(Un-)Wörter des Jahres
Rettungsgassen und Unschuldsvermuter
Wort, Unwort und Sprüche des Jahres sind gewählt. Die "Unsprüche" lieferten Zeugen im U-Ausschuss und Frank Stronach.
Rudolf Muhr, Leiter der Forschungsstelle Österreichisches Deutsch der Universität Graz, hat wieder die (Un-)Wörter des zu Ende gehenden Jahres präsentiert. Die Wortschöpfungen wurden bei einer Internet-Wahl ermittelt. Sie werfen zum Teil einen augenzwinkernden Rückblick auf die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse des Jahres.
(c) APA (BARBARA GINDL)
Begründung für den Sieger: "Die Rettungsgasse wurde mit 1. Jänner 2012 neu eingeführt und verpflichtet Autofahrer bei Unfällen an den linken und rechten Rand der Straße auszuweichen, um den Rettungskräften und der Polizei Platz zu machen. Da dies nicht immer funktioniert und die Anwendung der Bestimmungen als verwirrend empfunden wurde, ist das Wort seither in aller Munde und Gegenstand von Diskussionen.
(c) APA HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
Begründung: "Dieses genuin österreichische Wort bezeichnet einen Beamten der Wiener Schulverwaltung, dem die Aufgabe übertragen wurde, Maßnahmen gegen das in der Bundeshauptstadt häufige Schwänzen der Schüler zu entwickeln. Die Komik des Wortes ergibt sich unter anderem aus dem stilistischen Kontrast, dem formalen "Beauftragten" im Gegensatz zum subversiven "Schwänzen".
(c) Clemens Fabry
Das Wort sei ein semantisch paradoxes und drücke aus, "dass man in Hinblick auf das Ergebnis eines künftigen Ereignisses bereits im Voraus frustriert ist, weil man annimmt, dass es negativ ausgeht. Solches geschah aus Sicht der Wiener Jungsozialisten in Hinblick auf den jüngsten sozialdemokratischen Parteitag (Bild), der sie "präfrustrierte", weil sie sich davon letztlich nichts erwarteten", so Muhr.
(c) Daniel Novotny
Begründung: Das Wort spielt auf Medienberichte an, die aufgrund zahlreicher Korruptionsfälle stets andeuten, dass sich das jeweilige Medium von den Anschuldigungen distanziere. Die Phrase wurde so verkürzt, dass in kürzestmöglicher Weise der negativen Sachverhalt der juristischen Schuld angedeutet werden solle. Damit bewirke es einerseits eine Vorverurteilung, verschleiere diesen Umstand jedoch zugleich.
(c) APA HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)
Mit dem Negativ-Wort werde eine Pauschalverurteilung aller Griechen ausgedrückt. Es beziehe sich jedoch nicht auf die Verursacher der Krise, nämlich die Banken, sondern auf die gesamte griechische Bevölkerung -, der unterstellt werde, dass sie arbeitsscheu und bankrott wäre, was in doppelter Weise falsch und herabwürdigend sei.
(c) EPA (ORESTIS PANAGIOTOU)
Dies sei "in der Sache positiv, da damit das Verbot der passiven und allmählichen Bestechung von Amtsträgern bezeichnet wird". Sprachlich handle es sich um einen Euphemismus, weil die Bestechung als "Anfütterung" verschleiert und dadurch verharmlost werde. Normalerweise würden Tiere "angefüttert", so dass nicht klar werde, was mit diesem Ausdruck tatsächlich gemeint sei.
(c) APA GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
Eigentlich mehr ein Ausdruck als ein Wort, und gleichzeitig der Titel eines populären Songs der Gruppe Deichkind (Bild). Die Formulierung stehe in einer Reihe ähnlicher jugendsprachlicher Ausdrücke wie cool, geil usw. ein, wobei der Ausdruck eine zusätzliche Qualität durch den ausgedrückten Gegensatz negativ-positiv bekomme. Damit folge er dem Muster von Ausdrücken wie "schön schiach" oder auch "schön anstrengend".
(c) APA HERBERT P OCZERET (HERBERT P OCZERET)
Dieser Ausdruck bezeichnet auf Elip Flops. Er spielt auf die schmalen Riemen an, die den Fuß halten und eine große Ähnlichkeit mit den dünnen Streifen der knappen Tanga-Badeanzüge haben. Diese trägt man bekanntlich an völlig anderer Stelle als Schuhe, was dem Ausdruck eine paradoxe bzw. überraschende Bedeutung verleihe, so die Jury.
(c) AP (Andre Penner)
Das Wort soll "super", "toll", "spitze" bedeuten und bestehe aus dem positiv wertenden "keksi", das eine Verkleinerungsform des Wortes "Keks" darstellt und der vor allem im Großraum Wien üblichen Steigerungsform "ur" (ursuper, urarg). Wenn etwas "urkeksi" sei, dann sei es wahrscheinlich gleichzeitig "leider geil".
(c) Clemens Fabry
Mit diesen Worten beendete die Grün-Abgeordnete Gabriele Moser ihre Tätigkeit als Vorsitzende im Korruptions-Untersuchungsausschuss. Begründung der Juroren: "Sie hat damit auf elegante Weise ausgedrückt, dass sie 'zurückgetreten wurde' und tat dies sowohl in sprachlicher, als auch in sachlicher Hinsicht auf bestmögliche Weise."
(c) APA ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)
Dieser Ausspruch stammt vom Extremsportler Felix Baumgartner, den er unmittelbar vor seinem Absprung aus einem Ballon in der Stratosphäre in 39 Kilometer Höhe getätigt hat. Der Ausspruch wurde seither zum geflügelten Wort.
(c) AP (Jay Nemeth)
Der Spruch war in den Sitzungen des Korruptions-Untersuchungsausschusses des österreichischen Parlaments unzählige Male von ehemaligen oder aktiven Politikern, Lobbyisten und Konzernvorständen zu hören
(c) APA HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
... sagte Frank Stronach. Es sei ein "klassischer Unspruch, da er in der Sache nicht den Tatsachen entspricht und die Intentionen seines Urhebers verhüllt", sagt die Jury.
(c) APA APA (APA)