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Wann werden böse Banken für die Unbedarftheit ihrer Kunden bestraft?

Der „Falter“-Herausgeber macht die „Ideologie der Ära“ und die Banken verantwortlich für das Salzburger Zockerdesaster. Das wird Gambler-Gabi und die Spielbank-Sozialdemokraten freuen.

Das Christkind hat für die halbe Million Salzburgerinnen und Salzburger heuer eine besondere Überraschung parat: Neben den üblichen Geschenkpäckchen wird eine durchschnittliche Familie von zwei Erwachsenen und zwei Kindern heuer unter dem Weihnachtsbaum eine vorerst nur virtuelle, aber früher oder später höchst reale Rechnung über rund 2500 Euro vorfinden, die das Land Salzburg im Namen und auf Rechnung dieser Familie verspekuliert haben dürfte (aktuellen Schätzungen zufolge rund 600 Euro pro Nase).

Und das, nur zur Erinnerung, natürlich zusätzlich zu den weit über 100.000 Euro, mit denen eine derartige Familie bereits jetzt für die Schulden der Republik geradestehen muss. Na dann: Frohes Fest!

Und wer wird für dieses niedliche Präsent zur Verantwortung zu ziehen sein? Während schlichtere Gemüter die Landeshauptfrau, den Landesfinanzreferenten oder die Spitzenbeamten des Salzburger Finanzressorts der politischen Guillotine zuführen wollen, hat der Herausgeber des „Falter“, Armin Thurnher, originellerweise ganz andere Schuldige für derartige Fehlspekulationen öffentlicher Körperschaften ausgemacht: nämlich „die Ideologie einer Ära“ und natürlich „die Banken“, die Thurnher gerne „zur Verantwortung ziehen“ möchte.

Dass demnach offenbar nicht etwa Salzburger Beamte und/oder Politiker aus freiem Willen eine halbe Million Salzburger schwerstens materiell geschädigt haben, sondern ein nebuloser „Zeitgeist“ und natürlich „die Banken“ schuld an dem Desaster sind, werden vermutlich die Gambler-Gabi und ihre Spielbank-Sozialdemokraten samt möglicher schwarzer Beitragstäter nicht ungern hören.

Hand aufs Herz, waren die sogenannten Verantwortlichen nicht in Wahrheit Opfer eines Zeitgeistes, der ihnen keine andere Wahl ließ, als ein paar hundert Millionen in den Sand zu setzten? Was hätten die Armen denn tun sollen – etwa einfach nicht ins Casino gehen wie die meisten einfachen Steuerzahler und vermutlich auch Armin Thurnher? Waren sie nicht hilflos teuflischen Bankern ausgesetzt, die ihnen Gefügigkeitsdrogen ins Stiegl-Bier mischten und ihnen anschließend die wehrlose Hand zur Unterschrift führten? Woher hätten denn die Verantwortlichen im Gespräch mit Banken mit der Bedeutung des Wortes „Nein“ vertraut sein sollen?

Auch aus anderen Zockerbuden ist die gleiche Argumentation zu hören. Wenn sich etwa Millionen von volljährigen Griechen oder Spaniern freiwillig weit über ihre Möglichkeiten verschuldeten, waren bekanntlich auch die Banken schuld, die sie (mit bisher leider noch nicht publik gewordenen geheimnisvollen Methoden) gewaltsam gezwungen hatten, diese Schulden aufzunehmen.

Wer so argumentiert, bestreitet letztlich das Prinzip der Verantwortung des Einzelnen – ganz besonders des einzelnen Amtsträgers – für sein Tun. Ist der Einzelne aber dieser Verantwortung für sein Verhalten erst einmal entbunden, weil ja „die Ideologie einer Ära“ und „die Banken“ schuld sind, fallen die letzten Hemmungen: Dann wird erst recht gezockt, werden erst recht Schulden gemacht.

Nicht der törichte Verweis auf die vermeintliche Macht des Zeitgeistes oder der Banken kann dergleichen in Zukunft hintanhalten, sondern ganz altmodisch die Wiederherstellung der Haftung jedes Einzelnen für sein Agieren. Nicht nur in Salzburg.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.12.2012)