Abarth 500: Ein echter Karl, wie man in Wien sagt

Abarth 500
Abarth 500 (c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Freuden des gehobenen Gasslheizens im Abarth 500 mit Komponenten aus der Feinkost. Das ganze Paket bleibt Abarth-authentisch unter 25.000 Euro.

Das Grätzel um die Wilhelm-Exner-Gasse in Wien-Alsergrund war einst das Revier eines gewissen Karl Abarth (Wohnhaus mutmaßlich die Nummer 119), und es mag die abschüssige Fuchsthalergasse gewesen sein, auf der der junge Karl die Grundlagen des Frisierhandwerks vulgo Fahrzeugtuning erlernte, zunächst auf dem Tretroller. Als junger Herr überlebte er beherzte Motorradrennerei, mit heute unvorstellbaren Langstreckenabenteuern, etwa Wien–Ostende rennmäßig auf der Beiwagenmaschine, bevor er kurz vorm Krieg nach Italien auswanderte. Dort schuf er ein kleines Imperium mit frisierten Fiats als Geschäftsgrundlage. (Kraft des Heimwehs: Für seine letzten Jahre kehrte er nach Wien zurück, „Carlo“ Abarths Italienisch blieb zeitlebens eine Alsergrund-Fassung.)

Drei Vierterln Hubraum

Den italienischen Straßen-Motorsport der 1960er-Jahre, zu der Zeit ein richtiger Volkssport, hatten die Scheren des Skorpions, Abarths Sternzeichen und Firmen-Emblem, jedenfalls fest im Griff.

Hubräume deutlich unterhalb des vollen Liters bestimmten das Geschehen, und man glaubt gar nicht, wie viel Temperament (und Krawall) drei Vierterln Brennraum entfachen können, wenn der Gaswechsel stimmt (vom Ansaugen bis zum Auspuff), die Laufbuchsen gehont sind und die Nockenwellen geschärft. Wenn man in Italien einen Ur-Fiat 500 mit leicht geöffneter Heckklappe sieht (für die bessere Motorkühlung), dann handelt es sich ziemlich sicher um einen Abarth.

Als quasi Masseverwalter verblichener Glorie ließ der Fiat-Konzern das Label lange ruhen, bevor mit dem Wurf des „nuovo“ 500 der richtige Schwung einkehrte, um Abarth als Performance-Marke wieder aufleben zu lassen. Das Unterfangen geriet nicht zum bloßen Marketing-Gag, so viel war man dem Andenken des alten Herrn auch schuldig, sondern brachte eine Palette ernsthafter, leistbarer und äußerst unterhaltsamer Vertreter des Sub-GTI-Genres hervor.

Jüngste Variation ist der Abarth 500 mit Komponenten aus der Feinkost: Stoßdämpferset von Koni, Bremsanlage von Brembo, beides legendäre Namen mit Weihen bis hinauf in die Formel1. Motorische Basis ist der „esseesse“-Kit 595, der aus dem 1,4-Liter-Motor 160PS kitzelt. Hubraum und Leistung: beides geradezu monströs verglichen mit den alten Tagen. Aber da kannte man ja auch noch keine Turbos für Pkw-Motoren. Ein solcher macht dem heutigen Abarth Beine, dazu kommt per Kit ein Luftfilter vom Spezialisten (BMC), ein geändertes Mapping des Steuergeräts und eine Auspuffanlage mit ordentlich Durchsatz, nämlich vierflutig. Viel mehr an Spezereien kann man in einem Serienauto kaum unterbringen, zumal auf 3,6 Meter Länge. Dazu gibt es jede Menge Skorpione, Leder auf Sitz und Volant, vor allem aber todschicke 17-Zoll-Räder in Mattschwarz und das richtige Maß an Spoiler und Flügelwerk.

Das ganze Paket bleibt Abarth-authentisch unter 25.000 Euro, etwa der Tarif eines Polo GTI, der aus 1,4 Litern 179PS holt. Atmosphärisch könnte der Unterschied freilich größer nicht sein. Die Abarth-Maschine klingt roh und wild und greift ab 3000 Touren zornig durch; erstaunlich, wie gut die Vorderachse damit zurechtkommt. Das liegt vor allem am nahezu quadratischen Verhältnis von Spurweite und Radstand, das Reißen am Lenkrad unterbindet und eine gute Traktion herstellt. Zusätzlich hilft eine elektronisch simulierte Differenzialsperre (TTC) an der Vorderachse recht wirkungsvoll durch schnelle Kurven.

Damit ist der Abarth nicht nur ein dreister Gasslheizer, der BMWs schneller überholt hat, als die zurückschalten können, sondern auch ein ernsthaft schnelles Auto für den Spaß auf der Landstraße. Der Koni-Kit bringt Ruhe ins Fahrwerk, die Brembos liefern Präzision beim Bremsen, und so lässt sich mit ruhiger Hand am großen Lenkrad eine flotte, saubere Linie fahren. Der ideal postierte Knüppel des Fünfganggetriebes geht gut zur Hand; bald hat man sich daran gewöhnt, dass man etwas hoch sitzt. So fährt man den Abarth lustvoll wie auf einer ewigen Sonderprüfung, sich getarnt wissend durch die Knubbeligkeit der kleinen Kugel, die einem die Straßensympathien weitgehend erhält.

Auf einen Blick

Abarth 500 Kit 695 Koni Brembo

Maße: L/B/H 3360/1630/1490mm. Radstand 2300mm. Leergewicht 1135kg. Kofferraum 185–610l.

Motor: R4-Zylinder-Turbo-Otto, 1368cm. Leistung 118kW (160PS), Drehmoment max. 230Nm. 0-100 km/h in 7,4 sec., Vmax 210km/h. Testverbrauch 8,5l/100km.

Preis: 24.730 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2012)

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