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Hummer-Amokfahrt: Pfefferspray-Attacke durch Polizei?

Mit diesem Geländewagen der Marke
Mit diesem Geländewagen der Marke "Hummer" überfuhr der gebürtige Kärntner einen ungarischen Polizisten.(c) EPA (ZOLTAN GERGELY KELEMEN)

Ein Video der Szene zeigt eine andere Situation, als von der ungarischen Polizei beschrieben. Möglicherweise hat der Fahrer nichts gesehen.

Im Fall eines gebürtigen Villachers, der mit seinem Geländewagen vom Typ Hummer in Ungarn einen Polizisten getötet haben soll, ist Medien ein Video zugespielt worden. Es legt die Vermutung nahe, "dass der Österreicher nichts sah, als er plötzlich losfuhr und den Beamten unter seinem Wagen begrub", berichtete der "Kurier" am Montag. Denn ein anderer Polizist habe ihn zuvor "vermutlich mit Pfefferspray attackiert". Der ORF zeigte in "Heute mittag" das Video.

Der Kärntner war Mitte Oktober mit drei Männern in vier Geländewagen in Südungarn unterwegs. Im Ort Apatfalva wurden sie wegen Überschreitens der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von zwei Polizisten gestoppt. Soweit stimmen die Angaben des Anwaltes des Fahrers und der Behörden überein. Als einer der Beamten die Papiere des Österreichers kontrollieren wollte, raste dieser nach Behördenangaben davon. Eine Zivilstreife nahm die Verfolgung auf. Zwei Motorradpolizisten unterstützten ihre Kollegen. Einer der Beamten überholte den Flüchtenden und stellte sein Motorrad an einer Kreuzung quer. Der Österreicher scherte laut den Angaben der Behörden plötzlich aus und überfuhr den Polizisten mit Vollgas. Dessen Kollegen schossen, der 34-Jährige wurde getroffen und schwer verletzt.

Anwalt bestreitet Mordabsicht des Mandanten

Das nun veröffentlichte Video zeigt, wie zwei Motorradpolizisten am Hummer vorbeirasen. Der Österreicher lässt seinen Wagen ausrollen - da war ein Motorradpolizist schon auf seiner Höhe. Neben dem Wagen des 34-Jährigen steigt der Beamte ab, sprintet mit ausgestreckter Hand zum Fahrzeug und streckt sie ins Cockpit. Eine Aussage des Villachers, er sei mit Pfefferspray befeuert worden, würde zu dieser Szene passen, so der "Kurier". Eine dunkle Abgaswolke steigt auf. Der Hummer bricht aus, walzt den zweiten Motorrad-Cop am rechten Grünstreifen nieder. Das Fahrzeug hält. 13 Schüsse fallen, der vier Mal getroffene wird von zwei Beamten niedergerungen.

Drei bis vier Sekunden lang Pfefferspray

"Nach dem beglaubigten Geständnis meines Mandanten der ungarischen Staatsanwaltschaft gegenüber wurde er von einem ungarischem Polizisten mit Pfefferspray angegriffen, nachdem mein Mandant mit seinem Hummer angehalten hatte. Der Polizist griff durch das offene Fenster auf der Fahrerseite und sprühte drei bis vier Sekunden Pfefferspray in seine Augen", erklärte der Verteidiger des gebürtigen Kärntners, Ferdinand Schweigert. Laut dem Anwalt war der Österreicher durch 14 Schüsse verletzt worden.

Nach dem "Pfeffersprayangriff" hätte der Mann auf das Gaspedal getreten und seinen Wagen nach rechts in Richtung Graben gelenkt. Ferdinand Schweigert betont der Austria Presse Agentur gegenüber, dass der verstorbene Polizist mit seinem Motorrad nicht vor dem Hummer, sondern rechts am Straßenrand gestanden sei. Dort wurde der Polizist vom Fahrzeug erfasst und starb an seinen Verletzungen. Auf die Frage, ob es einen medizinischen Nachweis für den "Pfeffersprayangriff" gäbe, betonte Schweigert, er hätte noch keinen Bericht vom Sachverständigen erhalten.

Staatsanwaltschaft: "Gekürzte Version"

Laut ungarischer Staatsanwaltschaft handelt es sich bei dem Video um eine "gekürzte Version" von sieben Minuten. Wie ein Sprecher betonte, seien in dem ungekürzten Video, das ein weiterer Hummer-Fahrer mit dem Handy aufgenommen hatte, auch die polizeilichen Maßnahmen, der Widerstand des Verdächtigen und dessen Aktion zu sehen, wie er den zweiten Motorradpolizisten von der Straße drängen wollte. Die Staatsanwaltschaft hat angeblich vergangene Woche die lange Version des jetzt gezeigten Videos erhalten. Dabei handle es sich nicht um die gleiche Aufnahme, die ein Hummer-Fahrer angefertigt hatte und die nach dem Unfall beschlagnahmt worden war. Experten würden nun beide Aufnahmen untersuchen. Von diesem Ergebnis würde abhängen, wie es in dem Fall weitergehen würde.

(APA)