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„Financial Literacy“ als Mittel gegen die Schuldenfalle

Jugendliche mit Handy
Jugendliche mit Handyc APA HARALD SCHNEIDER
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Was bringt Sparen? Wie vermeide ich Schulden? Spielerisch sollen Kindern solche Fragen beantwortet werden. Jugendliche werden von vielen Seiten zum Geldausgeben verführt.

Wien. Ob durch Null-Prozent-Finanzierung im Elektromarkt oder „Gratis“-Smartphones beim örtlichen Telekomanbieter: Jugendliche werden von vielen Seiten zum Geldausgeben verführt. Gleichzeitig ist die Bereitschaft, Schulden aufzunehmen, offenbar groß. Jeder dritte Klient einer Schuldnerberatung ist hierzulande 30 Jahre oder jünger. Am Ende der Überschuldung steht oft ein Privatkonkurs. Dabei werden die Einkünfte sieben Jahre lang bis auf ein Minimum gepfändet.

„Wir waren schockiert, als wir die Zahlen gesehen haben“, sagt Anna Mostetschnig, Mitbegründerin von Three Coins. Das junge Unternehmen entwickelt Computerspiele, die im sozialen Netzwerk Facebook gespielt werden können. Das Team arbeitet gerade daran, das Spiel „The Cure“ fertigzustellen, damit es im Sommer online gehen kann. Der Spieler wird dort in einer „apokalyptischen, verseuchten Welt“ ausgesetzt, in der das Heilmittel „Cure“ zur neuen Weltwährung geworden ist. Damit muss der Spieler haushalten.

Was ein bisschen nach Ballerspiel klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Das Spiel bildet Situationen aus dem echten Leben nach, wodurch den Kindern – Zielgruppe sind Jugendliche von 14 bis 19 Jahren – der Umgang mit Geld näher gebracht werden soll. Nur, dass das Wort nirgendwo vorkommt.

„Der Umgang mit Geld ist wie Fahrradfahren“, sagt Mostetschnig. „Man muss es ausprobieren, ein paar Mal umfallen, und irgendwann kann man es.“ Dabei war es den Unternehmerinnen von Three Coins wichtig, die Kinder „in ihrer Freizeit abzuholen“, und nicht etwa in der Schule. Auch sie mussten „hinfallen“, um den richtigen Zugang zu finden. Nach ersten Tests wurde das Spiels komplett überarbeitet, weil es „zu lieb“ daherkam. Noch sind die zwei Gründerinnen auf der Suche nach Investoren, damit das Spiel, wie geplant, bald online gehen kann.

 

Kredite im Klassenzimmer

In Großbritannien ist die Situation ähnlich wie in Österreich. Auch dort sind viele junge Menschen verschuldet, weil sie die grundlegendsten Zusammenhänge von Einkommen, Sparen und Schulden nicht verstehen. „Vielen ist nicht einmal klar, dass sie Kreditkartenschulden auch wieder zurückzahlen müssen“, sagt Lily Lapenna. Sie ist die Gründerin von MyBnk, einem preisgekrönten Projekt, das sich ebenso wie Three Coins die Verbreitung von Finanzwissen („Financial Literacy“) auf die Fahnen geschrieben hat.

MyBnk sucht Kinder ab elf Jahren in Schulen auf, um mit ihnen gemeinsam einen Sparverein zu gründen. Die Kinder sollen dazu animiert werden, ihr Geld auf das MyBnk-Sparbuch im Klassenzimmer zu legen, anstatt es für Fast Food auszugeben. Es werden Sparziele vereinbart, die sich die Kinder selbst stecken. „Die Erfahrung soll einerseits spielerisch sein, aber die Kinder sollen auch gleich mit richtigem Geld zu tun haben“, sagt Lapenna.

Auch Kredite gibt es für die Kinder – wenn sie eine gute Geschäftsidee haben. Manche produzieren mit dem Geld – zum Beispiel 40 Pfund (49 Euro) – T-Shirts, andere organisieren Events, für die sie Eintritt verlangen. Das Feedback sei gut, so Lapenna: „Nur ganz selten kann ein Kind seinen Kredit nicht zurückzahlen.“ Und wenn, dann werden die Schulden abgearbeitet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2012)