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Hans Christian Andersens erstes Märchen entdeckt

Hans Christian Andersens erstes
Die Abschrift von ''Tællelyst''(c) AP (BUBANDT MARTIN)
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Per Zufall fand ein Historiker das Frühwerk "Die Talgkerze" in einem 190 Jahre alten Schreibheft. Experten halten es für das erste Märchen des Dichters.

Ein Lokalhistoriker hat einen sensationellen Fund in einem Regionalarchiv für die dänische Insel Fünen gemacht: Esben Brage entdeckte in einem 190 Jahre alten Schreibheft, das den Namen den Dichters auf der Titelseite führt, ein bisher unbekanntes Märchen des Dichters Hans Christian Andersen: Es trägt den Titel "Tællelyst", zu Deutsch "Die Talgkerze". Mehrere Experten halten die in einem Archivkasten in Andersens Geburtsstadt Odense gefundene Abschrift für ein Original, berichtet die Zeitung "Politiken".

"Die Talgkerze" erzählt einer Kerze als lebendigem Wesen. Sie findet erst nach diversen Enttäuschungen am Ende "ihren richtigen Platz im Leben", als ein Feuerzeug sie entzündet.  Wahrscheinlich sei es Andersens erstes Märchen überhaupt, teilte das Regionalarchiv mit.

Widmete es der Vikarswitwe Bunkeflod

Diese Einschätzung teilt auch der Andersen-Experten Ejnar Stig Askgaard, zitiert "Spiegel online" den  "Politiken"-Bericht. Der Wissenschaftler wertete den Text zwei Monate aus und hat keinen Zweifel an dessen Authentizität. "Die Talgkerze" sei ein "Senstationsfund", so Askgaard, "teils, weil es als Andersens erstes Märchen gesehen werden muss, teils weil es zeigt, dass er sich bereits als junger Mann für Märchen interessierte, bevor er den Schriftstellerberuf ergriff."

Enstanden dürfte das Werk in der ersten Hälfte der 1820er Jahre, am Ende seiner Schulzeit in der Lateinschule in der Stadt Slagelse auf der dänischen Hauptinsel Seeland. Das schließen Forscher daraus, dass der Dichter es einer "Frau Bunkeflod" widmete. Die Vikarswitwe Bunkeflod zählte zu Andersens Vertrauten in dieser Zeit.

Ungelenke Sprache des heranreifenden Autors

Abgesehen von der Widmung lässt auch der Stil des Märchens darauf schließen, dass der Text von Andersen selbst stammt. Genauer gesagt, die eher ungelenke Sprache. Sie sei typisch für den jungen Andersen, so die Forscher. Hinzu komme außerdem, dass er - wie bei anderen Werken - einen unbelebten Gegenstand zum Leben erwecke und die Themen Reichtum und Schönheit behandle.

Die Werke des mit 70 Jahren 1875 in Kopenhagen gestorbenen Dichters wurden in 125 Sprachen übersetzt. Zu seinen berühmtesten Märchen zählen "Das hässliche Entlein", "Der standhafte Zinnsoldat", "Die kleine Meerjungfrau" und "Des Kaisers neue Kleider".

(APA/dpa/Red.)