Die Emission war 22-fach überzeichnet, bei der Zuteilung wird stark gekürzt.
Wien (dom/apa). Mit einem Volumen von 1,13 Mrd. Euro (inklusive der Mehrzuteilungsoption) ist der Börsegang der RZB-Osttochter Raiffeisen International (RI) der bisher größte am heimischen Kapitalmarkt. Der IPO der Telekom Austria Ende 2000 hatte ein Volumen von 1,008 Mrd. Euro, der Börsengang der BA-CA im Sommer 2003 war 958 Mill. Euro "schwer".
Der Ausgabepreis der RI-Aktie wurde bereits am Donnerstag mit 32,50 Euro fixiert, die - mit Spannung erwartete - erste Börsenotierung der RI findet am Montag statt. Am "grauen Markt" lag die Notierung am Freitag bei rund 36,50 Euro. Am 28. April wird die RI-Aktie in den Leitindex der Wiener Börse, den ATX, aufgenommen.
Wie RI mitteilte, war die Emission 22-fach überzeichnet, ein bisher bei vergleichbaren Transaktionen nie erreichter Rekordwert. Angeboten wurden 29,8 Mill. Stück Aktien, die Nachfrage lag bei insgesamt knapp 680 Mill. Stück. Insgesamt wurden Aktien für 25 Mrd. Euro geordert. Für dieses Betrag könnte man beispielsweise die beiden deutschen Großbanken HypoVereinsbank sowie Commerzbank gemeinsam kaufen.
Allein österreichische Privatanleger orderten mit 84.000 Aufträgen mehr als 34 Mill. Aktien. Inklusive heimischer Institutioneller (Versicherungen Fonds, etc.) betrug allein die Nachfrage in Österreich mehr als vier Mrd. Euro. Aber auch im Ausland stieß die RI bei institutionellen Investoren in Europa und in den USA auf enormes Interesse.
Wegen der großen Nachfrage gibt es bei der Aktienzuteilung Kürzungen. Wie zugesagt, kommen Raiffeisen-Kunden bei Aufträgen bis 7500 Euro in den Genuss einer bevorzugten Zuteilung. Allen Aufträgen von Raiffeisen-Kunden werden 216 Stück (7020 Euro) zugeteilt, was rund 50 Prozent der durchschnittlichen Ordergröße entspricht. Aufträge bis zu 216 Stück werden zur Gänze zugeteilt. Insgesamt gehen 40 Prozent der Emission an private Anleger, ein in Österreich bisher nie erreichter Wert. Bei allen anderen Aufträgen kommt es teilweise zu sehr starken Kürzungen.
Für das enorme Interesse an der RI-Aktie waren mehrere Faktoren maßgeblich. Generell hatte es zuletzt auf den internationalen Kapitalmärkten relativ wenig Börsengänge gegeben, es war genug anlagesuchendes Kapital vorhanden. Vor allem dürfte aber die Tatsache, dass die RI Bankgeschäfte ausschließlich in der Wachstumsregion Osteuropa macht, den Ausschlag gegeben haben. Anleger aus den USA und Großbritannien interessieren sich jetzt verstärkt für Zentral- und Osteuropa, so hört man. Dass laut Emissionsprospekt 40 Prozent der von RI vergebenen Kredite eine magere bis schlechte Bonität hat, störte die Investoren offenbar nicht, da diesen Ausleihungen entsprechende Sicherheiten gegenüberstehen.
Für den enormen Erfolg der RI-Aktie beim privaten Anlegerpublikum ist vor allem die starke Marke Raiffeisen und die große Platzierungskraft des Raiffeisen-Geldsektors ausschlaggebend gewesen. Dabei, so wird betont, habe man die potenziellen Käufer der RI-Aktie sehr wohl auf das Risiko hingewiesen und das Papier nicht als Sparbuch-Ersatz verkauft.