Spaniens Fußballklubs scheinen sich mithilfe von EU-Geldern über Wasser zu halten. Österreichs Vereine sind leider noch nicht so weit.
Real Madrid hat am Samstag bei Real Valladolid 3:2 gewonnen. Der Deutsche Mesut Özil hat zwei der drei Tore des Meisters erzielt, das dritte steuerte Karim Benzema bei. Die Tore sind eine Beihilfe des deutschen Steuerzahlers für den spanischen Meister. Denn in Deutschland und im EU-Parlament macht sich der Verdacht breit, dass EU-Hilfen für Schulden und Transferkosten der spanischen Fußballvereine in Anspruch genommen werden.
Jörg Leichtfried führt die SPÖ-Delegation im EU-Parlament, er hat die EU-Kommission um Auskunft gebeten, ob sie von den Schulden der spanischen Profi-Fußballklubs bei Banken und beim Staat wisse und ob EU-Hilfen für deren Bankverbindlichkeiten in Anspruch genommen werden. Sind Österreichs Steuerzahler über den Umweg des europäischen Schutzschirms Arbeitgeber von Lionel Messi (FC Barcelona) und Cristiano Ronaldo (Real Madrid)? Ein erhebendes Gefühl, wenn man es weiß, ein blödes Gefühl, wenn man hinterrücks vom Internationalen Währungsfonds und der EU zu Hilfszahlungen für Multimillionäre und Schuldenchampions verdonnert wird.
Der EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia schrieb am 27. November in seiner Antwort an Leichtfrieds Anfrage, die Kommission habe „Kenntnis von Presseberichten über Steuer- und Sozialversicherungsrückstände“. Er selbst weiß also gar nix. Weiters gelte das „EU-Wettbewerbsrecht insoweit für den Sportsektor, als eine wirtschaftliche Tätigkeit vorliegt“, teilt Almunia mit. Aha, also abseits von der EU wird nicht verhandelt. Immerhin, so Almunia, sollten Beihilfen für Klubs „bei der Kommission angemeldet werden, damit sie nicht als rechtswidrig eingestuft werden“.
Unterliegen Förderungen der Stadt Wien für Rapid (zum Stadionaus- und -umbau) der EU-Kontrolle? Müsste Wien oder die Republik Österreich laut EU-Wettbewerbsrecht jedem Ligakollegen die Hütte richten, falls St. Hanappi saniert wird?
Da die EU keine Verzeichnisse über verschuldete Klubs führt, verweist Almunia auf die Uefa. Es gibt freilich noch andere grobe Unklarheiten. Der „Bund der Steuerzahler von Bayern“ hat in einer Aussendung darauf hingewiesen, dass die deutschen Kicker Mesut Özil und Sami Khedira zwar von Real Madrid um insgesamt 29 Millionen Euro erworben, aber nicht bezahlt wurden. Vielmehr, so behaupten die bayerischen Steuerzahlerschützer, wurden die Kosten dem deutschen Steuerzahler umgehängt.
Der Deal lief so: Spaniens Nationalbank bat die Deutsche Bundesbank, den Klubs von Ösil (Werder Bremen) und Khedira (VfB Stuttgart) 15 und 14 Millionen Euro zu überweisen. Als Ausgleich erhielt die Bundesbank „Papierforderungen an die Europäische Zentralbank EZB“ schreiben die Bayern. Das heißt, die Schulden der Spanier bei der EZB erhöhten sich um 29 Millionen Euro. Schulden und Forderungen des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs im Euroraum werden über die „Target-2-Liste“ abgerechnet. Die Deutsche Bank hat dort mittlerweile 724 Milliarden Euro gut. Die bayerischen Steuerwächter – und nicht nur sie – halten die Summe für uneinbringlich. Das heißt: Der Steuerzahler muss das Geld abschreiben. Spaniens Schulden auf Target 2 betragen mehr als 400 Milliarden Euro, Österreichs Außenstände stiegen in den vergangenen Jahren rasch, von 27 (2010) auf 34 Millionen Euro (2011). Ohne einen einzigen nennenswerten Kicker eingekauft zu haben.
Das darf nicht so weitergehen, am Beispiel von Rapids Bilanz in der Europa League sieht man, dass sparsames Haushalten nur zu Spott und Schwäche führt. Österreichs Target-2-Saldo hat noch Spielraum, also weg mit der Risikoscheu und her mit dem ESM-Rettungsschirm für den Fußball.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2012)