegro; und kommendes Jahr werden wir ein Referendum darüber abhalten", sagt Miodrag Vlahovic im "Presse"-Gespräch. Der Minister bekräftigt jedoch, dass die Regierung in Podgorica dieses Vorhaben auf eine "demokratische, nicht-balkanische" Weise umsetzen wolle. "Montenegro ist keine Gefahr. Wir sind nicht das Problem in der Region. Wir sind konstruktiv genug, so vorzugehen, dass keine Krise entsteht."

Die kleine Teilrepublik Montenegro war die einzige, die nach dem Zerfall Jugoslawiens 1991 bei Serbien blieb. Doch Ende der 90er Jahre ging Montenegros Präsident Milo Djukanovic auf Konfrontationskurs mit Serben-Machthaber Slobodan Milosevic und begann die Weichen für eine Eigenstaatlichkeit zu stellen.

Nach Milosevics Sturz musste Djukanovic auf Druck der EU die Unabhängigkeitswünsche auf Eis legen. Brüssel fürchtet, dass eine Abspaltung Montenegros die Lage auf dem Balkan weiter destabilisieren könnte. Nun hat Podgorica einen neuen Anlauf gestartet.

Montenegro besitze bereits alle Institutionen, die es als unabhängiger Staat benötige, sagt Außenminister Vlahovic. Dem Teilstaat sei auch bereits in Aussicht gestellt worden, getrennt von Serbien in die Welthandelsorganisation WTO aufgenommen zu werden.

Gerade im Jahr 2006, in dem Montenegro das Unabhängigkeitsreferendum abhalten will und über Kosovos Zukunft entschieden werden soll, hat Österreich die EU-Präsidentschaft inne. "Dass Österreich in einer so wichtigen Periode die Präsidentschaft übernimmt, ist ein erfreulicher Zufall", meint Vlahovic. Ideen im österreichischen Außenamt, eine Balkan-Konferenz abzuhalten, hält er für "gut und konstruktiv." "Wir wären bereit, das zu unterstützen."

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