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Salzburger Festspiele: Welser-Möst sagt Mozart-Premiere ab

Salzburger Festspiele WelserMoest sagt
(c) Clemens Fabry
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"Così fan tutte" gilt als die einzige Mozart-Neuinszenierung des kommenden Festivals. Sven-Eric Bechtolf soll inszenieren. Der Dirigent sagt: Oper um 11 Uhr komme für ihn nicht in Frage.

Alexander Pereira und Franz Welser-Möst, das war einst ein allseits bestauntes Gespann: der Intendant, der in seinem Zürcher Opernhaus Jahr für Jahr Dutzende Premieren ansetzte und damit Technik wie Ensemble auf eine schier unlösbare Aufgabe einschwor – und der Generalmusikdirektor, der bei diesem Spiel als exzellenter musikalischer Qualitätsfaktor wie der Fels in der Brandung reibungslose Abläufe garantierte; und sich dabei selbst ein enormes Repertoire erarbeitete.

Als der österreichische Dirigent Franz Welser-Möst nach Zürich engagiert wurde, kommentierten viele Kulturjournalisten das hämisch: Da hätte der frischgebackene Intendant Pereira einen Bock geschossen, hieß es, schließlich sei der Maestro doch in London soeben gescheitert.

Nun war Pereira mit den Hinter- und Abgründen des internationalen Musik-Karussells seit seiner Zeit als Generalsekretär der Wiener Konzerthausgesellschaft bestens vertraut. Dass britische Musikkritiker gegen einen Dirigenten Stimmung machten, musste nicht unbedingt bedeuten, dass dieser Dirigent schlecht war. Was Welser-Möst konnte, wusste man seit seinen Auftritten mit Ensembles wie dem Jeunesse-Orchester oder dem Gustav-Mahler-Jugendorchester.

Nun sollte er an einem Opernhaus zeigen, was er konnte. Die Rechnung ging auf: Eine Zeit lang sah es so aus, als ob das Gespann Pereira/Welser-Möst unzertrennlich bleiben würde. Dem war nicht so. Gegen Ende der gemeinsamen Ära, nach unzähligen Premieren und Wiederaufnahmen, hing der Haussegen schief. Intendant und Generalmusikdirektor verkehrten zuletzt nur noch über Umwege miteinander.

 

Des Dirigenten langsame Annäherung

Es war auch eine schwere Geburt, so wird berichtet, für die Salzburger Festspiele wieder eine gemeinsame Linie zu finden. Hatte es doch zunächst so ausgesehen, dass die Bestellung Pereiras zum Festspiel-Chef eine längere Periode ohne Welser-Mösts Mitwirkung einläuten würde. Doch nichtsdestotrotz kam es im Vorjahr wider Erwarten zu einer Einigung zwischen dem mittlerweile zum Musikchef der Wiener Staatsoper bestellten Dirigenten und seinem ehemaligen Intendanten. Ein Mozart-Zyklus wurde geplant, alle drei Da-Ponte-Opern, „Figaros Hochzeit“, „Don Giovanni“ und „Così fan tutte“, mit Welser-Mösts Lieblingsregisseur Sven-Eric Bechtolf sollten neu inszeniert werden – eine kleine Anleihe an Zürcher Projekte jüngerer Vergangenheit.

Doch blieb es kein Geheimnis, dass Welser-Möst die Salzburger Aktivitäten Pereiras mit einiger Skepsis betrachtete. Nun ließ der Maestro die Bombe platzen: Der Da–Ponte-Zyklus müsse ohne ihn stattfinden, ließ er die Salzburger Führung am Wochenende wissen. Er hätte aus dem eben erschienenen Festspiel-Prospekt erfahren, dass die Vorstellungen von „Così fan tutte“, die den Zyklus im August 2013 eröffnen sollten, nicht nur zu eng beieinanderlägen, sondern eine davon auch noch zu einer für Sänger kaum akzeptablen frühen Stunde, nämlich um 11Uhr vormittags, eine zweite um 13 Uhr beginnen sollte. In einem knappen Statement formulierte Welser-Möst sein Unbehagen: „Ich habe vor zwei Tagen die Führung der Festspiele gebeten, der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass ich den Da-Ponte-Zyklus niederlege, (...) und zwar, weil ich aus dem gedruckten Programm erfahren habe, dass es Aufführungskonditionen gibt, die meiner Meinung nach so nicht machbar sind.“

 

Dirigent für Mozart-Novität gesucht

Die Festspiele müssen sich nun also für eine der beiden Mozart-Premieren des kommenden Sommers um einen neuen Kapellmeister bemühen – und waren bis Sonntagnachmittag nicht zu einer Stellungnahme zu bewegen. Alexander Pereira sei außer Landes, hieß es. Abgesehen von einem Multimedia-Projekt mit der „Entführung aus dem Serail“ wird neben „Così fan tutte“ im Wagner- und Verdi-Jahr 2013 in Salzburg nur noch das Frühwerk „Lucio Silla“ szenisch gezeigt, inszeniert von Marshall Pynkoski, dirigiert von Marc Minkowski, mit Rolando Villazón in der Titelpartie.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2012)