Schnellauswahl

Ausbildung für heimische Imame kommt

Ausbildung fuer heimische Imame
(c) Clemens Fabry
  • Drucken

Österreich will nicht länger von Imamen aus dem Ausland abhängig sein. Eine universitäre Institution zur Ausbildung von muslimischen Vorbetern ist bereits in Griffweite, noch wird an letzten Details gearbeitet.

Wien. Die Imame in Österreichs Moscheen sind nach wie vor Gastarbeiter, zumindest ein gewichtiger Teil von ihnen. Denn immer noch greifen die etwa 300 Moscheevereine vor allem auf Vorbeter zurück, die sie aus dem Ausland anwerben – und die oft nur für eine begrenzte Zeit bleiben. Allein Atib, die größte türkische Dachorganisation in Österreich, beschäftigt 65 Imame, die von der türkischen Religionsbehörde Diyanet entsandt werden und die nach maximal fünf Jahren wieder in die Türkei zurückkehren.

Darüber, dass das kein idealer Zustand ist, ist man sich weitgehend einig. Schließlich gelten gerade die Imame in den Moscheen als Schlüsselfiguren der Integration. Und gerade die aus dem Ausland geholten Religionsgelehrten können mit der österreichischen Lebensrealität nicht wahnsinnig viel anfangen – geschweige denn, hilfesuchenden heimischen Muslimen einen Rat geben. Dass ob dieser Schwierigkeiten nicht längst österreichische Imame in den Moscheen tätig sind, liegt daran, dass es hierzulande nach wie vor keine Ausbildung für sie gibt.

 

Abbau von Sprachdefiziten

Zwar gibt es bereits einige Fortbildungsmöglichkeiten und Kurse (s.Artikel rechts), doch dienen diese vor allem dazu, Defizite auszugleichen – etwa Kenntnisse über die österreichische Kultur oder der deutschen Sprache. Doch eine akademisch-theologische Ausbildung können diese Kurse nicht ersetzen.

Dass eine solche Ausbildung bald kommen wird, gilt allerdings als ziemlich sicher. Im Dialogforum Islam, das Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz Anfang 2012 initiiert hat, beschäftigt sich eine eigene Arbeitsgruppe damit, wie sich dieses Vorhaben umsetzen lässt. Ein Endbericht zu diesem – und auch einigen anderen – Vorhaben wird für Ende November bis Anfang Dezember erwartet, die beteiligten Experten halten sich demnach noch bedeckt. Doch die Stoßrichtung dürfte klar sein: Es geht in Richtung einer universitären Ausbildung, die in die Bologna-Architektur passen soll – also mit einem Master als Abschluss.

Die wahrscheinlichste Variante ist, dass dafür ein eigenes Institut für islamische Religionsausbildung ins Leben gerufen wird, vermutlich an der Universität Wien. Und klar ist, dass dort nicht nur Fächer wie Koranrezitation und islamisch theologische Fächer gelehrt werden – denn für einen Imam, der gleichzeitig auch Seelsorger und Mittler sein soll, braucht es auch soziale Fähigkeiten, die erst antrainiert werden müssen.

 

Werden Absolventen akzeptiert?

Neben einer guten Ausbildung gibt es aber noch einen zweiten wichtigen Punkt: Die Moscheevereine müssen die Absolventen akzeptieren. Das ist eine mögliche Bruchstelle – denn ist die Ausbildung zu liberal oder progressiv, könnte das bei konservativeren Moscheevereinen für Ablehnung sorgen. Um hier gegenzusteuern und auch die Moscheevereine einzubinden, könnte eine Praktikumsphase ins Spiel kommen, bei der die angehenden Religionsgelehrten direkt in den Moscheen Dienst machen.

Mit ein Grund, warum sich Österreich beeilen sollte, die Ausbildung der Imame auf die Beine zu stellen, ist, dass Deutschland hier schon sehr stark ist. An vier Standorten werden islamisch-theologische Nachwuchswissenschaftler ausgebildet – Osnabrück/Münster, Tübingen, Frankfurt/Gießen und Nürnberg Erlangen. Sind diese Zentren einmal im Vollbetrieb, besteht die Gefahr, dass sie bereits die besten verfügbaren Lehrer angezogen haben. Und dass eine österreichische Institution dann mit dem übrig gebliebenen Personal vorliebnehmen muss.

Bleibt noch die Variante, einen Weg zu bestreiten, wie ihn die Schweiz etwa bei den Medizinern vorexerziert – man lässt im Ausland studieren und lockt die Absolventen mit hohen Gagen wieder zurück. Allein, die österreichischen Moscheevereine sind nicht annähernd in der Lage, derart attraktive Gehälter zu bezahlen. Damit ist einem solchen Versuch wohl wenig Erfolg beschieden. Generell wird man sich in der Frage der Bezahlung noch neue Modelle überlegen müssen.

Eine Möglichkeit wäre, die Tätigkeit eines Imams mit verpflichtendem Religionsunterricht an einer Schule zu kombinieren – ein Modell, wie es etwa in der evangelischen Kirche praktiziert wird. Gerade, was islamische Religionslehrer angeht, gibt es in Österreich ja auch schon positive Erfahrungen: Mit der Einrichtung des privaten Studiengangs für das Lehramt für Islamische Religion an den Pflichtschulen und dem Masterstudium „Islamische Religionspädagogik“ hat man die entsprechenden Einrichtungen zur Ausbildung bereits geschaffen.

Auf einen Blick

Dialogforum Islam: Seit Jänner 2012 tagen auf Initiative von Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz mehrere Arbeitsgruppen für eine bessere Integration der Muslime in Österreich. Ein Thema dabei ist die Ausbildung von Imamen in Österreich – eine Empfehlung für eine eigene universitäre Einrichtung gilt als wahrscheinlich. Ein Endbericht wird für November oder Dezember erwartet.

Aktuelles Buch: Ednan Aslan (Hg.): „Zwischen Moschee und Gesellschaft. Imame in Österreich“, Peter Lang Verlag, 56,30 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2012)