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Polen: TNT-Spuren an Smolensk-Wrack entdeckt

Polen TNTSpuren SmolenskWrack entdeckt
Smolensk-Flugzeugwrack(c) AP (Mikhail Metzel)

Am Flugzeugwrack sollen Spuren der für Sprengstoffe verwendeten Substanz gefunden worden sein. Die These über einen geplanten Anschlag kommt wieder auf. Die Staatsanwaltschaft versucht zu beschwichtigen.

Die Untersuchung des Wracks der im April 2010 bei Smolensk abgestürzten polnischen Regierungsmaschine sorgt in Polen für immer größere Verwirrung. Der Leiter der Militär-Staatsanwaltschaft, Jerzy Artymiak, räumte am Mittwoch im Parlament ein, dass einige Detektoren bei der Untersuchung Spuren der für Sprengstoffe verwendeten Substanz TNT (Trotyl) angezeigt hätten. „Das heißt aber ganz sicher nicht, dass wir es hier mit Sprengstoff zu tun haben", fügte Artymiak hinzu.

Die Anhörung im Justizausschuss hatte die rechtskonservative Oppositionspartei „Recht und Gerechtigkeit" (PiS) beantragt. Sie verlangte eine Stellungnahme der Staatsanwaltschaft zu der Analyse des Flugzeugwracks. Dieses befindet sich trotz Protesten aus Warschau noch immer in Russland - polnische Experten konnten es jedoch untersuchen.

PiS wirft Staatsanwaltschaft Lüge vor

Es ist nicht das erste Mal, dass der Verdacht auf ein geplantes Attentat aufkommt. Bereits im Oktober hatte ein Bericht der Zeitung „Rzeczpospolita" mit dem Titel „Trotyl am Wrack der Tupolew" für Aufsehen gesorgt. Er stützte nämlich die Attentats-These.

Mit den neuen Erkenntnissen verschärfen sich in Polen nun einmal mehr die Fronten. PiS-Abgeordnete warfen der Staatsanwaltschaft am Donnerstag vor, im Oktober gelogen zu haben. „Die Sachverständigen haben am Wrack in Smolensk weder Trotyl noch einen anderen Sprengstoff festgestellt", hatte der Staatsanwalt Ireneusz Szelag damals erklärt. Es seien lediglich „hochenergetische Teilchen" festgestellt worden, hieß es.

TNT-Verdacht auch bei Schuhcreme

Szelag sagte nun, die Anzeige des Detektors bedeute nicht, dass sich am untersuchten Gegenstand tatsächlich TNT befinde. Sein Vorgesetzter Artymiak erklärte, bei Experimenten hätten die Geräte auch dann TNT angezeigt, wenn sie an eine Dose mit Schuhcreme oder eine Scheibe Schinken gehalten worden seien. Dem widersprach bei der Anhörung der Hersteller des Detektors, Jan Boszczanin. „Wenn das Gerät anzeigt, dass dort TNT vorliegt, dann geht die Wahrscheinlichkeit gegen null, dass es dort kein TNT gibt", sagte er.

Kritik an der Staatsanwaltschaft kam auch aus der Oppositionspartei „Bündnis der demokratischen Linken" (SLD), die der Attentats-These eindeutig widerspricht. „Ich habe schon oft gesagt, dass es da TNT gegeben haben kann", erklärte der SLD-Abgeordnete Ryszard Kalisz gegenüber dem Fernsehsender TVN24. Schließlich seien mit dem Flugzeug auch Soldaten zum Einsatz in Afghanistan geflogen worden, sagte er. Daraus lasse sich keinesfalls auf eine Explosion an Bord oder gar ein Attentat schließen. Seiner Ansicht nach hätte die Staatsanwaltschaft die TNT-Spuren schon wesentlich früher feststellen und erklären müssen, um Spekulationen zu vermeiden.

Bei dem Flugzeugabsturz kamen alle 96 Passagiere ums Leben. Unter ihnen war der damalige polnische Staatspräsident Lech Kaczynski, der aus der PiS stammte.

(APA)