Der Buchverlag als Kochsalon?

Der Kärntner Verleger Lojze Wieser probiert ein privates Modell der Verlagsförderung aus: die Patenschaft.

Jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht! Jetzt muss man sich nicht mehr mit einer Scheibe Schinkenspeck und einem kargen Gläschen Schnaps bescheiden, die Lojze Wieser stets parat hatte, wenn man auf den Buchmessen seinen Stand besuchte. Endlich kocht der kulinarische Kärntner Verleger richtig auf. Einzige Voraussetzung: eine Platinbuchpatenschaft. Die Idee kennt man von der Österreichischen Nationalbibliothek. Zur Erhaltung der wertvollen Bestände werden dort Paten gesucht. Diese wählen ein Werk aus, dessen dringend nötige Restauration der Pate finanziell unterstützt. Er erhält dafür ein Exlibris mit seinem Namen, das dem Objekt beigefügt wird. Damit soll das literarische Erbe Österreichs bewahrt werden.

Und was soll beim Wieser-Verlag konserviert werden? Für nur 1000 Euro kann man Kyrill-und-Method-Pate werden, um wohlfeile 2500 Euro ist man bereits ein Alma-Karlin-Pate, mit 5000 Euro darf man sich Primož-Trubar-Pate nennen und im Premiumbereich gibt's für 10.000 Euro die Gutenberg-Patenschaft. „Bei der Platinbuchpatenschaft darf der Pate mit einem Dutzend Freunden und Bekannten kommen, ich koche für alle, lese vor und diskutiere“, so bietet Lojze Wieser seine Dienste an.

Man unterhält sich gern mit Lojze Wieser. Er ist ein profunder Kenner südosteuropäischer Literatur, hat Witz und Charme. Etwas weniger gern, so hört man von manchem Autor, macht man Bücher mit ihm, weil das mitunter eine sehr einseitige Sache ist. Zuerst kassiert Wieser für die Herstellungskosten, dann beim Verkauf der Bücher. Statt eines Autorenhonorars erhalten alle Freunde des Verlags – und wer wäre keiner? – Speck und Schnaps.

Nun soll die Sache also professionalisiert werden. Das hat wohl damit zu tun, dass der Wieser-Verlag im Frühjahr 2012 mit zirka 820.000 Euro Außenständen Insolvenz anmelden musste. Lojze Wieser hat danach, wie im Editorial der Verlagsvorschau vom Herbst des Vorjahrs nachzulesen, „in den Dolinen des Karsts nach Möglichkeiten der vermehrten Unterstützung“ gesucht. Diese hat er dann weniger im Karst als in der Person Erhard Buseks gefunden. Mit dessen Hilfe wurde aus dem Einzelhandelsunternehmen eine Ges.m.b.H. gebastelt.

Im künftigen „Kochsalon Wieser“ wird man statt Autor also entweder Gesellschafter oder Pate oder beides.

E-Mails an: harald.klauhs@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2013)


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