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Das Projekt Frauenquote liegt auf Eis

EU-Kommissarin Reding scheiterte mit ihrer Verpflichtung zu mehr Frauen in Aufsichtsräten.

Es war eine Kampfansage: Wenn binnen zweier Jahre nichts passiert, werde es eine EU-weite Frauenquote für Aufsichtsräte großer Unternehmen geben, sagte Justizkommissarin Viviane Reding bei jeder Gelegenheit. Der tatsächliche Vorschlag hat mit dieser Drohung nur noch wenig zu tun. Das Ziel sind zwar weiterhin 40 Prozent weibliche Aufsichtsräte in börsenotierten Firmen – kleine und mittelgroße Betriebe sind ausgenommen. Aber es gibt keine verbindlichen Sanktionen, und wie Quotensünder „gestraft“ werden, bleibt den Mitgliedsländern überlassen. Das EU-Parlament und die nationalen Regierungen müssen noch zustimmen. Neun Länder haben sich unter der Führung von Großbritannien gegen eine verbindliche Quote ausgesprochen. Auch Deutschland hat sich noch nicht festgelegt, ob es dem abgeschwächten Vorschlag zustimmen wird. In Österreich tritt Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) für eine verbindliche Quote ein, Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) war stets dagegen. Laut Daten der Kommission sind rund 13 Prozent der Aufsichtsräte in der EU Frauen, in Österreich elf Prozent. Unter den Vorsitzenden sind es EU-weit etwa drei Prozent.


Abwanderung wegen Quote. Einige Länder sind vorgeprescht und haben auf eigene Faust Frauenquoten eingeführt. In Frankreich gibt es seit dem Vorjahr eine Quote, allerdings drohen nur milde Konsequenzen. Auch Belgien und die Niederlande haben Quoten beschlossen. Spanien hat seit 2007 eine Regelung, aber auch diese lässt Ausnahmen zu. In Österreich gibt es eine Frauenquote für Staatsbetriebe. Richtig ernst machte bisher aber nur Norwegen, das für die Quotenbefürworter als Vorbild gilt. Dort hat die Regierung 2003 eine Frauenquote verordnet. Bis 2008 galt eine Übergangsfrist. Als diese auslief, waren 17 Prozent der betroffenen Firmen säumig. Unter Androhung des Ausschlusses von der Börse zogen sie aber nach.

Heute gibt es in den Verwaltungsräten der norwegischen börsenotierten Firmen 40 Prozent Frauen, davor waren es neun Prozent. Die Folgen sind aber umstritten. Laut einer Untersuchung der Universität Michigan haben zahlreiche Firmen die Osloer Börse verlassen, um die Quote zu umgehen. Einer anderen Studie zufolge hat sich zudem die Annahme, dass mehr weibliche Aufsichtsräte auch den Anteil von Frauen im mittleren Management steigern, nicht bewahrheitet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.12.2012)