Wieder ein Ludwig auf der Leinwand! Der bayerische „Märchenkönig“ ist nicht umzubringen, sofern er nur gut gespielt wird wie hier. So nah am Wirklichen war er selten, verklärt ist er schon. Aber wollen wir nicht genau das?
Anfänglich mutet alles geradezu idyllisch an in dieser Fortsetzung der auf einer Buchvorlage beruhenden Saga rund um skurrile Drachen und bärtige Wikinger. Im "weltweit ersten Drachen-Wikinger-Paradies" haben sich Menschen und Fabelwesen derart eingerichtet, dass ein friedvolles Miteinander möglich ist. Die Freude aber, die währt nicht lange; ein Bösewicht namens Grimmel macht Hicks und Co. das Leben schwer. Dazu kommt, dass sich Drache Ohnezahn gehörig verliebt hat: in ein Drachenmädchen. Länge: 104 minGenre: AnimationLink: Drachenzähmen leicht gemacht 3 (c) UPI
Heidi, der Animationsklassiker aus 1974 kommt nun digitalisiert in die Kinos. So können auch junge Generationen und ältere nostalgisch auf die Geschichte der kleinen Heidi blicken, die von ihrem Großvater in den Schweizer Alpen in die Megametropole Frankfurt zu ihrer Tante geholt wird, um der gehbehinderten Klara Gesellschaft zu leisten. Länge: 88 minGenre: AnimationLink: Heidi - Das Original aus 1974 (c) Einhorn
In "The Prodigy" erzählt von einem hochbegabten Buben, der wegen seiner besonderen Fähigkeiten schon früh auf sich aufmerksam macht. Miles aber, so der Name des Wunderjungen mit den verschiedenfarbigen Augen, ist nicht nur außerordentlich intelligent, er hat auch irgendetwas Böses in sich. Hat sich eine paranormale Kraft des Knaben ermächtigt? In ihrer Verzweiflung sucht seine Mutter (Taylor Schilling, "Orange Is the New Black") professionelle Hilfe. Länge: 80 minGenre: HorrorLink: The Prodigy (c) Rafy / Einhorn
War im ersten Teil aus dem Jahr 2014 noch der fiese Lord Business der Schurke, bekommen es die gelbköpfigen Spielzeughelden rund um den stets unsagbar gut gelaunten Emmet Brickowoski (im Original gesprochen von Hollywoodstar Chris Pratt) mit Invasoren aus dem All zu tun - mit Duplo-Figuren, die bekanntermaßen ebenfalls zu den Marken des Lego-Konzerns gehören. Länge: 107 minGenre: AnimationLink: The Lego Movie 2 (c) Warner Bros.
"Die Frau des Nobelpreisträgers" erzählt die Geschichte des Schriftstellers Joe Castleman (Jonathan Pryce) und seiner Ehefrau (Glenn Close, die dafür als heiße Oscar-Kandidatin gilt). Joe Castleman bekommt den - aus seiner Sicht hochverdienten - Literaturnobelpreis. Zusammen mit Joan und dem gemeinsamen Sohn David (Max Irons, Sohn von Jeremy), der ebenfalls Schriftsteller-Ambitionen hat, reist er zur Preisübergabe nach Schweden - und die Fassade des glücklichen Paares bekommt nach 40 Jahren Risse, auch weil es ein großes Familiengeheimnis verbirgt. Länge: 100 minGenre: DramaLink: Die Frau des Nobelpreisträgers (c) Constantin Film
Während die 12-jährige Jessica (Ella Frey) an so manchem Tick leidet, genießt ihre 15-jährige Schwester Sabrina (Emilia Bernsdorf) trotz schwerer Krankheit ihre verbliebene Lebenszeit. Dann jedoch verschlechtert sich Sabrinas Krankheitszustand - worauf die jüngere einen Plan ersinnt, um ihre Schwester zu retten: Sie müssen ein Ritual aus einem alten Buch ausführen. Dafür muss Sabrina allerdings auch Sex mit einem Burschen haben. Und so macht sich Jessica daran, einen potenziellen Bettpartner für ihre ältere Schwester zu finden. Länge: 95 minGenre: KomödieLink: Glück ist was für Weicheier (c) Filmladen
Der 1914 in Vilnius geborene, in Polen in liebevoller Obhut seiner fürsorglichen Mutter Nina aufgewachsene Romain Gary wurde später in Frankreich zum gefeierter Autor, Weltkriegsflieger, Diplomaten und Filmregisseur. Dabei entpuppte sich der glühende Ehrgeiz seiner alleinerziehenden Mutter, das Beste aus ihrem Sohn zu machen, als treibende Kraft für den jungen Romain. "Frühes Versprechen" erzählt die wechselvolle Geschichte dieser ungewöhnlichen Mutter-Sohn-Beziehung, die noch über den Tod hinausging. Charlotte Gainsbourg spielt diese Mutter, Pierre Niney den Sohn. Länge: 131 minGenre: BiografieLink: Frühes Versprechen (c) Julien Panié / Polyfilm
In "Green Book" schickt Komödienspezialist Peter Farrelly das Duo Viggo Mortensen und Mahershala Ali auf eine unterhaltsame, aber auch harte Reise. Nach wahren Begebenheiten begleitet man dabei den Jazzmusiker Don Shirley (Ali) auf seiner Tournee durch die Südstaaten der USA, wo er von seinem hemdsärmeligen Chauffeur Tony Lip (Mortensen) öfters aus der Patsche geholt wird. Ein Film über Rassismus und ungewöhnliche Freundschaften, der allen voran von seinen Hauptdarstellern lebt. Länge: 130 minGenre: Drama/KomödieLink: Green Book - Eine besondere Freundschaft>> Zur Presse-Filkritik (c) 20th Century Fox
Nach einer wahren Begebenheit spielt Clint Eastwood (der hier auch Regie führt) den Kriegsveteranen Leo Sharp, der im hohen Alter als Drogenkurier für ein mexikanisches Kartell Kokain in die USA schmuggelte. Der ergraute Rentner fällt den Fahndern zunächst nicht auf, die Drogenbosse bessern seine Kasse großzügig auf. Eastwood inszeniert "The Mule" als eine Mischung aus Roadmovie, Krimi und Familiendrama. Es ist sein erster Auftritt vor der Kamera seit "Back in the Game" im Jahr 2012. An seiner Seite spielen Bradley Cooper, Laurence Fishburn, Andy Garcia und Dianne Wiest mit. Länge: 117 minGenre: DramaLink: The Mule >> Zur Presse-Filmkritik (c) Warner Bros.
Für Mia, Protagonistin dieses Familienfilms, stehen Veränderungen an: Mit ihrer Familie zieht die Zehnjährige von London ins ferne Südafrika. Ihr Heimweh währt lange. Eines Tages aber erblickt auf der Farm der Eltern ein weißes Löwenbaby das Licht der Welt. Das besondere Tier weckt immer mehr Mias Interesse - schließlich entwickelt sich zwischen den beiden eine wunderbare Freundschaft. Charlie aber bleibt nicht immer so klein und süß; Mias Eltern sehen in dem ausgewachsenen Löwen gar eine potenzielle Gefahr. Länge: 84 minGenre: AbenteuerLink: Mia und der weiße Löwe (c) Constantin Film
In "Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten" reist der KiKA-Moderator Tobias Krell rund um die Welt. Er steht am Krater eines grummelnden Vulkans, wird mit der bitteren Armut in Indien konfrontiert und taucht im Pazifik nach Fischen. Und er landet in Grönland, mitten in der endlosen Weite von Schnee und Eis, wo Wissenschafter erforschen, wie hoch und wie schnell der Meeresspiegel steigen wird. Kindgerecht und spannend erklärt der Film, dass es auf der Erde wunderschön ist, dass es gleichzeitig aber auch handfeste Probleme gibt. Die Klimaerwärmung etwa oder den Wassermangel in vielen Ländern. Länge: 84 minGenre: FamiliendokumentationLink: Checker Tobi und das Geheimnis (c) Johannes Obermaier / Filmladen
Was braucht ein guter Callboy? Wenn man schon nicht mit dem Aussehen punkten kann, dann sollte das beste Stück entsprechend ausgestattet sein. Auf dieser Schiene versucht sich der von Starkabarettist Thomas Stipsits gespielte Georgy Hillmaier in "Love Machine". Nachdem die Musikerkarriere nichts geworden ist, verdingt er sich eben als Prostituierter. Seine Schwester Gitti (Julia Edtmeier) ist die "Zuhälterin", dient ihr Beautysalon doch als ideale Werbeplattform. Als er sich jedoch in Fahrlehrerin Jadwiga (Claudia Kottal) verliebt, muss sich Georgy zwischen Liebe und Beruf entscheiden. Länge: 97 minGenre: KomödieLink: Love Machine (c) Felipe Kolm / Filmladen
Just als das Finale der Fußballweltmeisterschaft ansteht, verliert der portugiesische Fußballstar Diamantino (Carloto Cotta) seinen Vater - und sein magisches Mojo. Entsprechend hart fällt die Kritik der Medien aus - dabei möchte er doch eigentlich nur - von seinem Elfenbeinturm aus - die Welt verbessern. So tappst Diamantino von einem Fettnäpfchen ins nächste und sieht sich mit der realen Welt konfrontiert, die von Korruption, Flüchtlingselend und dem Aufstieg der nationalistischen Rechten in Europa geprägt ist. Ähnlichkeiten mit irgendwelchen portugiesischen Starfußballern sind in dieser überdrehten Komödie rein zufällig. Länge: 92 minGenre: Fantasy-KomödieLink: Diamantino (c) Stadtkino
Joels Leben ist nicht direkt der Hit, arbeitet er doch auf der Müllhalde in Fulton County. Umso mehr wird diese Existenz auf den Kopf gestellt, als die Exfrau des Eigenbrötlers verschwindet und Joel sich um den gemeinsamen Sohn Will kümmern muss, der mit seinen zehn Jahren bereits weit mehr als 100 Kilogramm auf die Waage bringt und wegen eines Traumas stumm ist. Immerhin Nachbarstochter Carla freundet sich aber mit dem verstörten Buben an und findet einen Zugang zu ihm. Joel indes beginnt Freude an seiner Vaterrolle zu empfinden - als die Behörden Will an eine Pflegefamilie vermitteln wollen. Länge: 98 minGenre: DramaLink: Weightless (c) Kinostar
Callboy mit Waschbärbauch und Drogenkurier mit Pensionistenausweis
„Es war Mord“, steht auf einem Plakat, daneben ein paar vermummte Gestalten, hinter ihnen der Starnberger See. Solche Bilder kennt man von den Guglmännern, einem bayerischen monarchietreuen Geheimbund, der vor allem einen König verehrt: Ludwig II., den „Märchenkönig“. Den Schöpfer des maßlos exzentrischen Schlosses Neuschwanstein, Wagner-Verehrer, der Kriege durch Konzerte ersetzen wollte und an seine Cousine Sisi über eines seiner Schlösser schrieb: „Die Menschen sollen wissen, dass hier das Schöne entstanden ist, nur um der Schönheit willen. Einen muss es doch geben im Land, der nicht nur dran denkt, was ihm nützt. Wenn es niemand andrer ist, muss es eben der König sein.“
Aber nicht nur die Guglmänner lieben Ludwig II., und nicht nur die Bayern. In alle Welt strahlt der Ludwig-Kult, der Mythos des an der schnöden Realität zerbrochenen Königs, aus. Und haufenweise Psychiater verdammten ihren Vorgänger, der den die Staatsfinanzen ruinierenden König auf politischen Wunsch für verrückt erklärt hatte.
War er Borderliner, bausüchtig?
Bis zuletzt agierte Ludwig II. rational – wie „geistesgestört“ war er wirklich? Das wird man wohl nie genau wissen, zumal nach seinem Tod Akten „verschwunden sind“. Heutige Psychiater spekulieren mit allen möglichen Begriffen: schizotype Störung, Borderlinesyndrom, Bausucht. Kurz gesagt: Er war etwas seltsam. Aber verrückt, unzurechnungsfähig? Dafür gibt es keinen Beweis.
Ebenso wenig wird wohl je ganz geklärt werden, was am 13. Juni 1886 passiert ist. Einen Tag, nachdem man den 40-Jährigen gewaltsam nach Schloss Berg abtransportiert hatte, fand man ihn mit seinem psychiatrischen Gutachter ertrunken im Starnberger See. Mord? Dafür fehlen seriöse Anhaltspunkte, also bleibt Selbstmord die gängigste und auch einleuchtendste These. „Von der höchsten Stufe des Lebens hinabgeschleudert zu werden in ein Nichts – das ertrage ich nicht“, erklärte der entmachtete Monarch zwei Tage vor seinem Tod.
Der deutsche Film „Ludwig II.“, der seit Mittwoch im Kino läuft, folgt der Selbstmord-These. Ludwig stirbt einen einfallslos verkitschten Tod, entschwebt im Wasser wie der Held von Luc Bessons Film „The Big Blue“. Wohin? Auf jeden Fall in die Freiheit, heraus aus den Fesseln der Realität – und seiner eigenen Moral. Im berühmten Ludwig-Film von Luchino Visconti frönte Ludwig als König des Ästhetizismus ungehemmt seinen – historisch unumstrittenen – homosexuellen Neigungen. Hier verzichtet er, unterdrückt verzweifelt seine Liebe zu Männern. Dass er diese Liebe als sündhaft empfunden hat, weiß man. Aber dass er deshalb Jungfrau geblieben ist, das ist ebenso romantische Erfindung wie dass er ein Leben lang in einen jungen Untergebenen verliebt gewesen sein soll.
Ein bayerischer Heiligenschein
Aber es gehört zum tragischen Heiligenschein, den die Regisseure Marie Noëlle und Peter Sehr ihrem Ludwig verpassen. Er stirbt an sich, an ungestilltem Liebesdurst, an der grausamen Wirklichkeit. Sehr gläubig war Ludwig, hier erscheint er manchmal geradezu Jesus-gleich, als ein „rex dolorosus“, der um jeden toten Soldaten weint. Der historische Ludwig hasste den Militarismus, hier wird er – nicht zum ersten Mal – zur Heilsfigur des modernen Pazifismus stilisiert. Bismarck dagegen verkörpert gegen das friedliche Bayern das böse, kriegerische Prinzip. Nach seinem Sieg in Königgrätz 1866 verliert Bayern die Souveränität. Ludwigs Bruder Otto ist verrückt geworden, im Film raubt ihm Bayerns Entmachtung den Verstand.
Das alles ist idealisiert, aber nicht lächerlich. Die Regisseure sind sichtlich Ludwig-Bewunderer, und sie bedienen mit ihrem Film bayerisch-katholische Patrioten. Sie bemühen sich aber auch, die dunklen Seiten von Ludwigs Charakter einzufangen: seinen Narzissmus, seine Egozentrik, seine abrupten Stimmungswechsel – und die Tragik eines jugendlichen Schwärmers, der mit 18 jäh zum Regieren gezwungen wird.
Insgesamt kommt der neue, sehr genau recherchierte Ludwig dem historischen sogar näher als in bisherigen Verfilmungen. Bemüht um historische Korrektheit, hantelt sich der Film brav an Fixpunkten in Ludwigs Leben vorwärts: Es beginnt mit dem Tod des ungeliebten Vaters, der den 18-jährigen scheuen Schwärmer in das verhasste, ihn überfordernde Regierungsgeschäft zwingt. Gleich danach rückt die Liebe zur Musik und zur Person Richard Wagners, den Ludwig nach München holt, ins Zentrum. Seitenfenster öffnen sich zur Freundschaft mit der ebenfalls liberalen und auch sonst „seelenverwandten“ Cousine Elisabeth (Hannah Herzsprung als recht gewöhnlich wirkende Kaiserin Sisi). Die berühmte Ludwig-Verfilmung mit O. W. Fischer aus den 1950er-Jahren zeigt die beiden als unglücklich Liebende; hier teilt Sisi wie schon bei Visconti den Drang nach (politischer) Freiheit.
Sabin Tambrea: schön, fein, androgyn
Es geht weiter mit Ludwigs scheiterndem Versuch, sich zu einem konventionellen königlichen Sexualleben durchzuringen (seine Verlobung mit Cousine Sophie löst er nach einem halben Jahr wieder auf); mit vergeblichen Kriegsverhinderungsversuchen und dem zunehmenden Rückzug in Musiktheater- und Baufantasien. Wichtiges bleibt auch ausgeklammert, etwa Wagners Beziehung zu seiner späteren Frau Cosima von Bülow, die große Spannungen in seine Freundschaft mit dem König gebracht hat, oder Ludwigs Schweiz-Reise mit dem Schauspieler Josef Kainz – Thema des Films „Ludwig 1881“.
Es braucht keine großartige Regie, um einen ergreifenden Ludwig-Film zu machen. Die aus Wirklichkeit und Legenden gestrickte Figur ist so faszinierend, dass ein geeigneter Hauptdarsteller genügt, der sie mit Leben füllt. Und das ist Sabin Tambrea, ein bisher fast Unbekannter. Mit seinen schönen, feinen, androgynen Gesichtszügen erinnert er an den vom Erzähler begehrten Tadzio aus Viscontis Verfilmung von Thomas Manns „Tod in Venedig“. Tambrea ist so tief in die Ludwig-Figur eingetaucht, dass er sogar das lächerlich unhistorische, weil so unhöfisch heutige Gehabe und Gerede seines Umfelds – einschließlich Hannah Herzsprungs Sisi und Edgar Selges Wagner – vergessen lässt. Ohne ihn allerdings könnten auch noch so viele Neuschwanstein-Luftaufnahmen und „Lohengrin“-Klänge den Film nicht retten.
„Ein ewig Rätsel will ich bleiben“
So aber kann Ludwig – zum wievielten Mal? – rühren, ja erschüttern. Als Träumer, der rein sein will wie Lohengrin, vom Weltfrieden träumt, ewig ungestillt begehrt und aus seinen Luftschlössern Schlösser baut. Es ist bei aller Annäherung nicht der „wirkliche“ Ludwig, der bleibt, was er sich vorgenommen hat: „Ein ewig Rätsel will ich bleiben, mir und anderen.“ Aber der Ludwig, der seit Generationen menschliche Sehnsüchte bündelt, ist mindestens ebenso interessant.