Auflagen. Trotz eines sehr positiven Resümees nach dem Gespräch mit WKO-Präsident Leitl erwägt Heinrich Staudinger den Gang zum Höchstgericht.
Wien. Schuster Heini Staudinger ist hellauf begeistert von seinem Gespräch mit Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl. "Wir hatten alle den Eindruck, dass denen die Kreditklemme bei den Kleinen ein wichtiges und ernstes Anliegen ist", sagte Staudinger am Donnerstagnachmittag. Das Problem, dass KMU nur schwer an Bankkredite kämen, bestehe seit Jahren. "Da liegt was in der Luft", befindet der dickköpfige Unternehmer.
Wie sonst sei zu erklären, dass sein Streit mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) ein derartiges Echo auslöse? "In Wien kann ich keine zweihundert Meter auf der Straße gehen, ohne dass ich 'Halt-durch'-Zurufe bekomme." Jetzt gelte es, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und "mit einfachen, verständlichen und unbürokratischen Verträgen Darlehen zwischen Menschen zu erlauben", meinte der Chef der GEA-Schuhfabrik.
Verträge sollen geändert werden
Er selbst gelobte heute, seine "zugegebenermaßen wahnsinnig einfachen" Verträge mit seinen Geldgebern im Sinne von mehr Transparenz zu ergänzen. "Unsere EinlegerInnen müssen wissen, dass es keine staatliche Einlagensicherung gibt", sagte Staudinger. Ob er seine Bilanzen offenlegt? "Selbstverständlich" erführen die Sparvereinsmitglieder, wenn sie ins Waldviertel kommen, wie es um die Firma steht.
Apropos Sparverein: Diesen "Spitznamen" will Staudinger "ab sofort sein lassen", da sich die FMA offensichtlich daran stoße. Der neue Name "Apfelbäumchen" referenziert auf ein Zitat, das - angeblich fälschlicherweise - Kirchenreformer Martin Luther zugeschrieben wird: "Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen." Staudinger will damit die Hoffnung verknüpft wissen, dass rund ums Apfelbäumchen doch etwas wächst, quasi "gegen die Macht des Mainstreams".
Der Schuhmacher sparte auch heute nicht mit Kritik an der Finanzmarktaufsicht, er wähnt in der Behörde "die Agentin der Banken, die sich querlegt, damit sich die Kleinen nicht selber helfen".
"Befremdlich" findet er, dass ihm die FMA nie gesagt habe, dass es für ihn eine Möglichkeit gäbe, der ungeliebten Prospektpflicht zu entkommen. Nämlich dann, wenn sich seine Emission an weniger als 150 Personen richtete. Von dieser Ausnahme - es ist eine von dreien - habe er erst heute in der Wirtschaftskammer erfahren.
Höchstgericht nicht vom Tisch
Es sei aber nicht so, dass er den Dialog mit der Aufsicht verweigern wolle, meinte der Erfinder der "Waldviertler"-Schuhe. Trotzdem wolle er sich bis nächste Woche überlegen, ob er das Angebot von WKÖ-Chef Leitl, in einem (neuerlichen) Gespräch mit der FMA zu vermitteln, überhaupt annehmen will.
Staudinger erwägt nämlich, sich von der FMA einen Strafbescheid ausstellen zu lassen, um dann via Beschwerde vors Höchstgericht zu ziehen und die bestehenden gesetzlichen Regelungen zum Bankgeschäft verfassungsrechtlich prüfen zu lassen. Ein weiterer Grund, warum er noch zuwarten will, ist seine parlamentarische Bürgerinitiative, mit der er den Nationalrat ersuchen möchte, das Bankwesengesetz abzuändern.
Die anonyme Anzeige, die gestern laut "WirtschaftsBlatt" und "Kurier" bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) gegen ihn eingelangt ist, lässt ihn kalt. "Wir laden die WKStA ein, sich jederzeit ohne Begleitung alles anzuschauen." Darüber, wer ihn angezeigt hat, habe er "ehrlich gesagt keine einzige" Vermutung.
(APA)