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Staatsanleihen: Unannehmbares Angebot Argentiniens

Besitzer von argentinischen Staatsanleihen sollten auf ein besseres Offert warten, meint die RZB.

Wien. Seit über drei Jahren warten Besitzer argentinischer Staatsanleihen nun schon auf eine Fortsetzung der Schuldentilgung des im Jahr 2001 in den Staatsbankrott geschlitterten Landes. Das noch bis Ende Februar laufende Angebot, alte Anleihen in neue umzuwandeln, hätte für die Gläubiger einen Verlust von 70 bis 75 des Kapitalwerts zur Folge. Das wäre die geringste Konkursquote, die jemals ein Staat bei einer Umschuldung bezahlt hätte.

Gläubigerschutzgruppen wie die deutsche Abra (Argentine Bond Restructuring Agency) raten daher von einem Umtausch ab. Nach Meinung von RZB-Analyst Gintaras Shlizhyus hat Argentinien ein "unmoralisches Angebot" vorgelegt, dass die Intelligenz der Anleger beleidige. Auch die RZB rät davon ab, das derzeitige Angebot anzunehmen, stattdessen sollten Gläubiger noch einige Monate Geduld beweisen und auf ein besseres Offert warten.

Aus seiner Sicht läge ein faires Umtauschangebot um einen bis 1,5 Prozentpunkte über dem aktuellen Niveau von 29 bis 31 Cent für jeden ursprünglich investierten Dollar. Das entspräche dann auch in etwa dem Marktpreis: Zuletzt wurden argentinische Anleihen zu 30 bis 33 Prozent ihres Nennwerts gehandelt.

Shlizhyus rechnet damit, dass etwa 40 bis 50 Prozent der Anleihegläubiger das aktuelle Offert ablehnen (Holdout). Nur in Argentinien dürfte das Angebot eine breitere Zustimmung finden. Zudem gibt es im derzeitigen Vorschlag eine Klausel, die es Argentinien erlaubt, Holdout-Gläubigern nach dem Abschluss des ursprünglichen Deals ein besseres Angebot unterbreiten zu können.

Zuvor dürfte es nochmals eine von deftigen Aussagen der Argentinier begleitete Poker-Runde geben, glaubt Shlizhyus: Zunächst dürfte Argentinien, die offiziell am 25. Februar ablaufende Umtauschfrist, verlängern. Nach Ablauf dieser Nachfrist werde Argentinien mehrmals betonen, dass es für Niemanden auch nur einen Cent zusätzlich geben werde, schlussendlich dürfte man den internationalen Gläubigergruppen aber dann doch entgegenkommen.

Argentinische Staatsanleihen, liebevoll "Tango-Bonds" genannt, waren in den neunziger Jahren aufgrund ihrer hohen Verzinsung von zwölf Prozent per anno bei Privatanlegern in Europa relativ populär.

Die Außenstände Argentiniens gegenüber privaten Gläubigern belaufen sich derzeit auf rund 100 Mrd. Dollar (130 Mrd. Euro) - Tango-Bonds im Wert von einer Mrd. Dollar werden von Anlegern aus Österreich gehalten. Nach dem Staatsbankrott im Jahr 2001 hat Argentinien sowohl seine Schulden bei Privatinvestoren als auch jene beim Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht mehr bedient.