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(c) Rene Giretzlehner
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Die Kreativwirtschaft in Oberösterreich nimmt bundesweit eine Sonderstellung ein, denn hier ist der Industriesektor besonders ausgeprägt. Und der liefert gute »Brotjobs«.

So von der Ferne betrachtet, bleibt einem in erster Linie das Wort „Stahlstadt“ im Kopf. Manch einer, der an Linz denkt, hat wohl Fabrikschlote und Fabriksgebäude vor dem inneren Auge. Wer Charles Dickens gelesen hat, denkt sich noch russige Straßen dazu. Denn stark ist die Stadt und vielleicht das ganze Bundesland mit diesem Industrieimage verbunden. Vor Ort angelangt (selbst wenn die Züge über die Westbahnstrecke ausgerechnet neben dem Firmengelände der Voest in die Stadt einfahren), bietet sich freilich ein anderes Bild.

Oberösterreich ist ein Land mit kreativen Aushängeschildern wie den Sport-App-Entwicklern Runtastic. Linz ist die Stadt, in der das Lentos-Museum, die Kunstuniversität mit Designstudiengängen und etwas außerhalb die FH Hagenberg stehen. Es ist die Stadt, in der die Firma Formquadrat liegt, die einen Staatspreis für Design erhalten hat. Industriedesigner Thomas Feichtner, ebenfalls Preisträger, arbeitet zwar in Wien, hat aber in Linz studiert. Man stößt hier also keineswegs auf kreatives Brachland. Und während die Kreativwirtschaft in Oberösterreich wächst, ist sie letzthin auch sichtbarer geworden.

Alle zusammen, selten allein. „Die Kreativwirtschaft in Oberösterreich zeichnet sich dadurch aus, dass hier wenig branchenspezifisch, dafür sehr übergreifend und interaktiv gearbeitet wird“, sagt dazu Patrick Bartos, Geschäftsführer der Creative Region, einer Plattform für Kreativwirtschaft in Oberösterreich. Die Plattform wurde vor einem Jahr von Stadt und Land gegründet, um die Kreativwirtschaft in Oberösterreich anzukurbeln.

Es ist quasi unumgänglich, dass das Büro der Creative Region in der Tabakfabrik Linz liegt, einer 80.000 Quadratmeter großen Fläche, die sich zum neuen Kunst- und Kulturareal der Stadt entwickeln soll (die Kreativseiten haben berichtet). Die Aufgabe der Organisation ist es, Kreativunternehmern bei Finanzierung, Marketing und Projektumsetzung unter die Arme zu greifen. Ungleich der Wiener Kreativförderagentur Departure hat die Creative Region allerdings keine verfügbaren Gelder, die sie ausschütten kann.

Zeigt mir das Geld. Also müssen sich die Oberösterreicher anders helfen. In einem Förderguide mit dem Titel „Show me the Money“ werden Kreative auf neue Förderprogramme aufmerksam gemacht und bekommen Unterstützung beim Antragstellen. Just von jenen Personen, die solche Förderungen schon einmal erhalten haben. Abgesehen von wirtschaftlichen Aspekten, die in Oberösterreich derzeit etwa als das Thema „Crowdfunding“ (siehe Seite 14) aufgegriffen werden, liegt der Schwerpunkt der Arbeit in der Vernetzung: „Bonding“ nennt Bartos das gern. „Weil Bonding ist ein bisschen mehr als Vernetzung. Man kennt sich, man freundet sich an, man macht gemeinsame Projekte.“ Freilich, das täuscht nicht darüber hinweg, dass Kreative in Oberösterreich auch mit Problemen zu kämpfen haben. „Richtige Kreativ-Cluster gibt es hier nicht“, sagt Bartos. Generell sei die Kreativszene im Bundesland sehr zerstreut, wenn auch für einzelne Projekte gut kooperiert wird. Da in Oberösterreich die Industrie sehr stark ist, finden andererseits viele Kooperationen mit großen Firmen statt.

Kreativsparten, wie etwa Gewerbe- und Industriearchitektur, Industrial Design, Industrie- und Wirtschaftsfilme, sind hier stärker ausgeprägt als anderswo. „Das sind dann oft die Brotjobs, die das Überleben sichern“, sagt Bartos. Die gut ausgeprägte Industrie bringt den Kreativen aber auch Nachteile. Anders als in Wien, wo die Stadt schon längst erkannt hat, dass die Kreativen für die Wirtschaftsleistung wichtig sind, galt hier das Motto „Nice to have“, sagt Bartos. Diese Mentalität, meint er, ändere sich allmählich. Dass Industrie und Kreativwirtschaft in Oberösterreich mittlerweile ziemlich stark miteinander verschränkt sind, unterstreicht Werner Pamminger, Geschäfsführer der Entwicklungsagentur Clusterland Oberösterreich. Clusterland bringt mit der Plattform Netzwerk Design und Medien Kreativunternehmen mit großen Industriebetrieben zusammen. Allerdings nur in den Sparten Industriedesign und Kommunikationsdesign. So sind erst kürzlich ein Whirlpool aus Edelstahl und eine Betonküche entstanden.

Das Design von Maschinen. Wobei Pamminger ein bisschen ein Problem mit dem Begriff „Kreativwirtschaft“ hat. „Weil das impliziert, dass Industriebetriebe nicht kreativ sind. Aber das stimmt nicht“, sagt er. Überhaupt hat Pamminger in den vergangenen Jahren ein Umdenken bemerkt. „Industrie- und Produktdesign ist nicht mehr nur für große Konzerne, sondern mittlerweile auch für Klein- und Mittelbetriebe wichtig geworden“, sagt er.

Außerdem hätte sich die Art der Projekte geändert. Es werden nicht mehr „nur“ Projekte für den Endkonsumenten in Kooperation gemacht, sondern auch für die Firmen selbst. „Auf einmal ist es auch wichtig, wie eine Maschine aussieht, die in einer Fertigungshalle steht“, sagt Pamminger. Aus gutem Grund: Das Design hätte einen Einfluss auf Entscheidungsprozesse. Wenn Firmenchefs vor der Vergabe eines Auftrages durch Werkshallen laufen, dann würden sie sich dadurch positiv beeinflussen lassen.

In Zukunft wollen sowohl Pamminger als auch Bartos die Kreativwirtschaft in Oberösterreich mit ihren Organisationen weiter fördern. Mittlerweile ist das Thema Kreativwirtschaft ja auch in der EU ein Thema (siehe „Die Presse am Sonntag“ vom 4. November). Sie ist bereit, die Kreativwirtschaft über die Regionalförderung zu stützen. Die Chancen, dass hier mehr passieren wird, stehen also durchwegs gut.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2012)