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Leitl will zwischen Staudinger und FMA vermitteln

Leitl will zwischen Staudinger
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Der Waldviertler Schuhhersteller Heini Staudinger besprach mit WKO-Präsidenten Christoph Leitl legale Wege für sein Finanzierungsmodell mit Privatkrediten. Die FMA müsse diese aber absegnen.

Wien. Gut gelaunt gab sich Heini Staudinger nach seinem Gespräch mit Wirtschaftskammerpräsidenten Christoph Leitl: „Dem Herrn Leitl ist die Spucke weggeblieben, wie konstruktiv und entschlossen wir aufgetreten sind.“ Staudinger wurde am Donnerstag mit einer siebenköpfigen Delegation bei Leitl vorstellig.

Der WKO-Präsident habe eine Möglichkeit aufgezeigt, wie Staudinger seine Firma ohne Mehrkosten auf – aus Sicht der WKO – legalem Weg bankenlos finanzieren könne. Wenn die Zahl der privaten Darlehensgeber 150 nicht überschreite, könne man die Pflicht umgehen, einen teuren Kapitalmarktprospekt herauszugeben. „Wir haben um die 200 Kreditgeber. Da wir zwei Firmen haben, könnten wir das aufteilen.“ Leitl-Sprecher Rupert Haberson bestätigt diese Option, schränkt aber ein, dass das erst mit der FMA abgeklärt werden müsse. Nur diese könne entscheiden, ob es legal sei.

Leitl habe Staudinger angeboten, ein Gespräch mit der FMA „einzutakten“. Staudinger will nun darüber nachdenken. Der Schuhproduzent hat angekündigt, mit einer Beschwerde beim Verfassungsgericht gegen die FMA vorzugehen, sollte diese Geldstrafen über ihn verhängen.

 

SPÖ für mildere Prospektpflicht

Beim Thema Anlegerschutz, dem Hauptanliegen der FMA, will Staudinger nun für mehr Transparenz sorgen. Man werde die Verträge mit den Kreditgebern dahingehend ergänzen, dass diesen keine Einlagensicherung (wie bei klassischen Sparkonten) garantiert werden könne. Staudinger will seine Anleger auch eine Einverständniserklärung unterschreiben lassen, mit der sie auf den Schutz der FMA verzichten. „Ich verstehe, dass sich die FMA nicht vorwerfen lassen will, dass sie ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt.“

Auch die SPÖ ist am Donnerstag in die Debatte über das sogenannte „Crowdfunding“ eingestiegen. Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter forderte eine Aufweichung der Prospektpflicht für Unternehmensanleihen. Bisher gilt diese ab 100.000 Euro Anlagesumme. Bei den dabei anfallenden Kosten rentiere sich ein Kapitalmarktprospekt aber erst ab einer Summe von zehn Mio. Euro. Deshalb sei ein Stufenmodell sinnvoll, bei dem die Auflagen mit der Höhe der Anlegesumme zunehmen. Dieses Modell soll in den nächsten drei bis vier Monaten entwickelt werden. Crowdfunding sei, so Matznetter, positiv, weil es den Wettbewerb erhöhe und Banken Konditionen verbessern müssten.

 

FMA setzt Superfund Ultimatum

Staudinger will unabhängig vom Stand seines Konfliktes mit der FMA am 7. Dezember eine Petition beim Parlament einreichen, die die allgemeine Freiheit der direkten Kreditgewährung einfordert.

Indessen hat die FMA nun auch dem Hedgefondsanbieter Superfund ein Ultimatum bis zum Jahresende gestellt, die „Verwaltung fremder Gelder“ im Fall von mehreren Genussscheinen zu unterlassen. Für diese sei ebenfalls eine Banklizenz notwendig. Laut „Format“ liegen in den Produkten 100 Mio. Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2012)