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Wie man eine Komödie versenkt

eine Komoedie versenkt
(c) Clemens Fabry
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Maria Happel inszenierte im Landestheater die Kriminalkomödie "Acht Frauen". Das tapfere Ensemble kämpft vergebens gegen ein zu strenges Konzept.

Wenn die Zeit der Gretchen und Julias im Theater vorbei ist, stellt sich für viele Frauen die Frage: Was jetzt? Heute ist es leichter, Rollen im mittleren Fach zu bekommen – dank der vielen zeitgenössischen Stücke. Besonders beliebt sind Komödien – wie z.B. „Acht Frauen“ vom Franzosen Robert Thomas, freilich schon ein Altertum aus dem Jahr 1961, grandios verfilmt 2002 von François Ozon mit Fanny Ardant, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert. Das Stück stand jahrelang auf den Spielplänen der Theater, in den Wiener Kammerspielen war es 2004 zu sehen.

Trotz guter Besetzung (Elfi Eschke, Caroline Vasicek, Marianne Nentwich) war zu bemerken, dass der Witz dieses Werkes leicht angegraut ist. Fast noch bessere Schauspielerinnen versammelte das NÖ-Landestheater in St. Pölten, an der Spitze TV-Kommissarin Ulrike Folkerts. Maria Happel, in Reichenau an schwerem und leichtem Stoff wohl erprobt, inszenierte. Die Aufführung, die Freitag Premiere gefeiert hat, schrammt dennoch knapp am Flop vorbei.

 

Hölzerne Gesellschaftsspiele

Burgschauspielerin Happel, auch Kennerin des Regietheaters, steckt das brave Lustspiel in ein strenges Korsett, das schrecklich manieriert wirkt. Die Schauspielerinnen müssen eine Art Gesellschaftsspiel zwischen Mühle, Karten und Tempelhüpfen absolvieren. Sie staken auf der schrägen Spielfläche herum, bedrohen, umkreisen einander, stürzen, als wären sie in einem Computerspiel aus der Steinzeit gefangen.

Wollte Happel den schlichten Realismus des Stückes aufbrechen, das ein paar gute Pointen hat, aber eben nicht mithalten kann mit heutigen Komödien, die von Teams statt von einem einzigen Autor gebaut werden, nicht nur in Hollywood? Die Aufführung ist unterfüttert, in Wahrheit aber aufgebläht mit Songs, Kurzchansons, zu teils plump satirischen Texten über „gesellschaftliche Kreise, die passé sind“ und Ähnliches.

Im Programmheft zeigt sich Autor Thomas (1927–1989) als Frohnatur: Der gelernte Schauspieler aus Frankreichs Süden liebte es, wenn das Publikum sich freute und verachtete Kollegen, die auf den Boulevard herabsahen. Im Programm werden aber auch der Philosoph Henri Bergson und Baudelaire zitiert: „Das Lachen ist satanisch.“ Irgendwo zwischen Boulevard und Satanismus ist auch diese Aufführung hängen geblieben. Hätte man die Schauspielerinnen machen lassen, hätte ein Riesenspaß herauskommen können aus dieser kriminalistischen Nummernrevue, die an Agatha Christies „Mord im Orientexpress“ erinnert. Denn jede dieser Damen könnte die Mörderin des Hausherrn gewesen sein – auf einem abgeschiedenen Landsitz im Schneetreiben.

Jede hat wenigstens einen schönen Auftritt. Bezaubernd ist Lisa Weidenmüller als rebellische Göre, jüngere Tochter der Society-Lady (Birgit Doll), die von ihrer älteren Tochter (Swintha Gersthofer) in die Enge getrieben wird. Cornelia Köndgen gefällt als Haus-Faktotum, Jessica Schwarz als Dienstmädchen. Die wunderbare Babett Arens wirkt als alte Jungfer Augustine wie eine Knallcharge, Christine Jirku als Großmutter starr. Immerhin, Folkerts punktet als ehemalige Nachtclub-Tänzerin Pierrette mit frivoler Eleganz. Die Damen müssen ständig mit dem Po wackeln, ein männlicher Regisseur hätte sich das nicht erlaubt.

„Acht Frauen“ fällt in die Kategorie nostalgisches Lustspiel. Dass die Ladys um den einzigen Mann herumtanzen wie ums Goldene Kalb, was auch mit ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit von dem abwesenden, aber offenkundig schwer genervten Fabrikanten zu tun hat, macht die Sache nicht frischer. Trotzdem kann man solchen Verhältnissen großen Witz abgewinnen - wie z.B. die Deneuve in „Das Schmuckstück“, wie „Acht Frauen“ verfilmt von Ozon, hinreißend vorführte: Als der Gatte ausfällt, rettet die Frau die Firma. Das Publikum im Landestheater tröstete die strapazierten Künstlerinnen mit sehr freundlichem Applaus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2012)