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David Bowie meldet sich zurück – aus Berlin

(c) AP (STEPHEN CHERNIN)
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Just an seinem 66. Geburtstag veröffentlichte der Meister der Masken den ersten Song seit fast zehn Jahren: „Where Are We Now?“, eine wehmütige Tour durch die Ex-Mauerstadt. Ein Album soll folgen.

„Had to get the train from Potsdamer Platz . . . Sitting in the Dschungel on Nürnberger Straße . . . A man lost in time near KaDeWe“ In seiner ersten Veröffentlichung seit „Reality“ (2003) streift David Bowie durch alte Gefilde, durch eine Stadt, die er, als sie noch geteilt war, für sich und die Landkarte des Pop entdeckt hat: durch Berlin. Von 1976 bis 1978 hat er dort, im Bezirk Schöneberg, gewohnt und die epochalen Alben „Low“ und „Heroes“ aufgenommen.

Nun ist er also zurück, im westlichen Teil natürlich (die Nürnberger Straße ist gleich beim Kurfürstendamm, das KaDeWe ist das Kaufhaus des Westens), und seine Stimme ist wie einst von Melancholie umflort, man meint erstickte Tränen zu hören, wenn er „Just walking the dead“ singt und „Where are we now?“ fragt.



Doch wie die urbane Landschaft hat sich auch die Klanglandschaft geändert. Einst waren es schroffe elektronische Klänge, bisweilen orientalisch durchwachsen, etwa wenn er durch Neukölln schlenderte. Im neuen Song hört man stattdessen die glatten Fassaden des Mainstream-Pop der Achtzigerjahre (den er ja selbst mit Songs wie „Let's Dance“ bereichert hat), während die harmonische Struktur an eine ganz andere Band erinnert: an Pink Floyd. Ja, tatsächlich, es sind die Akkorde von „Shine On You Crazy Diamond“, zu denen hier spaziert wird.

Auch das Video beginnt mit einem Diamanten, der offenbar in einem Berliner Rinnsal gelandet ist, dann begleitet uns ein Paar von Gesichtern, beide ausgeschnitten, durch die alten Straßen und Werkstätten: Es ist Bowie, natürlich, in edler Trauer, einmal wie weiland in „Heroes“ an seinen Lippen nagend, und eine (seine?) Frau. Am Ende sieht man die Siegessäule, dann verschwinden die Gesichter aus ihren Rahmen.

Inzwischen hat der Song überraschenderweise an Spannung gewonnen: durch einen schleifenförmigen Zweitbeat, zu dem Bowie Worte des Trostes skandiert: „As long as there's sun, as long as there's rain, as long as there's me, as long as there's you . . .“

Eine zumindest bemerkenswerte Rückkehr also, ein weiterer „return of the thin white duke“, von dem man freilich nicht mehr sagen kann, dass er eine Rolle spielt, dass er eine fesselnde Kunstfigur ist. Dieser Rückfall auf ein „normales“ Ich war ja der wichtigste Grund dafür, dass Bowies Alben nach „Earthling“ (1997), seiner großartig unverschämten Anbiederung an Drum 'n' Bass, an Spannung verloren haben. Bei gleichbleibender musikalischer Eleganz. Für diese ist wieder einmal Tony Visconti, Bowies Produzent seit 1969 (mit Pausen), verantwortlich. Ein Album mit 14 Songs namens „The Next Day“ soll Anfang März erscheinen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2013)

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