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E.On senkt Gewinnprognosen und schockt die Börse

(c) REUTERS (WOLFGANG RATTAY)
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Der größte deutsche Versorger kann wegen Atomausstieg und Preisdruck von Erneuerbaren seine Ziele nicht erreichen. Die Aktie stürzt ab. Der Börsenwert der Firma sank um vier Mrd. Euro auf 29 Mrd. Euro.

Wien/Bloomberg/jaz. „Die Kommunikation des Unternehmens ist desaströs.“ Mit diesen Worten fasste Fondsmanager Thomas Deser von Union Investment die Stimmung vieler E.On-Aktionäre am Dienstag zusammen. In der Früh teilte das Unternehmen nämlich in einer knappen Aussendung mit, dass die bisher genannten Gewinnzahlen für die Jahre 2013 bis 2015 nicht mehr erreicht werden könnten. Der Konzern stehe „insbesondere im Stromerzeugungsgeschäft vor immensen Belastungen“, ließ Firmenchef Johannes Teyssen die Aktionäre wissen.

Börsenwert sinkt um vier Mrd.

Diese reagierten in der Folge prompt und setzen ihre E.On-Aktien vielfach auf die Verkaufslisten. So lag das Papier bereits am Vormittag mit über 13 Prozent im Minus und erholte sich bis zum Nachmittag nur geringfügig. Dies war der größte Einbruch der E.On-Aktie in der Geschichte des Unternehmens; der Börsenwert der Firma sank dadurch um vier Mrd. Euro auf 29 Mrd. Euro.

Dies, obwohl die gleichzeitig mit der Gewinnwarnung veröffentlichten Zahlen für die ersten drei Quartale des Jahres 2012 besser als von den Analysten erwartet ausfielen. So stieg der Periodenüberschuss um 155 Prozent auf vier Mrd. Euro an, weshalb der Ausblick für 2012 auch bestehen bleiben soll. Die Aktionäre sollen für heuer eine Dividende von 1,1 Euro  je Aktie erhalten, im Vorjahr ist es noch ein Euro gewesen.

Doch ab dem kommenden Jahr soll es mit der positiven Entwicklung vorüber sein. „In Europa und mittlerweile auch in Deutschland wächst die Wirtschaft deutlich verlangsamt, manche Teile Europas gehen in Richtung Stagnation oder gar Schrumpfung“, so Teyssen. Das Problem für E.On ist dabei, dass die Deutschen in den Krisenländern Italien und Spanien stark vertreten sind. Eine Hypothek von Teyssens Vorgänger Wulf Bernotat, für die der Konzern bereits Abschreibungen in Milliardenhöhe hinnehmen musste.

Falsche Kraftwerke für Marktlage

Doch nicht nur geografisch ist E.On für die aktuelle Situation schlecht aufgestellt. Auch der Kraftwerkspark bereitet Probleme. „E.On hat aus unserer Sicht die falschen Anlagen“, hieß es etwa in einer Analyse der HSBC. So drückt der geförderte Ökostrom bereits seit Monaten die Großhandelspreise in Deutschland. Die Gas- und Kohlekraftwerke von E.On werden dadurch zunehmend zu Verlustbringern. Eine Entwicklung, die auch andere Versorger, wie der heimische Verbund, jüngst schmerzhaft erleben mussten.

Die Analysten waren – bislang – aber trotzdem von der Aktie positiv angetan. 19 empfahlen einen „Kauf“, nur zehn „Verkauf“ (neun „Halten“). Ob dies nach der Gewinnwarnung so bleibt, ist fraglich.