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Frau Admiral auf der Brücke

Frau Admiral Bruecke
Dalva Maria Carvalho Mendes
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In Brasiliens Marine hat es mit Dalva Maria Carvalho Mendes eine Frau zum Admiralsrang gebracht - eine weltweite Seltenheit.

Die „Marinha do Brasil", die 1822 gegründete Kriegsflotte des größten Landes Lateinamerikas, ist mit ihren insgesamt etwa 105 Schiffen aller Art im weltweiten Flottenvergleich zahlenmäßig zwar in der unteren Mittelklasse angesiedelt und baut seit vielen Jahren erfolglos an einem nuklear betriebenen Unterseeboot herum. Doch nun „besitzt" sie etwas, was es sonst ebenfalls nur in ganz wenigen anderen Kriegsmarinen gibt: einen weiblichen Admiral.

Staatspräsidentin Dilma Rousseff ernannte am Wochenende die 56-jährige Dalva Maria Carvalho Mendes zum Konteradmiral (oder Konteradmiralin?) - die erste Frau dieses Ranges in der Geschichte Brasiliens. Geboren in Rio de Janeiro war sie 1981, kurz nach der Öffnung der nationalen Streitkräfte für Frauen, ins weibliche Hilfskorps der Flotte eingetreten und hatte dort eine Karriere im medizinischen Dienst eingeschlagen. Als Befehlshaberin etwa eines bewaffneten Kampfgeschwaders wird man sie daher freilich nicht sehen: Die ausgebildete Notfallmedizinerin, die verwitwet ist und zwei Kinder hat, war zuletzt Direktorin des Marinehospitals „Nossa Senhora da Glória" (etwa: „Unsere ruhmreiche Muttergottes") in Rio.

Nicht alle Funktionsfelder in Brasiliens Marine stehen Frauen offen, derzeit sind es etwa das Ingenieurs- und medizinische Korps, Versorgungsabteilungen und interessanterweise die Marineinfanterie; diese Elitetruppe ist oft im Einsatz gegen Drogenbanden in den Armensiedlungen, Frauen dienen aber nicht in den Kampfeinh

Dalva Maria Carvalho Mendesnaval.com.br

eiten. Laut amtlichen Angaben stellen Frauen ein bemerkenswertes Drittel der Offiziere der brasilianischen Flotte und etwa sieben Prozent der unteren Ränge.

Admiral - ein arabischer Sprachimport

Das Wort „Admiral" kommt ursprünglich aus dem Arabischen „Amir-al-Bahr", was Befehlshaber zur See bedeutet und als Begriff ab dem Ende des zehnten Jahrhunderts allmählich in europäische Sprachen einsickerte, vor allem über Genua, Sizilien und Frankreich. Die Militärs weltweit öffneten sich erst im Zuge des Ersten Weltkrieg im größeren Maßstab und karrieretechnisch für Frauen, aber auch da praktisch nur für Hilfsdienste etwa im Sanitätswesen, der Logistik und bei Aufklärung und Datenverarbeitung, und in der Regel waren vor allem die Flotten bei der Aufnahme von Frauen besonders zögerlich.
Erst in den 1970ern kamen Frauen in Admiralsränge, beginnen mit den USA. Alene Duerk (*1920 im US-Staat Ohio) wurde dort 1972 als erste Frau in der Geschichte der US-Marine zum Konteradmiral im Krankenschwestern-Korps befördert. Außerhalb des medizinischen Dienstes war Fran McKee die erste Frau als Konteradmiral, befördert 1976 als Chefin des Ausbildungskommandos der Navy in Pensacola, Florida.

In den USA gibt es derzeit etwa ein Dutzend weiblicher Admiräle. Nora W. Tyson (die 53-jährige Lady aus Memphis, Tennessee, ist seit 2007 im Admiralsrang) befehligte von Sommer 2010 bis Jänner 2012 gar die Flugzeugträgerkampfgruppe um die USS „George H. W. Bush", der neben dem Flaggschiff in der Regel auch zwei bis drei Kreuzer, vier bis neun Zerstörer, ein bis zwei Jagd-U-Boote und allerhand Hilfsschiffe angehören.
Aber wie gesagt: Frauen werden selten Admiral - auch weil sie, wie Offiziere berichten, weit häufiger als Männer in mittleren Rängen verbleiben oder ganz ausscheiden. Unter anderem gibt es noch in den Flotten Australiens, Kanadas und Venezuelas weibliche Admiräle. In der britischen Royal Navy wurde erst im Mai 2012 mit Sarah West (40) eine Frau Commander eines Kriegsschiffs, der Fregatte HMS „Portland".

Die meisten der etwa 105 Kriegsschiffe Brasiliens sind indes nur kleinere Wachboote für küstennahe Einsätze und auf Flüssen. Die hochseetauglichen Großkampfschiffe und U-Boote sind derzeit der Flugzeugträger São Paulo, zehn Fregatten, fünf Korvetten und fünf Jagd-U-Boote, also 21 Einheiten. Zum Vergleich: Die US-Navy hat etwa 210 Großkampfeinheiten, die französische 43, die niederländische nur zehn. Kriegsschiffe aus Brasilien fochten übrigens in beiden Weltkriegen auf Seiten der Alliierten, nämlich in den letzten Kriegsmonaten 1918 und ab Mitte 1942.