Just an seinem 66. Geburtstag veröffentlichte der Meister der Masken den ersten Song seit fast zehn Jahren: „Where Are We Now?“, eine wehmütige Tour durch die Ex-Mauerstadt. Ein Album soll folgen.
Ab 23. März ehrt das Londoner Victoria and Albert Museum Pop-Ikone David Bowie mit einer Ausstellung. Bereits Tage vor der Eröffnung hat die große Bowie-Schau einen enormen Hype entfacht. (c) Reuters (NEIL HALL)
Mehr als 50.000 Karten für die umfassende Retrospektive "David Bowie is" seien bereits im Vorverkauf weggegangen, hieß es am Mittwoch vom Museum. (c) Reuters (NEIL HALL)
Noch nie in der mehr als 150 Jahre alten Geschichte des Hauses hätten sich Tickets so schnell verkauft. Die Ausstellung, die bis August läuft, soll demnach auf Wochen hinaus ausgebucht sein. (c) Reuters (NEIL HALL)
"Wir hatten eine kleine Vorahnung, dass die Ausstellung ein Erfolg werden könnte", sagte Museumsdirektor Martin Roth. Sukita The David Bowie Archive 2012
300 Objekte, darunter handgeschriebene Texte, Musikinstrumente und Bühnenkostüme wurden vom David Bowie Archiv für die umfassende Retrospektive ausgewählt. V&A Images
An der Schau selber war Bowie nicht beteiligt. "Der Deal war: Ihr könnt Euch Sachen aus meinem Archiv ausleihen, aber ihr regelt alles mit meiner Archivarin", sagte Kurator Geoffrey Marsh. (c) EPA (BOGDAN MARAN)
Vor allem seine opulenten Outfits werden die Herzen der Bowie-Fans höher schlagen lassen. Angefangen von schicken Anzügen, die noch von der Mod-Jugendkultur geprägt waren, bis hin zum berühmten Ziggy Stardust-Kostüm, das er u.a. 1972 für seinen "Top of the Pops"-Auftritt trug. (c) Reuters (NEIL HALL)
Auch seine Berliner Phase, von 1976 bis 1979 lebte die Pop-Ikone in der deutschen Metropole, wird im Rahmen der Ausstellung gewürdigt. V&A Images
Auch sein ikonographischer Union Jack Mantel, den Alexander McQueen 1997 für ihn kreierte, wird ausgestellt. Originalfoto für das Earthling Albumcover 1997. Frank W Ockenfels 3
Was von außen so aussieht, als ob er sich ganz aus PR-Strategien heraushalten würde und es ihm nur um die Kunst gehe, dürfte zumindest teilweise einer seiner vielen genialen Schachzüge sein. (c) Reuters (NEIL HALL)
Am 8. März war sein neues Werk - das erste Studioalbum seit "Reality" aus dem Jahr 2003 - erschienen. Die neue Platte ware mit Hilfe des Symbols eines weißen Quadrats ins Bewusstsein der Käufer geschlichen: (c) Reuters (NEIL HALL)
Weitere Impressionen der großen David Bowie Ausstellung im Londoner Victoria and Albert Museum.David Bowie und William Burroughs 1974. The David Bowie Archive 2012
„Had to get the train from Potsdamer Platz . . . Sitting in the Dschungel on Nürnberger Straße . . . A man lost in time near KaDeWe“ In seiner ersten Veröffentlichung seit „Reality“ (2003) streift David Bowie durch alte Gefilde, durch eine Stadt, die er, als sie noch geteilt war, für sich und die Landkarte des Pop entdeckt hat: durch Berlin. Von 1976 bis 1978 hat er dort, im Bezirk Schöneberg, gewohnt und die epochalen Alben „Low“ und „Heroes“ aufgenommen.
Nun ist er also zurück, im westlichen Teil natürlich (die Nürnberger Straße ist gleich beim Kurfürstendamm, das KaDeWe ist das Kaufhaus des Westens), und seine Stimme ist wie einst von Melancholie umflort, man meint erstickte Tränen zu hören, wenn er „Just walking the dead“ singt und „Where are we now?“ fragt.
Doch wie die urbane Landschaft hat sich auch die Klanglandschaft geändert. Einst waren es schroffe elektronische Klänge, bisweilen orientalisch durchwachsen, etwa wenn er durch Neukölln schlenderte. Im neuen Song hört man stattdessen die glatten Fassaden des Mainstream-Pop der Achtzigerjahre (den er ja selbst mit Songs wie „Let's Dance“ bereichert hat), während die harmonische Struktur an eine ganz andere Band erinnert: an Pink Floyd. Ja, tatsächlich, es sind die Akkorde von „Shine On You Crazy Diamond“, zu denen hier spaziert wird.
Auch das Video beginnt mit einem Diamanten, der offenbar in einem Berliner Rinnsal gelandet ist, dann begleitet uns ein Paar von Gesichtern, beide ausgeschnitten, durch die alten Straßen und Werkstätten: Es ist Bowie, natürlich, in edler Trauer, einmal wie weiland in „Heroes“ an seinen Lippen nagend, und eine (seine?) Frau. Am Ende sieht man die Siegessäule, dann verschwinden die Gesichter aus ihren Rahmen.
Inzwischen hat der Song überraschenderweise an Spannung gewonnen: durch einen schleifenförmigen Zweitbeat, zu dem Bowie Worte des Trostes skandiert: „As long as there's sun, as long as there's rain, as long as there's me, as long as there's you . . .“
Eine zumindest bemerkenswerte Rückkehr also, ein weiterer „return of the thin white duke“, von dem man freilich nicht mehr sagen kann, dass er eine Rolle spielt, dass er eine fesselnde Kunstfigur ist. Dieser Rückfall auf ein „normales“ Ich war ja der wichtigste Grund dafür, dass Bowies Alben nach „Earthling“ (1997), seiner großartig unverschämten Anbiederung an Drum 'n' Bass, an Spannung verloren haben. Bei gleichbleibender musikalischer Eleganz. Für diese ist wieder einmal Tony Visconti, Bowies Produzent seit 1969 (mit Pausen), verantwortlich. Ein Album mit 14 Songs namens „The Next Day“ soll Anfang März erscheinen.
"The Stars (Are Out Tonight)" feierte am Dienstag Premiere. Tilda Swinton spielt im dazugehörigen Video die weibliche Hauptrolle. Das neue Album "The Next Day" kommt im März.