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Calvin Klein: Per Zufall zum Mode-Imperium

Zufall ModeImperium
(c) EPA (Daniel Dal Zennaro)
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Der amerikanische Modedesigner Calvin Klein wird heute 70 Jahre alt. Er mischte mit provokanten Werbekampagnen die Modewelt auf und machte Unterwäsche salonfähig.

Wien. Ende der 1970er-Jahre galt der US-amerikanische Jeansmarkt als bieder und gesättigt. Bis eine Werbekampagne neuen Glanz in die Modebranche bringen sollte: Im zarten Alter von 15 Jahren posierte Schauspielerin Brooke Shields lasziv vor der Kamera und fragte mit provokant erotischer Stimme: „Weißt du, was zwischen mich und meine Calvins kommt?“ Nichts! So simpel die Kampagne war, so erfolgreich wurde sie auch: 400.000 Jeans der Marke Calvin Klein gingen daraufhin pro Woche über den Ladentisch.

Calvin Klein gilt als einflussreicher Modeschöpfer, der wohl wie kein anderer das Lebensgefühl der Neunzigerjahre prägte. Heute, Montag, wird der in New York geborene Sohn ungarisch-jüdischer Einwanderer 70 Jahre alt.

Kleins Karriere begann, wie die vieler anderer auch, per Zufall. Er hatte sich als Design-Assistent einer Mantelfabrik und Modezeichner einer Frauenzeitschrift herumgeschlagen, als ihm 1968 die Idee kam, sich selbstständig zu machen. Mit der finanziellen Unterstützung seines Freundes Barry Schwartz, der sich mit 10.000 Dollar beteiligte, entstand das Modelabel Calvin Klein. Kleins Anteil belief sich auf läppische 2000 Dollar.

In den ersten Jahren seines Bestehens war das noch junge Unternehmen in einer New Yorker Hotelsuite untergebracht. Eines Tages, so besagt die Legende, irrte sich ein Einkäufer des mittlerweile liquidierten Kaufhausgiganten Bonwit Teller im Stockwerk und platze in Kleins Atelier. Eine Bestellung im Wert von 50.000 Dollar bescherte dem Designer dann den ersten Großkundenauftrag – und veränderte sein Leben.

Klein ist für seinen schlichten, minimalistischen Stil und dezente Farben bekannt. Zunächst konzentrierte sich der Designer, der eine Ausbildung am Fashion Institute of Technology in New York genoss, auf Frauenmode. 1978 brachte er dann die erste Männerkollektion auf den Markt. Seine Mutter habe ihm seinen Stil beigebracht, erzählte er einmal in einem Interview. „Sie mochte auf unauffällige Art extravagante Kleidung. Anspruchsvoll. Nicht irgendetwas, das von der anderen Seite der Straße herüberschreit.“

 

Erstes Unisex-Parfum der Welt

1982 gelangt es Klein dann, Unterwäsche einen modischen Touch zu verleihen, praktikabel war sie schließlich lange genug. Mit einem veritablen Sixpack ausgestattet, ließ er Marky Mark, der heute unter dem Namen Mark Wahlberg bekannt ist, in weißen Höschen posieren. Kate Moss, die Klein zum Topmodel machte, stand ihm damals zur Seite.

Männer in Unterwäsche des Modedesigners, das war seitdem keine Seltenheit mehr. Seiner Tochter Marci hat das allerdings nicht immer Freude bereitet: „Jedes Mal, wenn ich mit einem Mann ins Bett gehe, sehe ich die Unterwäsche meines Vaters“, klagte sie einmal. Den Vater soll diese Aussage nicht gerade amüsiert haben.

Bei Unterwäsche blieb es jedoch nicht. Im Laufe der Jahre folgten Uhren, Schuhe, Brillen und eine Parfumlinie. Mit dem Duft „CK One“ gelang es Klein, weltweit erstmals ein Unisex Parfum, eines für Mann und Frau gleichzeitig, auf den Markt zu bringen. Zeitweise galt er als der meistverkaufte Duft der Welt. Seine Produkte vertrieb er geschickt über Lizenzen, die Uhren stellt die Schweizer Firma Swatch her, die Parfums kommen aus dem Hause Coty.

Nicht immer lief alles rund im Leben des Designers. Ende der 1970er-Jahre wurde seine Tochter Marci entführt (und am selben Tag befreit). Dies nahm Klein zum Anlass, sich aus der Öffentlichkeit weitgehend zurückzuziehen. Geschieden ist Klein bereits zwei Mal, immer wieder wurden ihm auch Beziehungen zu Männern nachgesagt. Alkohol und Drogen soll er ebenso nicht abgeneigt gewesen sein. 1988 unterzog er sich einer Entziehungskur.

 

Unter einem Dach vereint

Calvin Klein ist heute schon lange nicht mehr Herr über sein Mode-Imperium. Anfang des Jahrtausends verkaufte er seine Firma für rund 400 Mio. Dollar an den weltgrößten Hemdenhersteller Phillips-Van Heusen. Damals betrugen die weltweiten Umsätze noch knapp drei Mrd. Dollar. 2011 erreichten sie schon 7,6 Mrd. Dollar. „Manchmal, wenn ich die Designs sehe, denke ich mir, das hätte ich anders gemacht, wenn ich noch dabei wäre – aber das bin ich eben nicht“, sagte Klein 2011.

Nun, gut zehn Jahre nach dem Verkauf der Firma, werden künftig auch Jeans und Unterwäsche aus einer Hand kommen. Die Rechte dafür gehörten bislang der Firma Warnaco, die nun allerdings von Phillips-Van Heusen für knapp drei Mrd. Dollar geschluckt wird. Die Umsätze des Calvin-Klein-Mutterkonzerns werden dann auf acht Mrd. Dollar steigen.

Auf einen Blick

Calvin Klein wurde am 19. November 1942 in New York geboren und wuchs in der Bronx auf. Er besuchte das Fashion Institute of Technology und gründete gemeinsam mit seinem Freund Barry Schwartz das Modeunternehmen Calvin Klein. 1978 präsentierte er seine erste Männerkollektion, 1982 stieg er in das Geschäft mit Unterwäsche ein. Anfang des Jahrtausends verkaufte Klein sein Label an den Hemdenhersteller Phillips-Van Heusen für rund 400 Mio. Dollar. [AP]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2012)