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Leerstandsnutzung: Hausbesetzer fordern Anlaufstelle

Symbolbild(c) Clemens Fabry
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Kein Fokus auf die Kreativwirtschaft, faire und klare Verträge für Nutzungen und einen runden Tisch fordert die IG Kultur bei der Präsentation der – städtisch geförderten – Studie „Perspektive Leerstand“.

Wien. Fast könnte man meinen, Hausbesetzer werden häuslich – und ein bisschen bürokratisch. Während sie vor einigen Jahren noch eher dadurch auffielen, dass sie plötzlich auftauchten, ein Haus besetzten und dann irgendwann wieder – mehr oder weniger freiwillig – abzogen, um sich ein neues Objekt zu suchen, geht die Sache heute schon ein bisschen bequemer vor sich – zumindest, wenn es nach den Wünschen der IG Kultur geht. Die Serviceeinrichtung für freie Kulturschaffende hat am Dienstag den zweiten Teil der Studie „Perspektive Leerstand“ (durchgeführt von der TU Wien, gefördert von der Stadt Wien) präsentiert und dabei drei Empfehlungen ausgesprochen.

Erstens wolle man sich von dem Begriff Zwischennutzung lösen und lieber von Leerstandsnutzung oder besser noch Leerstandsmanagement sprechen. Dahinter steht aber keine Definitionsspitzfindigkeit, sondern vielmehr der Wunsch, sich von der temporären Nutzung von leer stehenden Räumen zu lösen. Sprich: Die Hausbesetzer wollen bleiben, am liebsten abgesichert durch „faire und klare Prekariatsverträge“, so im Bericht. Zwischennutzungen haben zwar durchaus ihre Berechtigung, allerdings passen diese eben nicht für alle Gruppen, etwa Sozialeinrichtungen oder Nachbarschaftsprojekte, so Willi Hejda von der IG Kultur.

Gegen Aufwertung der Grätzeln

Punkt zwei betrifft einen bedarfsorientierten Zugang anstelle eines – wie bisher meist üblich – raumorientierten Zugangs. Dazu wäre eine „transparente und verlässliche Ansprechstelle für alle Gruppen nötig“, so Hejda. Und: Man wolle den Fokus nicht – wie das die Stadt derzeit tut – auf die Creative Industries legen. Denn dadurch werden einerseits andere „nicht so laute Gruppen verdrängt“. Andererseits ist auch die somit erfolgte Aufwertung der Grätzeln der Szene ein Dorn im Auge, da diese meist zu Mieterhöhungen führt.

Weiters fordert die IG Kultur, die sich seit vier Jahren mit dem Thema beschäftigt, einen runden Tisch mit städtischen Vertretern der Bereiche Wohnbau, Stadtentwicklung, Kultur und Finanzen. „Bei der Stadtentwicklung sind wir im Gespräch, das läuft positiv.
Aber bei der Kulturabteilung (MA 7, Anm.) der Stadt Wien stehen wir leider an, da bekommen wir keinen Termin“, so Hejda. Allerdings wurde die Studie von einer Unterabteilung der MA 7 finanziell unterstützt. Auch eine städtische Arbeitsgruppe zur geforderten Anlaufstelle existiert bereits.

Um den Umfang der leer stehenden Räume besser darzustellen, hat die IG Kultur gestern, Dienstag, einen Online-„Leerstandsmelder“ aktiviert, bei dem jeder ungenutzte Immobilien in Wien eintragen kann. Damit wolle man aber keine Vermittlungsarbeit leisten, sondern lediglich die Diskussion zu dem Thema anregen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2012)