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Eurofighter: Ex-EADS-Manager unter Verdacht

File picture shows an EADS Eurofighter jet performing during an air show in Sion
REUTERS

Nicht nur beim Kauf der Eurofighter, sondern auch bei den Gegengeschäften sollen Millionen an Schmiergeldern geflossen sein. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen einen Ex-Top-Manager der EADS.

In der mutmaßlichen Korruptions-Affäre um den Eurofighter-Kauf soll laut Berichten deutscher Medien auch ein früherer Top-Manager des Eurofighter-Herstellers EADS unter Verdacht geraten sein. Laut der „Süddeutschen Zeitung“ hat die Münchner Staatsanwaltschaft 13 Personen im Visier. Darunter sind Lobbyisten, stille Vermittler, einige EADS-Leute aus der mittleren Ebene sowie ein früherer Top-Manager.

Insgesamt könnten im Zuge des Eurofighter-Deals 100 Millionen Euro Schmiergeld geflossen sein. In der Vergangenheit war sogar von bis zu 180 Mio. Euro die Rede, das würde nicht ganz zehn Prozent des ursprünglichen Kaufpreises von 1,9 Mrd. Euro für 18 Eurofighter entsprechen. Preis und Stückzahl wurden später unter Minister Norbert Darabos (S) auf rund 1,7 Mrd. bzw. 15 Stück reduziert.

Briefkastenfirmennetzwerk

Die Gelder von EADS Deutschland sollen an ein Netz aus Briefkastenfirmen geflossen sein. Zum Teil könnte Schmiergeld unter dem Deckmantel des Gegengeschäftsprogramms verteilt worden sein, berichtet das „profil“ in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe. Die Gegengeschäfte waren seinerzeit das wichtigste Argument, um der Bevölkerung die 1,9 Milliarden Euro teure Anschaffung schmackhaft zu machen. Mehr als das Doppelte der Kaufsumme würde nach Österreich zurückfließen, argumentiert die schwarz-blaue Regierung, unter der die Eurofighter gekauft wurden.

So übertrug laut „profil“ der Rüstungskonzern die Verantwortung für den größten Teil der Gegengeschäfte an einen italienischen Finanzjongleur, der inzwischen wegen Anlagebetrugs im Gefängnis sitzt. Der Mann, Gianfranco Lande, erhielt von EADS zunächst den Auftrag, Offset-Programme im Wert von 2,7 Milliarden Euro abzuwickeln - wofür ihm in der Folge mindestens 113,5 Millionen Euro überwiesen wurden. Diese Summe floss über eine Gesellschaft namens Vector Aerospace LLP, die Lande 2004 in London gegründet hatte und als "Direktor“ nach englischem Recht leitete. Vector hatte nie mehr als zwei Angestellte und residierte in guter Londoner Lage, dafür aber ohne Türschild und Telefonnummer.

Hälfteeigentümer der Gesellschaft waren zwei österreichische Waffenhändler. Vector war aber nie operativ bei der Vermittlung von Gegengeschäften tätig, so das „profil“. Dazu bedienten man sich einer Vielzahl von "Brokern“. Darunter etwa die 2010 aufgelöste Euro Business Development GmbH (EBD) in Wien.

Ein weiterer "Broker“ war demnach eine Centro Consult Ltd. mit Sitz in London. Centrol soll von Vector im Lauf der Zeit 14,5 Mio. Euro bekommen haben. 10,5 Millionen Euro zahlte Vector ab 2004 an den "Broker“ Comco International Business Development LLC auf der Isle of Man aus, offiziell ebenfalls für die Vermittlung von Gegengeschäften. Comco gehört einem Deutschen, der im Jahr 2003 über eine Gesellschaft in Ungarn Geld von einem österreichischen Waffen-Lobbyisten kassiert haben soll.

Weitere 16,2 Mio. flossen von Vector an eine Gesellschaft namens Columbus Trade Services Ltd auf der Isle of Man, die ihrerseits zwei Oberösterreichern zugerechnet wird.

Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Über dem umstrittenen Eurofighter-Deal schwebt es schon lange der Korruptionsverdacht. Dieser wurde nicht zuletzt im Eurofighter-Untersuchungsausschuss zumindest verstärkt. Juristisch kam bisher aber nichts heraus. Das könnte sich nun ändern. Wieder ins Rollen gebracht wurde der Fall durch die Aussagen des Italieners Lande, der 2011 gestand, EADS geholfen zu haben, 84 Mio. Euro nach Österreich zu verschieben. Die Justiz in Österreich ermittelt seither auf Hochtouren. Vergangene Woche wurden an insgesamt 13 Adressen in Österreich, Deutschland und der Schweiz Hausdurchsuchungen durchgeführt.

(APA)