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Sex auch für Jugendliche ein Tabuthema

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Sechs von zehn jungen Männern sprechen mit niemandem über Sexualität. Mädchen erleben den Übergang zum Frausein eher negativ. Wissen wird teilweise über Pornofilme bezogen.

Wien/Apa. Jugendlichen fällt es immer schwerer, offen über Sexualität zu sprechen. Diese Erkenntnis lässt sich aus den Ergebnissen einer neuen Umfrage unter 218 Personen zwischen 13 bis 20 Jahren ableiten. Sie zeigt, dass sich viele zum Thema Sex niemandem anvertrauen, besonders Burschen (15,5 Prozent), bei Mädchen sind es nur 8,7 Prozent.

Und: Diese Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, wie Studienautorin Martina Strilic erklärt.

Zuletzt wurden 2001 Österreichs Jugendliche über ihr Sexualverhalten befragt. Gleichzeitig hat Österreichs Jugend ein großes Mitteilungsbedürfnis, wenn es um das Thema Sex geht. Das zeigen jedenfalls die Zahlen der Besucher von Sexualberatungsstellen wie der First-Love-Ambulanz in der Wiener Rudolfsstiftung, die ihr 20-jähriges Bestehen feiert.

„Doch die Beratungssituation hat sich geändert. Es geht nicht mehr ausschließlich um Verhütung, wir müssen auch über Körperbewusstsein der Jugendlichen reden“, meinte die Gynäkologin Claudia Linemayr-Wagner am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Die Information über geschlechtliche Handlungen würden die Befragten häufig aus dem Fernsehen, dem Internet, Zeitschriften, aber auch aus Pornos beziehen. Besonders die Burschen holen sich ihr Wissen aus Sexfilmen, Internetplattformen würden einen leichten Zugang für Jugendliche ermöglichen. „Da herrscht eine große Kluft zwischen Burschen und Mädchen“, betonte Strilic.

Burschen sind auch der Meinung, dass man aus Pornos „viel lernen“ könne. Bei der Befragung fiel laut Experten auch auf, dass sich Burschen und Mädchen sehr stark durch ihren Zugang zur Sexualität unterscheiden.

Mädchen hätten meist ein negativeres Körperselbstbild und erlebten ihren Übergang vom Mädchen- zum Frausein negativer als Burschen den Übergang zum Mannsein. „Die jungen Frauen glauben auch, dass Männer mehr vom Sex haben“, berichtete Linemayr-Wagner aus ihrem Praxisalltag als Gynäkologin.

 

Erster Geschlechtsverkehr wann?

Die Umfrage zeige, dass eine geschlechtssensible Beratungskultur notwendig ist. „Hier haben Eltern und Schulen eine enorm wichtige Aufgabe“, sagte Linemayr-Wagner. Diese müssten durch eine intensive Sexualpädagogik noch mehr für das Thema sensibilisiert werden – und dabei auch über Tabuthemen wie Pornografie und Selbstbefriedigung sprechen, so die Gynäkologin.

Entgegen manchen Vorurteilen nehmen Österreichs Jugendliche nicht immer früher sexuelle Aktivitäten auf. In den vergangenen zehn Jahren hat sich laut der aktuellen Umfrage das Durchschnittsalter von 16 Jahren für den ersten Geschlechtsverkehr nicht verändert, resümierte Strilic. Jugendliche, deren Eltern getrennt sind, erleben ihren ersten Koitus früher.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2012)