Deutsche Burschenschaft: Wiener übernehmen Vorsitz

"Teutonia"-Homepaga(c) Screenshot: http://www.teutonia.at

Die Wahl der "Teutonia" zur vorsitzenden Verbindung bekräftigt einen Rechtsruck. Viele liberale Burschenschaften sind bereits ausgetreten.

Die Wiener akademische Burschenschaft Teutonia übernimmt den Vorsitz der Deutschen Burschenschaft. Damit bestimmt die Vereinigung im nächsten Jahr die Ausrichtung des Dachverbands. Das berichtete "Spiegel Online" am Donnerstag.

Laut dem Bericht sind die Wiener Teutonen auf einem außerordentlichen Burschentag in Stuttgart zur vorsitzenden Verbindung gewählt worden. Dort hätte die Vereinigung klar gemacht, wohin die übrigen rund hundert Mitgliedsbünde marschieren sollten: weiter nach rechts. Immerhin sieht die "Teutonia" ihre primäre Aufgabe darin, junge Studenten zu "charaktervollen Männern zu erziehen". Dazu gehört das "mannhafte Eintreten für unsere Heimat und unser Volk".

Landkarte der "verlorenen" Gebiete

Weitere Indizien für den erneuten Rechtsruck ortet "Spiegel Online" in ihm vorliegenden internen Papieren der österreichischen Burschenschaft, darunter ein bisher unbekanntes Flugblatt aus den frühen achtziger Jahren. Es zeigt unter dem Titel "Deutschlands Verstümmelung" eine Landkarte des Deutschen Reichs und Österreichs nach dem ersten Weltkrieg, auf der die "verlorenen" Gebiete verzeichnet sind. Untertitel: "Niemals verzichten!"

Der Wiener Politologe Bernhard Weidinger rechnet gegenüber dem Blatt damit, "dass die Teutonen bestrebt sein werden, die Interessen und Narrative der völkischen Hardliner im Verband zur Geltung zu bringen". Bis heute gebe es schließlich Verbindungen zur Szene, aber auch in die FPÖ. "Über die FPÖ können Burschenschafter Themen setzen und völkische Kernanliegen, wie etwa die 'Deutscherhaltung' Südtirols, den 'Kampf gegen Überfremdung' oder die Infragestellung des NS-Verbotsgesetzes im tagespolitischen Diskurs halten", wird Weidinger zitiert.

Liberale Burschenschaften treten aus

Wegen des Rechtsrucks traten in den vergangenen Monaten viele gemäßigte national-liberale Burschenschaften aus dem Dachverband aus.

Walter Tributsch, Mitglied der Wiener Teutonia und Sprecher der Deutschen Burschenschaft, sieht dies gegenüber "Spiegel Online" aber anders: Bei dem Treffen in Stuttgart "war eine sehr harmonische Atmosphäre. Eine Spaltung der Deutschen Burschenschaft ist erst einmal vom Tisch." Wenige Tage darauf verkündete jedoch eine der größten liberalen Burschenschaften, die Hilaritas Stuttgart, dass sie der Deutschen Burschenschaft nicht länger angehören wolle.

Die Teutonia war von 1919 bis 1933 Mitglied der Deutschen Burschenschaft. 2007 ist sie der Vereinigung wieder beigetreten.