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Leitartikel: Was 2013 bringt (oder auch nicht)

Ein Blick in die Kristallkugel hat ergeben: Silvio Berlusconi schafft kein Wahl-Comeback, Angela Merkel und Benjamin Netanjahu bleiben im Amt. Und in der Iran-Krise kommt es zum Showdown.

Besonders abergläubische Zahlenphobiker verspüren mittlerweile vermutlich den starken Wunsch, das kommende Jahr einfach auszulassen, so, wie das in manchen Hotelaufzügen beim 13. Stockwerk üblich ist. Doch leider hat dafür mit Ausnahme von Dr. Emmett L. Brown, den Filmkindern der 1980er aus „Zurück in die Zukunft“ bekannt, noch niemand eine entsprechende Technik erfunden. Es hilft nichts. Wir müssen 2013 ins Auge sehen. Ein paar Anhaltspunkte gibt es schon.

Europa stehen zwei Wahlen bevor, die Spuren hinterlassen werden. Gelingt am 25.Februar Silvio Berlusconi die Rückkehr an die Macht in Rom, könnte es eng werden unter dem Euro-Rettungsschirm. Noch sieht es nicht danach aus. Die Partei des Possenreißers liegt klar hinter Pier Luigi Bersanis Mitte-links-Bündnis. Und im Zentrum erwächst nun auch in der Allianz, die sich um den Technokratenpremier Mario Monti schart, eine neue Alternative. In Deutschland deutet alles auf einen Herbstsieg von Kanzlerin Angela Merkel hin. Peer Steinbrück dürfte sich bald wieder Vorträgen widmen können. Denn auch unter ihm als Spitzenkandidaten kommt die SPD nicht vom Fleck. Sorgen muss sich die Union um ihren Koalitionspartner: Sollten die Liberalen mit Philipp Rösler in die Wahl ziehen, stellen sie möglicherweise gar keine Abgeordneten im nächsten Bundestag. Merkel kann dann noch immer eine Große Koalition bilden.

Bei der Wahl in Israel am 22.Jänner wird die Labour-Partei unter Shelly Yachimovich wieder ein Lebenszeichen von sich geben. Doch es wird nicht reichen, um die Koalition von Premier Benjamin Netanjahu aus dem Amt zu jagen. Mit dem Votum im Rücken wird er noch vehementer als zuvor darauf drängen, Irans Atomprogramm unschädlich zu machen. 2013 könnte das Jahr der Entscheidung sein. US-Präsident Obama wird noch einmal einen Verhandlungsanlauf nehmen. Lässt Teheran den Westen wieder ins Leere laufen, wird sich eine militärische Eskalation nur schwer abwenden lassen.

Ein Terrainverlust zeichnet sich für die Iraner in Syrien ab. Ihr dortiger Verbündeter, Bashar al-Assad, wird den Silvesterabend 2013 kaum mehr im Präsidentenpalast verbringen. Doch nach ihm droht weiteres Chaos und, wie in anderen arabischen Ländern, eine neue islamistische Ära.

Ein Umbruch zeichnet sich in Venezuela ab, wo der krebskranke Hugo Chávez möglicherweise nicht mehr in der Lage ist, die Amtsgeschäfte zu führen. Das hätte auch Auswirkungen auf die Genossen in Kuba.

Jederzeit explodieren könnten die Brandherde in Asien. Nordkorea bereitet einen Nukleartest vor. Im Atomstaat Pakistan verfestigen radikal-islamistische Kräfte ihren Einfluss. Nur mühsam unter Kontrolle gehalten werden zudem die Territorialkonflikte, die China im Pazifik mit Japan, Südkorea und anderen Ländern vor sich hin brodeln lässt. Ein Funke reicht, um die prosperierende Region in den Abgrund zu stürzen.

Wird es 2013 passieren? Nicht unbedingt. Meistens kommt bekanntlich fast alles anders. Und für Prophezeiungen gilt ohnedies, dass sie in die Zuständigkeit von Narren oder Kindern fallen. Wahrscheinlich machen sie deshalb so viel Spaß.

christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.12.2012)