Berlusconi attackiert Monti: "Vor EU gekuscht"

Rom/Frankfurt am Main.  Der frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat erneut die deutschlandorientierte Politik seines Nachfolgers Mario Monti attackiert. Das Fachleutekabinett habe vor den Forderungen "der deutschen EU", die Italien in die Rezession getrieben hätten, "gekuscht", sagte der Medienzar in einem Radiointerview am Freitag. Berlusconi meinte, die Europäische Zentralbank (EZB) solle größere Vollmachten erhalten, um die staatlichen Refinanzierungskosten zu senken.

Der Mailänder Großunternehmer warnte vor der Gefahr, dass einzelne EU-Länder unter dem Druck der Krise zur Aufgabe der Gemeinschaftswährung gezwungen sein könnten, was verheerende Folgen für Europa hätte. Berlusconi unterstrich, dass die Risikoaufschläge unabhängig von den Regierungen seien.

Wahlkampf aus Verantwortungsbewusstsein

Der Medientycoon bekräftigte seine Kandidaturpläne für die kommenden Parlamentswahlen. "Ich hatte Monti vorgeschlagen, Italiens Zentrum zu vereinen. Er hat offenkundig eine andere Position, er hat mich nicht einmal angerufen. Aus Verantwortungsbewusstsein meinem Land gegenüber bin ich jetzt wieder einmal gezwungen, am Wahlkampf teilzunehmen", so Berlusconi. Nur auf diese Weise könne er einen Wahlsieg des Mitte-Links-Blocks bei den nächsten Parlamentswahlen verhindern, sagte der Ex-Premier.

Comeback-Plan

Berlusconi hatte bereits wiederholt für Italien einen Ausstieg aus der Euro-Zone vorgeschlagen, sich später aber auch wieder anders geäußert. Der Ex-Regierungschef will bei den für Februar erwarteten Parlamentswahlen erneut antreten, nachdem seine Partei dem Reformer Monti die Unterstützung entzogen hat. Der Comeback-Plan des Medien-Tycoon verunsichert die Finanzmärkte, die eine Abkehr vom Sparkurs fürchten. In Umfragen liegt die Partei von Berlusconi aber deutlich hinter dem Mitte-Links-Bündnis.

(APA)

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