Neuer Wettbewerb Wirtschaft gegen Umwelt

Umfrage. Die EU-Bevölkerung lehnt das Ausspielen der Umwelt gegen Wachstumsperspektiven ab.

BRÜSSEL. Sind die Zeiten wirtschaftlich nicht so rosig, drohen Umweltthemen von der politischen Agenda zu verschwinden. Denn im Kampf um Arbeitsplätze gilt Umweltpolitik nicht selten als störender Ballast. Deutlich wurde diese Diskrepanz zuletzt in der europäischen Debatte über eine weitere Reduzierung von Schadstoff-Emissionen (Kyoto-Ziele).

Doch dieser Trend läuft den Interessen der europäischen Bevölkerung klar zuwider. Dies zeigt eine Eurobarometer-Umfrage, derzufolge 85 Prozent der Bürger fordern, dass die Politik Umweltfragen ebenso viel Bedeutung zumisst wie der Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Laut der Umfrage, die zeitgleich in allen 25 EU-Mitgliedsstaaten durchgeführt wurde, wird die Lebensqualität für 78 Prozent der Befragten von Wirtschaftsfaktoren bestimmt und für 72 Prozent von Umwelt- und Sozialfaktoren. Die EU-Kommission fühlt sich dadurch in ihrer Auffassung bestätigt, dass Umweltschutzpolitik auch Anreiz für Innovation und Wirtschaftswachstum sein kann - und nicht zwingend ein Hemmschuh.

Aus der Umfrage wird darüber hinaus deutlich, wie eng Umweltschutz mit dem Ausmaß an Wohlstand verknüpft ist. In den neuen, ärmeren EU-Mitgliedsstaaten konzentrieren sich die Umweltsorgen der Bevölkerung auf Belastungen des täglichen Lebens: Luftverschmutzung (52%), Trinkwasserqualität (55%) und Müllentsorgung (43%). Manche dieser Probleme haben die "alten" Mitgliedsstaaten schon längst hinter sich gelassen, ihre Hauptsorge gilt vor allem dem Klimawandel (47%).

Österreich sticht in der Statistik heraus: Hierzulande machen sich 43 Prozent der Bevölkerung Sorgen über die Verbreitung von Gentechnik. In keinem anderen EU-Land sind mehr Bürger über die Manipulation der Erbmasse etwa in der Landwirtschaft so beunruhigt. Besorgniserregender als die Gentechnik stufen die Österreicher nur noch den Klimawandel und Umweltkatastrophen - von Erdbeben bis zu Industrieunfällen - ein (beides 48%).

Wie weit Sorgen mit dem jeweiligen Informationsstand zusammenhängen, geht aus der Umfrage nicht klar hervor. So fühlen sich 44 Prozent der Österreicher über die gefürchtete Gentechnik auch zu wenig informiert. In Finnland dagegen gaben zwei Drittel der Befragten an, über Gentechnik zu wenig zu wissen. Sorgen machen sich die Finnen dennoch nicht: Nur 14 Prozent verspüren ein Unbehagen, wenn es um die Verbreitung von Gentechnik geht.

Ein sehr unterschiedliches Bild ergibt sich auch bei der Frage, welchen Institutionen die europäischen Bürger bei Umweltthemen vertrauen. Insgesamt vertraut die Mehrheit der Befragten (42%) Umweltorganisationen (Österreich 51%), 27 Prozent dem Fernsehen (Österreich 18%) und nur elf Prozent den nationalen Regierungen (Österreich 17 %). Größer ist in Österreich das Vertrauen in die Landesregierungen (24%).

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