Berufung. Der Luxemburger Notenbankchefs Yves Mersch gilt als Hardliner in Sachen Geldwertstabilität.
Straßburg. Wochenlang ist um die Ernennung des Luxemburger Notenbankchefs Yves Mersch ins Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) geschachert worden. Das Europaparlament lehnte seine Nominierung ab und verlangte stattdessen eine Frau für das Spitzengremium der EZB, das derzeit eine reine Männerdomäne ist. Dann äußerte Spanien Bedenken gegen den 63-Jährigen mit dem rotblonden Schnurrbart, der als Vertreter einer strikten Politik der Geldwertstabilität gilt.
Dennoch haben die Staats- und Regierungschefs der EU nun die Berufung Merschs an die Spitze der EZB durchgewunken. Als sechstes Mitglied des EZB-Direktoriums dürfte sich der Luxemburger für eine strenge Geldpolitik und den Kampf gegen die Inflation einsetzen. Diesen Kurs, der einigen südlichen EU-Staaten ein Dorn im Auge ist, verteidigte er bei seiner Anhörung im Europaparlament am 22. Oktober nachdrücklich. Stabile Preise seien der "beste Beitrag zu nachhaltigem Wachstum".
Der 1949 geborene Jurist ist seit 1998 Direktor der Luxemburger Zentralbank. In dieser Funktion ist er bereits Mitglied des Gouverneursrats der EZB, dem die Notenbankchefs der 17 Euro-Länder angehören. Der Vater zweier erwachsener Kinder kann eine beeindruckende internationale Karriere vorweisen: Unter anderem war er bei der Weltbank tätig, bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, bei der Europäischen Investitionsbank und beim Internationalen Währungsfonds in Washington.
Mit seinen diskreten, maßgeschneiderten Anzügen und den weißen Hemden entspricht Mersch perfekt dem Bild des seriösen Bankers. Doch die Wahl seiner Krawatten zeugt manchmal auch von einer guten Portion Schalk. Zur Anhörung im Europaparlament, wo er sich vor allem bei linken Abgeordneten harsche Kritik anhören musste, erschien der Luxemburger mit einem knallroten Binder, auf dem sich eine Herde weißer Comic-Lämmchen tummelte - und ein schwarzes Schaf.
(APA/AFP)