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Ordnungsprobleme besser lösen

Philipp Hungerländer erstellte einen Algorithmus, der schneller optimale Wege berechnet als alle bisherigen. Das hilft Biologen, Wirtschaftlern, Archäologen und vielen mehr.

„Das Schöne an meinem Job ist, dass ich die Arbeit mit Bleistift und Papier mit jener am Computer kombinieren kann: Wenn ich mathematische Eigenschaften nachgewiesen habe, mache ich daraus ein funktionsfähiges Programm“, sagt Philipp Hungerländer. Er hat an der Uni Klagenfurt „sub auspiciis“ promoviert (Mathematik, Betreuer Franz Rendl), dafür das 9000-Euro-Exzellenzstipendium des BMWF bekommen und arbeitet nun im Fachbereich „Discrete Mathematics and Optimization“ als Assistenzprofessor. Seine fertig programmierten Algorithmen testet er an Benchmark-Instanzen. „Dort muss dein Algorithmus schneller oder besser sein als die bisherigen“, so Hungerländer. Den Kick, den andere in Computerspielen suchen (der Beste und Schnellste zu sein), schätzt er in seiner Arbeit sehr: „Als Teenager habe ich extrem viel am Computer gespielt. Die Leidenschaft kann ich nun in der Forschung nutzen, quasi sinnvoll kanalisieren.“ Die Leidenschaft fürs Extreme erkennt man auch am Lebenslauf von Hungerländer: Neben dem Mathematikstudium hat er auch Angewandte Betriebswirtschaftslehre studiert und schreibt bereits an der nächsten Dissertation (Volkswirtschaftslehre, Betreuer Reinhard Neck). Auch dort ist der Einserstudent auf „sub auspiciis“-Kurs – und er startet schon seine Habilitation in der Mathematik.

In der aktuellen Dissertation (ausgezeichnet von der Österreichischen Gesellschaft für Operations Research und der Österreichischen Mathematischen Gesellschaft) entwickelte Hungerländer neue Algorithmen, die Ordnungsprobleme lösen, z.B. das „Target-Visitation-Problem“. „Wenn z.B. ein Krisengebiet mit Lebensmitteln und Medizin versorgt werden muss, will man einerseits den kürzesten Weg für die Einsatzkräfte ausrechnen.“ Andererseits müssen bestimmte Orte dringender versorgt werden als andere. „Den ursprünglichen Algorithmus für das Problem hat das amerikanische Militär entwickelt: Der lieferte nach einem Tag Rechenarbeit ein Ergebnis für 20 Punkte. Unser Algorithmus schafft 20 Punkte in wenigen Sekunden und kann optimale Routen mit bis zu 40 Punkten in einem Tag berechnen.“ Dieses Programm kann nun weltweit eingesetzt werden: Bei Fragestellungen von Biologen, die das ideale Zusammenspiel von Molekülen berechnen, oder von Produktionsleitern, die wissen wollen, wie sie ihre Maschinen anordnen müssen, um eine möglichst effiziente Produktion zu garantieren, und von vielen mehr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2012)