Jahresendrally voll im Gang - DAX auf 19-Monats-Hoch

Marktbericht. In der Hoffnung auf die Beilegung des US-Haushaltsstreits sind Anleger am Donnerstag in großem Stil in europäische Aktien eingestiegen.

Frankfurt. Dax und EuroStoxx50 kletterten jeweils auf den höchsten Stand seit etwa eineinhalb Jahren. Am Mittag notierten sie noch ein Prozent fester bei 7531 Punkten beziehungsweise 0,3 Prozent höher bei 2600 Zählern.

US-Präsident Barack Obama hatte eine Einigung im US-Haushaltsstreit binnen einer Woche als möglich bezeichnet. Ohne Kompromiss drohen zum Jahreswechsel automatische Ausgabenkürzungen in den USA. Gemeinsam mit auslaufenden Steuererleichterungen könnten sie die weltgrößte Volkswirtschaft über die sogenannte "Fiskalklippe" in eine Rezession stürzen.

"Es ist ein Riesenoptimismus im Markt", sagte Sebastian Sachs, Analyst bei der Metzler Bank. "Offenbar wollen einige Anleger doch noch zum Jahresende einsteigen. Die 7600er Marke ist sehr wichtig. Sollte der Dax diese Hürde nehmen, könnte das noch mehr Anleger anziehen."

Auch am Derivatemarkt war die wachsende Zuversicht spürbar. Der Volatilitätsindex VDax, der Nervosität der Anleger misst, fiel um bis zu 4,8 Prozent auf 14,73 Punkte. Dies ist der tiefste Stand seit Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007. Der pan-europäische VStoxx gab 4,7 Prozent auf 16,58 Zähler nach.

"Einen richtigen Auslöser für die Rally heute gibt es eigentlich nicht", sagte ein Händler. "Aber es setzt sich immer stärker die Erkenntnis durch, dass es zur Aktie als Geldanlage keine Alternative gibt, was die Rendite angeht." Außerdem hübschten institutionelle Investoren zum Jahresende traditionell ihre Bilanzen auf, indem sie gut gelaufene Anlagen verstärkt zukauften.

Ohne nachhaltigen Einfluss auf die Kurse blieb die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), den Leitzins wie erwartet bei 0,75 Prozent zu belassen.

Gegen den europäischen Trend gab der italienische Leitindex ein Prozent nach. Börsianer verwiesen auf Spekulationen auf einen Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti. Dieser gewann zwar eine Vertrauensabstimmung im Senat, allerdings hatten zuvor die Vertreter der Partei PDL - bislang eine der Stützen von Montis Technokraten-Regierung - des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi den Saal verlassen. Berlusconi hatte zuletzt durchblicken lassen, er wolle bei den Wahlen im kommenden März wieder antreten. Er hatte sein Amt Ende 2011 wegen der Schuldenkrise an Monti abtreten müssen.

STAATLICHE KONTROLLE BEI EADS GEHT ZURÜCK - AKTIE HEBT AB

Im Rampenlicht standen am Donnerstag EADS mit einem Aufschlag von 7,6 Prozent auf 29,32 Euro. Die Papiere des Luft- und Raumfahrtkonzerns profitierten von der Einigung auf eine neue Aktionärsstruktur. "Der spezifische Bewertungsabschlag, den die EADS-Aktie wegen der Kontrolle der Regierungen hatte, dürfte nun wegfallen", schrieben die Analysten von Bank of America/Merrill Lynch (BofAML).

Daimler gewannen 1,3 Prozent auf 38,69 Euro. Der Konzern verkaufte am Morgen wie geplant rund 61 Millionen EADS-Aktien zum Preis von je 27,23 Euro an die staatliche Förderbank KfW, das private Investoren-Konsortium Dedalus und institutionelle Anleger. Außerdem plant EADS einen umfassenden Aktienrückkauf.

ThyssenKrupp gehörten mit einem Plus von 2,7 Prozent ebenfalls zu den Favoriten im Dax. Der krisengeschüttelte Konzern hatte mit der Entlassung des halben Vorstands Konsequenzen aus Missmanagement und Unregelmäßigkeiten im Konzern gezogen. Nach Ansicht der DZ-Bank-Analysten dürfte der Personalschnitt einen Wechsel in der Unternehmenskultur signalisieren. Gleichzeitig zeige der Schritt, wie dramatisch die Lage für ThyssenKrupp sei.

Unter Druck standen dagegen E.ON und RWE, deren Aktien sich um jeweils rund ein Prozent verbilligten. Sie litten unter dem knapp 16-prozentigen Rekord-Kurssturz von GdF Suez. Der französische Versorger hatte mit seinem Ausblick Anleger enttäuscht. Die Aktie fiel zeitweise auf ein Rekordtief von 14,55 Euro.

(APA)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.